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Industriekonzern Was die Gebäudetechnik für Siemens so wertvoll macht

Früher galt die Gebäudetechnik als Verkaufskandidat. Doch die Digitalisierung verleiht der Division frischen Wind – und macht sie unentbehrlich für den neuen Siemens-Konzern.
04.12.2018 - 18:20 Uhr Kommentieren
250 Millionen Schweizer Franken hat der Konzern hier investiert. Quelle: Siemens
Der neue Büro- und Produktionscampus von Siemens in Zug

250 Millionen Schweizer Franken hat der Konzern hier investiert.

(Foto: Siemens)

Zug Es ist ein von außen eher unscheinbarer grauer Gebäudekomplex in der Nähe des Bahnhofs von Zug in der Schweiz. Doch im Inneren des nagelneuen Baus, der am Mittwoch offiziell von Konzernchef Joe Kaeser eingeweiht wird, hat Siemens vieles verbaut, was mit moderner Gebäudetechnik heute so möglich ist. Im eigenen Haus muss ein Gebäudetechnik-Spezialist schließlich zeigen, was er kann.

250 Millionen Schweizer Franken hat Siemens im neuen Campus samt Produktionsgebäuden verbaut. Den Strom liefern Solarpanels auf den begrünten Dächern, Büros und Produktionsgebäude kommen ohne Öl und Gas aus. Bei den Fahrradständern können die E-Bikes aufgeladen werden, das Regenwasser wird aufgegangen und genutzt.

Vor allem aber ist natürlich alles digital. 12.000 Datenpunkte sind über das Gelände verteilt, das Automatisierungssystem sorgt dafür, dass die Räume je nach Befüllung immer optimal geheizt und mit Sauerstoff versorgt sind. Das Raumreservierungssystem ist mit der Zugangskontrolle verknüpft.

Die Gebäudetechniksparte, derzeit die Nummer zwei auf dem Weltmarkt, hat sich herausgeputzt. Noch vor wenigen Jahren galt die Division als Verkaufskandidat. Zu kleinteilig schien das Geschäft – im vergangenen Jahr wurden allein fünf Millionen Feuer- und Rauchmelder verkauft – zu niedrig die Margen. Doch der Trend in Richtung Digitalisierung, der immer komplexere, ganzheitliche Lösungen für die Steuerung und Fernwartung von Gebäuden erfordert, kam Siemens entgegen.

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    Zudem spielt Energieeffizienz eine immer wichtigere Rolle in den Gebäuden. So sind zum Beispiel in Deutschland nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums Gebäude für 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs verantwortlich.

    Gleichzeitig strebt die Bundesregierung an, dass der Gebäudebestand bis 2050 nahezu klimaneutral wird. Dies dürfte nur mit modernster Gebäudetechnik erreichbar sein.

    Auch bei kommerziell genutzten Gebäuden ist der Zwang zu Effizienz groß. „Die globale Branche der Haus- und Gebäudetechnik durchläuft eine intensive Phase der Weiterentwicklung und des beschleunigten Wachstums“, heißt es in einer Studie von Frost & Sullivan.

    Und so spielt die Gebäudetechnik plötzlich eine Schlüsselrolle in den Zukunftsplänen von Konzernchef Joe Kaeser. Als eines von drei „operativen Unternehmen“, die künftig das Kerngeschäft bilden, wird sie zum 1. April 2019 mit großen Teilen des Energiemanagements zusammengelegt. Den Platz in der „Vision 2020+“ hat sie sich mit einer zuletzt guten Performance erarbeitet.

    Allerdings muss nun der Sprung ins digitale Zeitalter und vor allem ins Internet der Dinge gelingen. Zuletzt übernahm Siemens dafür drei Startups: J2 Innovations, Enlighted und Building Robotics. Die drei jungen Firmen aus Kalifornien sind auf die Anbindung von Gebäudetechnik an das Internet, ein Sensorsystem für die Anbindung an das Internet der Dinge und auf Apps spezialisiert, mit denen die Technik einfach gesteuert werden kann.

    Zuletzt lief es gut. Im vergangenen Geschäftsjahr 2017/18 stiegen die Umsätze der Division um vergleichbar sechs Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Damit sei man „definitiv schneller als der Markt“ gewachsen, sagte Rebellius.

    Auch künftig wolle man überproportional zulegen. Die operativen Umsatzrendite lag zuletzt bei 11,4 Prozent. „Viele haben vor einigen Jahren nicht geglaubt, dass das erreichbar ist“, stellt Rebellius fest. Siemens beliefert vor allem Unternehmen mit Industrieanlagen, Bürogebäude, Daten-Center und Hotels.

    Die Gebäudetechnik war vor 20 Jahren nach der Übernahme von Elektrowatt der erste Siemens-Geschäftsbereich mit Sitz im Ausland. Durch die Fusion will Siemens dank intelligenter Netze, neuen Verteilungssystemen und Niederspannungsprodukten die Sparte noch schlagkräftiger machen. Die „Smart Infrastructure“ kommt dann auf 71.000 Mitarbeiter und etwa 14 Milliarden Euro Umsatz.

    Gebäude würden immer stärker zum Energieproduzenten – zum Beispiel durch Photovoltaik und Blockheizkraftwerke, lautet die Siemens-Argumentation. Daher sei es sinnvoll, die Aktivitäten mit dem Energiemanagement zu verknüpfen.

    In seiner „Vision 2020+“ schafft Kaeser insgesamt drei „operative Unternehmen“, die anderen beiden sind die Digitalen Industrien mit der Automatisierung der Fertigung und die schwächelnde Kraftwerkssparte. Daneben gibt es drei „strategische Unternehmen“ – darunter versteht Kaeser die Mehrheitsbeteiligungen an den börsennotierten Healthineers, am Windkraft-Konzern Siemens Gamesa und, wenn die Kartellwächter mitspielen, am Zug-Spezialisten Siemens Alstom.

    Rebellius ist überzeugt, dass das einstige Sorgenkind eine zentrale Rolle im neuen Konzern spielen kann – und auch langfristig zu Siemens gehören wird. Nach Schätzungen von Siemens ist der Markt für Gebäudetechnik weltweit 60 Milliarden Euro groß, der für Energiemanagement, das im April der Gebäudetechnik größtenteils zugeschlagen wird, insgesamt 110 Milliarden Euro.

    In der „Intelligenten Infrastruktur“, die die neue Einheit dann abbilden soll, hofft Siemens laut Industriekreisen auf Wachstumsraten von 15 Prozent und mehr. Zudem soll der Bereich eine operative Umsatzrendite von zehn bis 15 Prozent erreichen. Zuletzt lagen die Geschäfte bei etwa elf Prozent.

    Die Branche hat sich in den vergangenen Jahren stark konsolidiert. Der Trend geht zu umfassenden Angeboten. Vor zwei Jahren fusionierten Johnson Controls und der Mischkonzern Tyco.

    Bis dahin verkaufte Johnson Controls nur Heiz- und Kühlsysteme für Gebäude, nun kam mit Tyco ein Spezialist für Feuer- und Sicherheitslösungen hinzu. „Wir sind davon überzeugt, dass wir durch diese Transaktion die Chancen, die sich durch eine gesteigerte Konnektivität in Haushalten, Gebäuden und Städten ergeben, noch besser nutzen können“, sagte Johnson-Controls-Chef George R. Oliver.

    Der neue Konzern kam zum Start auf einen Umsatz von 32 Milliarden Dollar, etwa 20 Milliarden davon entfallen auf die Gebäudetechnik. Siemens-Manager Rebellius sieht durch den mächtigen Weltmarktführer keinen Handlungszwang. „Größe allein ist nicht entscheidend.“ Für ausgewählte weitere Akquisitionen zeigte er sich aber offen.

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