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Industriepolitik Französische Firmen beneiden das deutsche Modell – trotz Macrons Reformeifer

Eine Studie zur Wettbewerbsfähigkeit zeigt: Das deutsch-französische Tandem ist nicht im Gleichgewicht – zum Nachteil Frankreichs.
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Herausforderung Fachkräftemangel: Die größte Herausforderung sehen deutsche und französische Unternehmer derzeit darin, qualifiziertes Personal zu finden. Quelle: Reuters
Souvenirverkäufer vor dem Eiffelturm

Herausforderung Fachkräftemangel: Die größte Herausforderung sehen deutsche und französische Unternehmer derzeit darin, qualifiziertes Personal zu finden.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfEmmanuel Macron ist ein hoffnungsloser Romantiker. „Denken Sie daran, dass Frankreich Sie liebt“, schloss der französische Staatspräsident am Samstag seine Rede in Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkrieges im Bundestag.

Doch während Macrons Zuhörer lange applaudierten, dürften die Unternehmer daheim seine Liebeserklärung weniger euphorisch aufgenommen haben. Sie empfinden mit Blick auf das Nachbarland offenbar mehr Furcht als Ehrfurcht.

Eine neue Studie zeigt: Frankreichs Unternehmen spüren die Konkurrenz aus Deutschland deutlich stärker als umgekehrt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter jeweils 200 deutschen und französischen Industriefirmen, die das Marktforschungsinstitut „Opinion Way“ im Auftrag des Personaldienstleisters Randstad durchgeführt hat.

Demnach halten sich 43 Prozent der befragten französischen Unternehmen für nicht so wettbewerbsfähig wie die Deutschen. Andersrum glauben nur sechs Prozent der deutschen Firmen, dass sie nicht mindestens so wettbewerbsfähig sind wie ihre Kollegen aus dem Nachbarland.

„Die Franzosen sehen die Deutschen auch auf den internationalen Märkten als einen ihrer Hauptwettbewerber – während die Deutschen eher in Richtung USA und China blicken“, sagt Randstads Deutschland-Chef Richard Jager.

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Den Hauptvorteil der Deutschen sehen die französischen Unternehmer in der Arbeitsmarkt- und Steuerpolitik. Dabei peitscht ihr eigener Staatspräsident eine Reform nach der anderen durch das Parlament. So hat Macron im vergangenen Jahr die Regulierung des Arbeitsmarktes gelockert, damit Firmen Mitarbeiter leichter anheuern und feuern können.

Doch so richtig auf Touren gekommen ist die Wirtschaft des Landes noch nicht: Die Regierung hatte die offizielle Wachstumsprognose für dieses Jahr erst im August auf 1,7 Prozent heruntergesetzt. Erwartet worden waren zwei Prozent in diesem und 1,9 Prozent im nächsten Jahr.

Insbesondere die Stimmung in der französischen Industrie ist schlecht: Das entsprechende Barometer sank im Oktober um drei Punkte auf 104 Zähler und damit den tiefsten Stand seit zwei Jahren, wie das Statistikamt Insee im Oktober mitteilte. Die französische Industrie war im vergangenen Jahr mit 1,7 Prozent deutlich schwächer gewachsen als das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das um 2,2 Prozent zulegte.

Es gibt aber auch Grund zur Hoffnung für die französischen Unternehmer. Die Deutschen sehen ihre Kollegen aus dem Nachbarland etwa bei den Rohstoffkosten und beim Innovationsklima im Vorteil. Und die Franzosen wissen um diese Stärken: Sowohl Frankreich als auch Deutschland „sehen sich gut gerüstet für die digitale Welt: Die Deutschen durch hochqualifizierte Fachkräfte, die Franzosen durch ihr gutes Innovationsklima“, sagt Jager.

Jager sieht darin ein Argument, für mehr wirtschaftliche Kooperationen zwischen den Ländern: Aus beiden Ansätzen könne eine Technologieführerschaft entstehen – insbesondere, wenn sie miteinander kombiniert werden. Daher begrüße er es, „wenn deutsche und französische Unternehmen auf den internationalen Märkten gemeinsam auftreten.“

Die größte Herausforderung sehen deutsche und französische Unternehmer derzeit darin, qualifiziertes Personal zu finden. In Deutschland ist diese Sorge der Studie zufolge sogar noch ausgeprägter: „Der wichtigste Erfolgsfaktor ist und bleibt der Mensch: Die deutsche Industrie ist stolz auf ihr gut ausgebildetes Personal. Daher bereitet der Fachkräftemangel den deutschen Unternehmen auch mehr Sorgen als ihren französischen Kollegen“, sagt Jager. Bevor es zu mehr wirtschaftlichen Kooperationen kommt, dürften die Unternehmen also erst einmal mit sich selbst beschäftigt sein.

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