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Industriekonzern Thyssen-Krupps Stahlbetriebsrat warnt Cevian vor „Griff in die Kasse“

Die Arbeitnehmervertreter fordern eine zukunftsfähige Strategie für Thyssen-Krupp – und erteilen einer möglichen Sonderdividende schon im Vorfeld eine Absage.
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„Wenn so ein Cevian um die Ecke kommt und sagt, wir greifen mal in die Kasse, dann sagen wir: nicht mit uns“, erklärte Nasikkol. Quelle: dpa
Tekin Nasikkol

„Wenn so ein Cevian um die Ecke kommt und sagt, wir greifen mal in die Kasse, dann sagen wir: nicht mit uns“, erklärte Nasikkol.

(Foto: dpa)

Duisburg Tekin Nasikkol hat turbulente Monate hinter sich – und wohl noch turbulentere vor sich. Seit mehr als einem Jahr schon taumelt Thyssen-Krupp, wo Nasikkol die Interessen der Stahlkocher vertritt, von einer strategischen Wende in die nächste. Doch ein Ende des Dauerumbaus ist bei dem Industriekonglomerat derzeit nicht in Sicht.

Das drückt zunehmend auch auf die Stimmung der Arbeitnehmer. „Die Belegschaft macht sich täglich mehr und mehr Sorgen über ihre Zukunft“, erklärte der Gesamtbetriebsratschef nach einer Betriebsversammlung der Stahlkocher am Donnerstag. „Schlechte Nachrichten aus dem Konzern sind wir gewöhnt. Doch jetzt kommen noch schlechte wirtschaftliche Rahmenbedingungen hinzu.“

Die Zeichen für das wichtigste Geschäft von Thyssen-Krupp stehen derzeit auf Sturm. Das Stahlgeschäft leidet unter hohen Erzpreisen, gleichzeitig sackte die Nachfrage vor allem aus der Automobilindustrie zuletzt dramatisch ein, sodass die Sparte in den ersten neun Monaten einen Verlust von rund 75 Millionen Euro vor Steuern und Zinsen geschrieben hat.

Ein Börsengang oder Verkauf der Aufzugssparte soll nun Geld in die chronisch klamme Kasse des Ruhrkonzerns spülen. Mit Erlösen von rund 15 bis 17 Milliarden Euro kann der Vorstand rechnen, wenn er das profitable Geschäft im Ganzen veräußert. Sowohl Konkurrenten als auch Finanzinvestoren haben bereits Interesse angemeldet.

Noch ist offen, für welchen Weg sich Vorstand und Aufsichtsrat am Ende entscheiden – denkbar ist auch, dass Thyssen-Krupp zunächst einen Minderheitsanteil verkauft oder an die Börse bringt, um weiterhin von einem Teil der Dividenden des ausgegliederten Unternehmens zu profitieren.

Doch sollte es zu einem Erlös kommen, werde das Geld so oder so in den verbleibenden Geschäftsbereichen gebraucht, erklärte Nasikkol. „Für die Weiterentwicklung des Stahlgeschäfts brauchen wir Personal und Investitionen. Reine Restrukturierungspläne und harte Sparprogramme lehnen wir ab.“

Damit erteilte der Betriebsratschef möglichen Forderungen von Investoren, einen Teil des Geldes an die Anteilseigner auszuschütten, schon im Vorfeld eine Absage. „Wenn so ein Cevian um die Ecke kommt und sagt, wir greifen mal in die Kasse, dann sagen wir: nicht mit uns“, erklärte Nasikkol. Dann sei eine rote Linie überschritten – und die Belegschaft kampfbereit.

Ähnlich äußerte sich IG-Metall-Bezirksleiter Knut Giesler, der als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Aufzugsparte sitzt und derzeit mit dem Vorstand über einen Tarifvertrag für die dortige Belegschaft verhandelt, im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir wollen für den Fall eines Börsengangs oder einer Ausgliederung die Sicherheit von Standorten und Arbeitsplätzen gewährleisten.“

Voraussetzung müsse aber sein, „dass die Erlöse zur Schuldentilgung und für die Weiterentwicklung der übrigen Geschäfte verwendet werden.“ Eine Sonderausschüttung an die Aktionäre werde es mit der IG Metall nicht geben, sagte Giesler.

Tarifvertrag schützt Arbeitnehmer noch bis Jahresende

Neben der Stahlsparte betrifft das auch die Geschäftsbereiche Werkstoffhandel, Anlagenbau und Komponentenfertigung, die Thyssen-Krupp bislang im Konzern behalten will. Doch dürfte der Investitionsbedarf beim Stahl am größten sein, auch weil das Unternehmen plant, seine Produktion bis 2050 auf CO2-arme Prozesse umzustellen. Die geschätzten Kosten dafür liegen bei rund zehn Milliarden Euro.

Investitionsbedarf meldete Nasikkol darüber hinaus auch an einem Standort im Duisburger Süden an, wo Thyssen-Krupp mit einer Grobblech-Fertigung vertreten ist. Vorstandschef Guido Kerkhoff hatte die Tochter zur Disposition gestellt, sollte es dem Management nicht gelingen, den Standort profitabel aufzustellen.

„Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren“, erklärte Nasikkol nun. Stellvertreter Horst Gawlik ergänzte: „Zehn Jahre haben wir im Stahl gutes Geld verdient und nun muss man den negativen Zyklus aushalten, ohne gleich die Verbundstrategie infrage zu stellen.“

Bis zum Jahresende sind die Arbeitnehmer wegen eines laufenden Tarifvertrags noch von Jobabbau-Maßnahmen geschützt. Bis zum November will der Vorstand bekanntgeben, wie er die Zukunft der Stahlsparte und des Gesamtkonzerns gestalten will.

Doch eines sei schon heute sicher, so Nasikkol: „Es hat im Stahlbereich nie betriebsbedingte Kündigungen gegeben und es wird auch in Zukunft keine geben.“ Die Mannschaft wisse, dass es bei Thyssen-Krupp einen „heißen Herbst oder einen heißen Winter“ geben könnte.

Mehr: Nicht nur der finnische Rivale Kone interessiert sich für die Aufzugsparte von Thyssen-Krupp. Der große Andrang bietet eine klare Chance – und wohl viel Geld.

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