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Industriekonzern Wendepunkt für Thyssen-Krupp nach gescheiterter Fusion: fünf Fragen und Antworten

Stahlfusion gescheitert, Aufspaltung abgesagt: Thyssen-Krupp steht nach dem Scheitern der Stahlfusion mit Tata Steel Europe vor einem Wendepunkt. Wie es jetzt weitergeht.
Update: 10.05.2019 - 18:34 Uhr Kommentieren
Es ist wieder offen, wie Thyssen-Krupp sich in Zukunft aufstellen wird. Quelle: Reuters
Stahlarbeiter von Thyssen-Krupp

Es ist wieder offen, wie Thyssen-Krupp sich in Zukunft aufstellen wird.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDer Freitag begann in Essen mit einem Paukenschlag: Nach monatelangen Gesprächen mit der EU-Kommission ist die Fusion der Thyssen-Krupp-Stahlsparte mit dem Rivalen Tata Steel Europe nun vom Tisch.

Für den Ruhrkonzern hätte die Abspaltung der Startschuss für eine umfassende Neuorganisation sein sollen. Doch mit der geplatzten Stahlfusion sind auch die Pläne, Thyssen-Krupp in einen Werkstoff- und einen Industriegüterkonzern aufzuteilen, ebenfalls gescheitert.

Warum ist die Stahlfusion gescheitert?

Die EU-Wettbewerbsbehörde hatte bereits im Oktober deutliche Bedenken wegen des Zusammenschlusses angemeldet. Geplant hatten Thyssen-Krupp und Tata, durch die Zusammenlegung ihrer europäischen Stahlaktivitäten den zweitgrößten Hersteller in Europa nach Arcelor-Mittal zu formen.

Mehr als zwei Jahre hatte Vorstandschef Guido Kerkhoff mit dem indischen Rivalen Tata verhandelt, bevor die beiden Konzerne die Fusion im vergangenen Herbst bei den Brüsseler Kontrolleuren beantragten. Probleme sahen die Wettbewerbshüter zunächst in den Bereichen Elektro-, Auto- und Verpackungsstahl, wo nach Ansicht der Behörde eine marktbeherrschende Stellung gedroht hätte.

Am Ende gingen die geforderten Zugeständnisse den Unternehmen, die bereits angeboten hatten, sich von mehreren Unternehmensteilen unter anderem in Spanien und Belgien zu trennen, offenbar zu weit. „Weitere Zusagen oder Nachbesserungen würden die angestrebten Synergieeffekte des Zusammenschlusses in einem Umfang beeinträchtigen, dass die wirtschaftliche Logik des Joint Ventures nicht mehr gegeben wäre“, erklärte Thyssen-Krupp am Freitag in einer Mitteilung.

Welche Folgen hat das für die geplante Konzernaufspaltung?

Ursprünglich hatte Vorstandschef Guido Kerkhoff den Plan, Thyssen-Krupp nach der Auslagerung des Stahlgeschäfts in zwei Unternehmen aufzuspalten: Aufzüge, Anlagenbau und Autozulieferung auf der einen, Stahl und Werkstoffhandel auf der anderen Seite.

Dieser Plan ist nun ebenfalls verworfen. Stattdessen will der Vorstand dem Aufsichtsrat vorschlagen, die Geschäftsbereiche weitgehend eigenständig unter einer gemeinsamen Holding zu führen. Für das profitable Aufzugsgeschäft erwägt der Vorstand nun einen Börsengang, um die dünne Kapitaldecke des Ruhrkonzerns zu stärken.

Mit der Stahlfusion hätte Kerkhoff einen großen Teil der Pensionslasten auslagern können, auch wären durch die Teilung stille Reserven in Milliardenhöhe gehoben worden. Ein Börsengang der Aufzugssparte könnte den Wegfall kompensieren.

Was bedeutet das Scheitern der Pläne für den Vorstand?

Mehrmals hatte Vorstandschef Kerkhoff betont, dass die geplante Aufspaltung die beste Option für den Ruhrkonzern sei. Dass der Manager nun eine Holding-Struktur vorschlägt, unterhalb derer die einzelnen Geschäftsbereiche mit hoher Eigenständigkeit selber wirtschaften können, ist eine drastische Abkehr von seinem bisherigen Kurs.

Doch der Widerstand aus Brüssel gegen die Stahlfusion und der Kurseinbruch der vergangenen Monate lassen dem Vorstand keine andere Wahl. Die neue Strategie will der Vorstand bald dem Aufsichtsrat vorlegen. Ob der mitspielt, ist derzeit noch offen.

Für Kerkhoff könnte es eng werden: Sowohl die Stahlfusion als auch die Konzernaufspaltung sind eng mit dem Namen des früheren Finanzchefs verknüpft. Auch die Beförderung zum Vorstandsvorsitzenden hing nach dem Abgang von Heinrich Hiesinger maßgeblich an Kerkhoffs Vorschlag, Thyssen-Krupp in zwei Unternehmen zu teilen.

Was bedeutet die Umkehr für die Mitarbeiter?

Zunächst einmal weitere Unsicherheit. Denn nun ist wieder offen, wie Thyssen-Krupp sich in Zukunft aufstellen wird. Die Aufspaltung, die für den Oktober terminiert worden war, sollte den Schlusspunkt der seit Jahren andauernden Selbstfindungsphase des Konzerns bilden.

Entsprechend pikiert reagierten die Arbeitnehmervertreter auf das Scheitern. „Das alles ist eine unsägliche Belastung für die Beschäftigten“, erklärte der Vizechef des Aufsichtsrats, IG-Metall-Sekretär Markus Grolms, der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag.

Die IG Metall fordert nun eine klare Ansage vom Management. „Das muss jetzt aufhören“, so Grolms. „Der Vorstand muss sagen, wie es ist und Vorschläge machen, wie es besser werden soll.“ Noch am Mittag hatte Thyssen-Krupp mitgeteilt, 6000 Arbeitsplätze streichen zu wollen, davon 2000 im Stahlbereich. Der Vorstand wolle nun in die Verhandlung mit den Arbeitnehmervertretern gehen.

Was halten die Investoren von dem neuen Plan?

An der Börse wurde die Absage der Teilung sehr positiv aufgenommen. Zum Handelsschluss stieg die Aktie auf einen Wert von 14,40 Euro – ein Plus von rund 28 Prozent. Dabei hatte das Papier vor wenigen Tagen den tiefsten Stand seit 15 Jahren erreicht. Ingo Speich, Corporate-Governance-Experte der Deka Bank, lobte die Entscheidung im Gespräch mit der „Rheinischen Post“ als „Schritt in die richtige Richtung“.

Kerkhoff erklärte, er rechne mit der Unterstützung durch den Aufsichtsrat, in dem auch die Kuratoriumschefin der Krupp-Stiftung, Ursula Gather, sowie der Vertreter des Großaktionärs Cevian, Jens Tischendorf, sitzen.

Die Stiftung wiederum teilte mit, sie wolle vor allem, „dass das Unternehmen in allen Geschäftsfeldern wettbewerbsfähig aufgestellt ist, mit zukunftssicheren Arbeitsplätzen und einer nachhaltigen Dividendenfähigkeit“. Vor diesem Hintergrund würden die neuen Vorschläge des Vorstands bewertet.

Der zweitgrößte Aktionär, der schwedische Investmentfonds Cevian, hat sich bisher nicht zu Wort gemeldet. In der Vergangenheit allerdings hatte sich der Fonds wiederholt für schlankere Strukturen sowie eine neue Perspektive für das Aufzugsgeschäft eingesetzt.

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