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Industriekonzern Wie Thyssen-Krupp seine Mitarbeiter auf die Aufspaltung einstimmt

Vorstandschef Kerkhoff will den Konzern verschlanken. Doch noch wissen die Beschäftigten nicht, in welchem Unternehmensteil sie künftig arbeiten.
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Um die Misere des Industriekonzerns zu beenden, betreibt der Thyssen-Krupp-Vorstandschef die Aufspaltung des Unternehmens. Quelle: dpa
Guido Kerkhoff

Um die Misere des Industriekonzerns zu beenden, betreibt der Thyssen-Krupp-Vorstandschef die Aufspaltung des Unternehmens.

(Foto: dpa)

EssenGuido Kerkhoff hat sich seinen Platz am Ende des Tresens gesichert. Den Chef von Thyssen-Krupp stört lediglich ein Strahler an der Decke, der ihn mit gleißendem Licht blendet. Während ein Mitarbeiter diesen mit einem Klebeband abdeckt, greift Kerkhoff zur Pilstulpe. Er hat einen Tag mit vielen Terminen hinter sich.

Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen hat er die ersten konkreten Schritte für die geplante Aufspaltung des Ruhrkonzerns unternommen. Wenige Stunden zuvor hatte er seinen Plan im benachbarten Konferenzzentrum der Essener Konzernzentrale den Mitarbeitern vorgestellt. Die Führung der künftig zwei Unternehmen soll schlanker, effizienter und schneller werden.

Die Anspannung unter den rund 500 anwesenden Mitarbeitern der Holding konnte Kerkhoff damit nicht lösen. Noch weiß nämlich keiner, welchem Unternehmensteil er oder sie zugeteilt wird. Die Unruhe sei daher verständlich, sagt Kerkhoff. Erst im kommenden Monat sollen die rund 2700 Betroffenen darüber informiert werden. „Dann haben die Mitarbeiter Klarheit.“

Am Tresen ist die Stimmung im Vergleich zur großen Versammlung im Konferenzzentrum ungleich gelöster. Die Kneipe hat die Kommunikationsabteilung eigens auf dem Gelände der Zentrale errichten lassen, um einen Ort für den Austausch zu haben. Mit viel Holz und Butzenglas gleicht das Lokal einer für das Ruhrgebiet typischen Eckkneipe.

Kerkhoff gefällt es hier. „Ich finde die Kneipe gut“, sagt er. Rund 50 Mitarbeiter scharen sich um ihn und seine drei Vorstandskollegen. In lockerer Atmosphäre beim Bierchen soll das Quartett noch einmal über die Spaltung reden. Dieses Mal wird das Gespräch von TV-Kameras aufgezeichnet, um es den weltweit 160.000 Beschäftigten vorzuspielen.

Mit Kerkhoff ist der Grundton in dem Traditionskonzern lockerer geworden, leichte Kost kann der Manager der Belegschaft aber nicht bieten. Thyssen-Krupp ist der größte Krisenfall unter den deutschen Großkonzernen; die Ergebnisse werden trotz einer jahrelangen Sanierung nicht wirklich besser.

Um endlich die Misere zu überwinden, betreibt der Vorstand die Aufteilung der Gesellschaft. Auf der einen Seite entsteht ein Werkstoffkonzern mit dem traditionellen Stahlgeschäft und der Autozulieferung. Der Technologiebereich umfasst Aufzüge und Anlagenbau. Die Aufteilung soll die finanzielle Stabilität sichern.

Die Führungsmannschaft reagiert damit auch auf Kritik der Aktionäre. Mit der Krupp-Stiftung und dem Finanzinvestor Cevian hatten die beiden größten Anteilseigner einen tiefgreifenden Umbau verlangt und damit letztlich das Führungsduo Heinrich Hiesinger (Vorstandschef) und Ulrich Lehner (Aufsichtsratsvorsitz) im vergangenen Sommer aus dem Konzern gedrängt.

Erste konkrete Schritte

Knapp ein halbes Jahr nach der Ankündigung stellt der Vorstand um Kerkhoff nun erste konkrete Schritte vor. Anders als der Konzern heute soll die Führung der beiden Nachfolgegesellschaften entschlackt werden. Die jeweiligen Vorstandsgremien sollen künftig dreiköpfig mit den Funktionen Chef, Finanzen und Personal sein. Auf einen Vorstand für Recht und Compliance will die Firma verzichten.

Amtsinhaber Donatus Kaufmann hatte selbst für die Abschaffung seiner Position geworben. Diese Aufgabe müsse nicht mehr im Vorstand verankert sein, da inzwischen funktionierende Compliance-Strukturen geschaffen worden seien, sagte Kaufmann vor Mitarbeitern.

Nicht nur der Vorstand wird ausgedünnt. Die noch unter Heinrich Hiesinger geschaffene Verzahnung der größten Landesgesellschaften mit der Essener Holding soll wieder abgeschafft werden. Künftig würden sich die einzelnen Geschäftsbereiche ihr Geschäft lokal selbst betreiben, begründete Kerkhoff die Entscheidung. Stellen sollen allenfalls im begrenzten Umfang wegfallen.

Thyssen-Krupp verabschiedet sich damit von seiner sogenannten Matrix-Struktur. Mit dieser sollten die vielfältigen Geschäftsbereiche des Unternehmens enger miteinander verbunden werden. Nach früheren Aussagen hatte der Konzern durch seinen zerfaserten Auftritt in Ländern wie China oder den USA noch sicher geglaubte Aufträge verloren. Diese Sorge hat der Vorstand nun offenbar nicht mehr.

Wie zwingend die Neuausrichtung ist, zeigte sich an der Entwicklung im ersten Quartal 2018/19. Zwar kletterte der Auftragseingang um acht Prozent auf 10,1 Milliarden Euro und der Umsatz um zwei Prozent auf 9,7 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sackte allerdings um ein Drittel auf 296 Millionen Euro ab.

Kerkhoff sprach von einem „erwarteten“ Geschäftsverlauf. „Mit den Zahlen im ersten Quartal sind wir aber nicht zufrieden.“ Verantwortlich für den Rückgang war neben einem schwächeren Anlagengeschäft eine schlechte Stahlnachfrage. Bevor nun die Stahlsparte mit Tata Steel Europe fusioniert wird, sollen weitere 100 Millionen Euro eingespart werden.

Zweifel an der geplanten Stahlfusion wies Kerkhoff zurück. Die EU-Kommission hat aus Wettbewerbsbedenken ihre Zustimmung zunächst zurückgestellt. „Wir sind zuversichtlich, dass wir die Transaktion im Frühjahr abschließen können.“ Zu erwarten sind dabei allerdings Zugeständnisse, um die Kartellhüter gnädig zu stimmen.

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