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Industriekonzern Zerwürfnis bei Thyssen-Krupp: Aufsichtsratsspitze will Konzernchef Kerkhoff loswerden

Beim Industriekonzern will sich die Spitze des Aufsichtsrats von Konzernchef Kerkhoff trennen. Chefkontrolleurin Merz will selbst Interimschefin werden.
Update: 25.09.2019 - 09:58 Uhr Kommentieren
ThyssenKrupp: Aufsichtsratsspitze will Chef Kerkhoff loswerden Quelle: dpa
Thyssen-Krupp

Aufsichtsratschefin Martina Merz will Guido Kerkhoff ersetzen und für ein Jahr an die Spitze von Thyssen-Krupp rücken.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Beim Essener Industriekonzern Thyssen-Krupp ist es zum Bruch zwischen Aufsichtsratsspitze und Vorstandschef gekommen. Wie das Unternehmen am späten Dienstagabend per Börsenmitteilung verkündete, empfehlen das Präsidium und der Personalausschuss des Aufsichtsrats eine zeitnahe Trennung von Konzernchef Guido Kerkhoff.

Interimschefin soll für bis zu einem Jahr die Aufsichtsratsvorsitzende Martina Merz werden. Ihren Posten an der Spitze des Kontrollgremiums soll in dieser Zeit Siegfried Russwurm übernehmen. Zudem soll Klaus Keysberg, CEO der Werkstoffhandelssparte, ab Oktober in den Konzernvorstand aufrücken und dort Verantwortung für seine Sparte sowie das Stahlgeschäft übernehmen.

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Der Aufsichtsrat wird laut Mitteilung zeitnah in einer außerordentlichen Sitzung über die Empfehlungen entscheiden. Präsidium und Personalausschuss des Aufsichtsrats sind identisch besetzt – beiden Gremien sitzt Martina Merz selbst vor. Zudem gehören beiden Ausschüssen der Wissenschaftler Bernhard Pellens und die beiden Arbeitnehmervertreter Markus Grolms und Dirk Sievers an.

Großaktionär Cevian begrüßte den möglichen Führungswechsel. „Wir unterstützen die Ernennung von Martina Merz zur Vorstandsvorsitzenden voll und ganz“, erklärte Cevian-Gründungspartner Lars Förberg am Mittwoch.

„Wir erwarten, dass die neue Führung den von Thyssen-Krupp so dringend benötigten Transformationsprozess beschleunigen und die Qualität der Umsetzung maßgeblich verbessern wird.“ Cevian sei zuversichtlich, dass Thyssen-Krupp nun endlich eine eindeutige Strategie und einen klar definierten Maßnahmenplan erhalte.

Nach der an kartellrechtlichen Bedenken der EU gescheiterten Stahlfusion mit dem indischen Stahlkonzern Tata hatte Kerkhoff von der erst seit Jahresanfang amtierenden Merz den Auftrag erhalten, Alternativen für eine strategische Neuausrichtung zu suchen. Zuletzt hatte der Vorstandsvorsitzende einen Verkauf der lukrativen Aufzugsparte vorgeschlagen.

Kerkhoff hatte dem Aufsichtsrat vor kaum zwei Wochen entsprechende Angebote zur Ansicht vorgelegt. Zu einer Entscheidung, ob und zu welchen Konditionen verkauft wird, sollte es noch kommen. Bislang hatte das Management einen Teilverkauf mit der späteren Option auf einen Börsengang bevorzugt.

Im November sollte der Vorstandschef eigentlich einen Plan für die Neuausrichtung des strauchelnden Industriekonglomerats vorlegen, nachdem der Plan, den Konzern in einen Technologie- und einen Werkstoffteil aufzuspalten, im Frühjahr abgesagt wurde. Mit diesem Plan hatte sich der 51-Jährige ursprünglich für den Vorstandsvorsitz empfohlen.

Kerkhoff hatte den Posten des Vorstandsvorsitzenden im vergangenen Jahr übernommen, nachdem dessen Vorgänger Heinrich Hiesinger sowie Aufsichtsratschef Ulrich Lehner überraschend ihre Posten geräumt hatten. Trotz intensiver Suche hatte sich damals kein anderer Kandidat finden lassen.

Denn der Ruhrkonzern steht in vielen seiner Geschäfte vor großen Problemen. Nicht nur schwächelt derzeit das Stahlgeschäft, das den neuen Kern des Unternehmens bilden sollte. Auch der Anlagenbau und die Werften sind restrukturierungsbedürftig. Allein die Aufzüge sorgen für stabile Erträge.

Zuletzt verlor der Konzern sogar seine prestigeträchtige Dax-Mitgliedschaft, nachdem Thyssen-Krupp und seine Vorgängerunternehmen dem Index seit dessen Gründung angehört hatten.

Kerkhoffs Vertrag hat eine Laufzeit bis 2023. Sollte es zu einem Wechsel kommen, will der Konzern weiterhin an den Eckpunkten der bislang vom Aufsichtsrat beschlossenen Neuausrichtung festhalten, die laut Mitteilung lauten: „Performance first, flexibles Portfolio und effiziente Organisation“.

Mehr: Der Verkauf der Aufzugsparte wäre bitter für Thyssen-Krupp – bietet aber Heilungschancen, kommentiert Reporter Kevin Knitterscheidt.

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