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Bodo Uebber

Der Daimler-Manager wird doch nicht Chefaufseher von Thyssen-Krupp.

(Foto: imago/DeFodi)

Industriekonzern Zu hohe Gehaltsforderung – Daimler-Manager Uebber wird doch nicht Chefaufseher von Thyssen-Krupp

Der Wechsel zu Thyssen-Krupp ist geplatzt. Dabei ging es um eine hohe Geldforderung – aber auch um die Frage, wer im Konzern das Sagen hat.
Update: 21.11.2018 - 17:28 Uhr Kommentieren

Düsseldorf, FrankfurtEinen Mangel an Selbstvertrauen hat Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber nicht. Kurz bevor die Aufsichtsräte von Thyssen-Krupp über die Nominierung des Managers für einen Posten in ihrer Mitte entscheiden wollten, präsentierte der ihnen einen umfangreichen Forderungskatalog.

Dabei stach ein Punkt hervor: der Wunsch nach einer Verdoppelung der Aufsichtsratsbezüge, wie es in Branchenkreisen hieß. Für die Arbeitnehmervertreter war damit eine rote Linie überschritten. Sie ließen auf der Sitzung am Dienstag die Abstimmung über die Nominierung platzen.

Für die Vertreter von Betriebsrat und IG Metall im Aufsichtsrat war die Forderung nach einem Entgeltzuschlag in dieser Höhe inakzeptabel. Thyssen-Krupp durchschreite einen tief greifenden Umbau, der Härten für viele Mitarbeiter mit sich brächte, erklärte ein Gewerkschaftsvertreter, der ungenannt bleiben wollte, am Mittwoch.

Vor diesem Hintergrund seien höhere Bezüge für die Aufsichtsräte nicht vermittelbar. Der neue Vorstandschef Guido Kerkhoff hatte zuvor bei der Vorlage der Bilanz noch einmal deutlich, dass gespart werden müsse. Dies wird einige Hundert, wenn nicht sogar Tausend Arbeitsplätze kosten.

Uebber soll von der Diskussion überrascht worden sein. Der Vorwurf, er wolle sich die Taschen vollmachen, wurde in seinem Umfeld scharf zurückgewiesen. Uebber hätte zwar am stärksten profitiert, da er als Aufsichtsratsvorsitzender das Vierfache der normalen Aufsichtsratsbezüge erhalten hätte.

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Ihm soll es aber vordringlich nicht ums Geld gegangen sein. Als langjähriger Vorstand des Autoherstellers Daimler sei er finanziell unabhängig, hieß es in seinem Umfeld. Mit einer besseren Vergütung aller Aufsichtsräte habe er vielmehr die Attraktivität des Gremiums für künftige Bestellungen aufwerten wollen. In der Tat muss der Aufsichtsrat des Industriekonzerns mittelfristig gründlich umgebaut werden.

Vorstandschef Kerkhoff will Thyssen-Krupp in zwei eigenständige Unternehmen aufteilen, in eine Werkstoff- und eine Technologiefirma. Für die beiden neuen Konzerne müssen jeweils Aufsichtsräte gebildet werden. „Dabei sollte man nicht die Risiken außer acht lassen“, sagte ein Insider. Sollten Fehler gemacht werden und Investoren Klage erheben, dann könnten hohe Schadensersatzforderungen auf die Aufsichtsräte zukommen. „Dieses Risiko muss in der Vergütung abgedeckt werden.“
Über die Frage der Vergütung haben die Aufseher auf ihrer Sitzung dem Vernehmen nach heftig gestritten. Diskutiert wurde dabei unter anderem, die Anhebung der Bezüge ins kommende Jahr zu verschieben. „Das war für Uebber aber nicht akzeptabel, da er eine klare Regelung wollte“, sagte ein Insider. Während die Vertreter der Kapitalseite an einem Engagement von Uebber festhalten wollten, stellten sich die Gewerkschafter quer.

Für Uebber ist das Thema Thyssen-Krupp vorbei

Letztlich einigten sich der Aufsichtsrat nach mehrstündiger Sitzung lediglich auf die Nominierung von Martina Merz. Die frühere Bosch-Managerin soll einen der beiden freien Aufsichtsratssitze übernehmen, die nach den Rücktritten von Ulrich Lehner und René Obermann vakant sind.

Für einige Kontrolleure ist eine Nominierung des Daimler-Managers zu einem späteren Zeitpunkt denkbar. Die Tür stehe weiter offen, hieß es. Dazu wird es aber nicht kommen. Für Uebber ist das Thema Thyssen-Krupp mit der Aufsichtsratssitzung am Dienstag erledigt, wie es aus seinem Umfeld verlautete. „Er hatte Einstimmigkeit verlangt und die hat er nicht erhalten, daher steht er nicht mehr zu Verfügung.“

Für den Ruhrkonzern ist der Streit über die Berufung von Uebber ein herber Rückschlag. Seit Monaten schon macht Thyssen-Krupp mit Diskussionen über die Besetzung seines Top-Managements von sich Reden.

Nachdem im Sommer Vorstandschef Heinrich Hiesinger und der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Lehner ihre Posten niedergelegt hatten, brach ein Führungschaos aus. Verzweifelt hatte der Aufsichtsrat nach Nachfolgern für das Duo gefahndet, sich dabei aber eine Absage nach der anderen eingefangen. Der Grund dafür war weniger die wirtschaftliche Verfassung von Thyssen-Krupp, sondern vielmehr die Eigentümerstruktur.

Größter Aktionär ist mit 21 Prozent der Anteile die Krupp-Stiftung, die sich aus Sicht von Hiesinger und Lehner zu lange passiv verhalten hatte. Die Stiftung als Garant des Unternehmens habe nicht klar genug gegen Finanzinvestor Cevian Stellung bezogen, lautete der Vorwurf. Cevian unterstellen die Manager, sie würden die Zerschlagung von Thyssen-Krupp betreiben.

Für den Ruhrkonzern ist die anhaltende Unsicherheit über die Führung des Kontrollgremiums eine schlechte Nachricht. Zwar hatte es mit der Ernennung des langjährigen Mitglieds Bernhard Pellens, der in Bochum Wirtschaftswissenschaften lehrt, zuletzt so ausgesehen, als hätten sich die zerstrittenen Vertreter der Anteilseigner wieder zusammengerauft. So stimmten sie im Oktober geschlossen für die Ernennung von Guido Kerkhoff zum dauerhaften Vorstandschef sowie für die Aufspaltung des Konzerns in ein Werkstoff- und ein Industriegüterunternehmen; auch die Wahl von Pellens zum Chefkontrolleur fiel einstimmig.

Dass der Wissenschaftler das Amt nur übergangsweise übernehmen würde, war von Anfang an klar: Mit dem Ablauf von Pellens dritter Amtszeit im Jahr 2020 wäre der 63-Jährige, der dem Gremium schon seit 2005 angehört, in absehbarer Zeit ohnehin ausgeschieden.

Schon zur kommenden Hauptversammlung im Januar 2019 hätte Uebber auf den Vorsitz wechseln können – auch, weil Pellens das Amt vor wenigen Wochen eher unfreiwillig übernommen hatte, nachdem sich nach dem Rückzug des früheren Chefkontrolleurs Ulrich Lehner im Sommer kein Top-Kandidat für die Stelle gefunden hatte.

Ein Grund dafür war der Eigentümerstreit über die strategische Ausrichtung des Industriekonzerns, wegen dem auch Lehner sowie der frühere Vorstandschef Heinrich Hiesinger das Handtuch geworfen hatten, hieß es aus dem Kreis der Angesprochenen. Aufseher René Obermann wiederum hatte sich zurückgezogen, nachdem er seine Zustimmung zum Zusammenschluss des europäischen Stahlgeschäfts von Thyssen-Krupp und Tata verweigert hatte.

Mit der Berufung von Martina Merz ist ein Patt hergestellt

Neu ist am jüngsten Streit in dem Gremium, dass sich die Linien offenbar verschoben haben: Sperrten sich die Arbeitnehmer im Sommer noch gemeinsam mit der Krupp-Stiftung gegen strategische Veränderungen, bei denen Geschäftsteile abgespalten und verkauft worden wären, stehen sich nun die Kapitaleigner und die Arbeitnehmervertreter gegenüber.

Trotz der Wahl von Martina Merz herrscht in dem Gremium immer noch keine Stimmengleichheit. Schon seit Monaten halten die Arbeitnehmer die Mehrheit im Aufsichtsrat, zeitweise war mit Markus Grolms sogar ein IG Metall-Vertreter als Interimschef an die Spitze des Gremiums gerückt.

Mit der Absage Uebbers geht die Suche nach einem Kandidaten für den Aufsichtsratsvorsitz vorerst weiter. Involviert sind in den Suchprozess neben dem Aufsichtsratsvorsitzenden Pellens auch die beiden Großaktionäre Krupp-Stiftung und Cevian, die jeweils einen Vertreter in den Nominierungsausschuss entsendet haben. Ebenfalls mit am Tisch sitzt HSBC-Chefin Carola von Schmettow, die sich wie Obermann bei der Entscheidung über die Stahlfusion enthalten hatte.

Uebber will sich nun auf seine letzten Monate im Dienst von Daimler konzentrieren – und sich zugleich um eine Anschlussverwendung bemühen, wie es in den Kreisen hieß. Er strebe dazu eine Position in einem anderen Aufsichtsrat an.

Im Hinterkopf dürfte er dabei auch seinen aktuellen Arbeitgeber behalten: In zwei Jahren geht der Chefaufseher von Daimler, Manfred Bischoff, in Rente. Gerne würde Bodo Uebber diesen Posten übernehmen, wie es in Kreisen des Autobauers hieß.

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