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Industriekonzern Thyssen-Krupp-Vorstand rechnet mit Milliarden-Verlust

Thyssen-Krupp gibt eine düstere Prognose für das dritte Quartal ab: Der Konzern erwartet bis zu eine Milliarde Euro Verlust.
17.07.2020 Update: 17.07.2020 - 17:19 Uhr Kommentieren
Thyssen-Krupp hatte im Februar für rund 17 Milliarden Euro seine Aufzugssparte verkauft. Quelle: imago images/blickwinkel
Konzernzentrale von Thyssen-Krupp

Thyssen-Krupp hatte im Februar für rund 17 Milliarden Euro seine Aufzugssparte verkauft.

(Foto: imago images/blickwinkel)

Berlin Thyssen-Krupp rechnet auch nach dem milliardenschweren Verkauf der Aufzugssparte mit einer längeren Durstrecke und prüft im Zuge der Coronakrise Finanzierungshilfen. Allein im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 (per Ende September) könnte ein Verlust von bis zu einer Milliarde Euro anfallen, gegebenenfalls ein hoher dreistelliger Millionenbetrag, hieß es in einem am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Brief des Vorstands an die Mitarbeiter.

„Eine schnelle Erholung unserer Kundenindustrien ist aus heutiger Sicht unwahrscheinlich. Das gilt insbesondere für die Automobilbranche.“ Deswegen wolle der Industriekonzern nun auch prüfen, welche staatlichen Hilfen in der Coronakrise in Betracht kommen.

Thyssen-Krupp hatte sich bereits bei der staatlichen KfW eine Kreditlinie von rund einer Milliarde Euro für den Fall gesichert, dass die Einnahmen aus dem 17,2 Milliarden Euro schweren Verkauf der Aufzugssparte nicht rechtzeitig fließen. Das Closing für den Deal ist für Ende Juli geplant – dann soll auch das Geld überwiesen werden. Unklar ist, wieviel übrig bleibt, wenn die größten Löcher gestopft sind. Zudem fallen künftig die Einnahmen aus dem Geschäft weg, das der größte Gewinnbringer ist.

Mitarbeiter in Sorge

Fest steht, dass der Spielraum für die Neuausrichtung „geringer“ sei als noch vor dem Ausbruch der Pandemie im März angenommen, hieß es in dem Schreiben. Derzeit seien 32.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. „In jedem Fall wird es aus heutiger Sicht nicht mehr ausreichen, unsere Gegenmaßnahmen auf kurzfristige Liquiditätssicherung zu beschränken,“ kündigte das Management an. „Das ist notwendiges 'fire fighting' in der akuten Krisensituation.“

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    Ergänzend müsse man sich vielmehr darauf einstellen, dass sich die Geschäftsaktivitäten auf einem Niveau einpendeln, welches zum Teil dauerhaft und nicht unerheblich unter den früheren Mengen-Planungen liege. „Daher müssen wir uns schon heute mit langfristig wirksamen Gegenmaßnahmen befassen.“

    Bereits bei der Bilanzpressekonferenz im November und bei der Hauptversammlung im Februar 2021 müssten sichtbare Schritte bei der Verbesserung unserer Profitabilität zu sehen seien. Für die Mitarbeiter des Traditionskonzerns dürfte sich damit über die nächsten Monate die Phase der Unsicherheit noch verstärken. Ein Stellenabbauprogramm läuft bereits. Zudem stehen alle Bereiche auf dem Prüfstand. Verkauf, Schließung, Fusion oder Partnerschaften – alles ist möglich.

    Die Chefin der Krupp-Stiftung, Ursula Gather, erwartet einen kräftigen Schub durch den Aufzugsdeal. „Der Abschluss des Elevator-Verkaufs wird dem Unternehmen 17 Milliarden Euro bescheren, und damit sollte die Zukunft von Thyssen-Krupp gestaltet werden“, sagte Gather der „Börsen-Zeitung“. „Das Geld steht für den Schuldenabbau, die teilweise Sicherung der Pensionslasten und für Investitionen zur Verfügung. Damit sollte das Unternehmen wieder profitabel und wettbewerbsfähig werden und am Ende auch wieder dividendenfähig.“

    Zugleich versicherte sie, dass der größte Einzelaktionär weiter an der Seite des Unternehmens bleibe. „Wir gedenken, die Anteile an Thyssen-Krupp langfristig zu halten.“

    Mehr: Thyssen-Krupp verlängert die Kurzarbeit

    • rtr
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