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Inhaftierter Audi-Chef Die Trennung von Rupert Stadler wird für den VW-Konzern kompliziert

Seit drei Monaten sitzt Audi-Chef Rupert Stadler nun schon in Haft – auf VW wächst der Druck, sich von ihm zu trennen. Doch das wird kompliziert.
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Audi-Chef Rupert Stadler: Die Trennung wird für VW kompliziert Quelle: AFP
Rupert Stadler

Der Audi-Chef sitzt seit drei Monaten wegen Verdunkelungsgefahr in Haft – und beteuert seine Unschuld.

(Foto: AFP)

Ingolstadt, WolfsheimEin Vorstandschef, der über Monate in Haft sitzt? So etwas hat es bei einem deutschen Spitzenunternehmen wohl noch nicht gegeben. Selbst Verhaftungen von amtierenden Vorstandschefs sind selten – und wenn werden zügig Konsequenzen gezogen. Beispiel Klaus Zumwinkel. Der Post-Chef wurde im Jahr 2008 für kurze Zeit festgenommen – war seinen Top-Job aber schon einen Tag später los. Er trat selbst zurück.

Audi-Chef Rupert Stadler, gegen den seit Mai im Dieselskandal wegen Betrugs ermittelt wird, sitzt nun schon seit drei Monaten wegen Verdunkelungsgefahr in Haft. Er beteuert seine Unschuld, ist auch deshalb bisher nicht endgültig von seinem Posten zurückgetreten und hat auch nicht um die Auflösung des Vertrages gebeten. Stadler ist in seiner Funktion als Audi-Chef und Vorstandsmitglied von VW lediglich beurlaubt. Auf eigenen Wunsch.

Doch jetzt ist der Druck auf Audi und die Konzernmutter VW offensichtlich zu groß. Dass Stadler nicht mehr auf seinen Posten an der Audi-Spitze zurückkehren wird, ist schon länger eine ausgemachte Sache, mit Bram Schot wurde immerhin ein kommissarischer Nachfolger bestellt.

Aber wenn nicht noch ein Wunder geschieht, sprich Stadler kurzfristig aus der Haft entlassen wird, wird der VW-Aufsichtsrat auf seiner nächsten regulären Sitzung am 28. September aller Voraussicht nach die endgültige Trennung von Stadler beschließen.

Eine Pflicht zur Trennung von Stadler gibt es unterdessen auch jetzt, nach drei Monaten Haft und abgelehnter Haftbeschwerde, noch immer nicht. „Die Untersuchungshaft an sich kann eine außerordentliche Kündigung nicht rechtfertigen. Dies wäre nur dann der Fall, wenn man bereits jetzt eine mehrjährige Haftstrafe sicher prognostizieren könnte. Davon kann wohl keine Rede sein“, sagt Arbeitsrechtler Thomas Ubber, Partner der britischen Kanzlei Allen & Overy.

Da aber dennoch kein Ende der Untersuchungshaft absehbar ist, läuft alles auf eine Vertragsauflösung hinaus, weil Stadler seine Aufgaben dauerhaft nicht erfüllen kann. Wie die Demission aber am Ende des Tages über die Bühne gehen wird, ist noch offen, weder die Anwälte des Autobauers noch der von Stadler mandatierte Arbeitsrechtler Michael Kliemt wollten sich auf Nachfrage des Handelsblatts äußern.

Klar ist nur eines: Im Hintergrund laufen schon seit Längerem Verhandlungen zwischen dem Konzern und Stadler. Denn die Gemengelage ist kompliziert, VW und Audi stehen dabei auch wegen Stadlers Doppelfunktion vor einem Spagat. Sein Vorstandsgehalt aus dem laufenden Vertrag müsste ihm ausbezahlt werden.

Allerdings hat Stadler zwei Vorstandsverträge. Der mit VW läuft dabei nur noch bis 2019. Aber erst im vergangenen Jahr wurde der schon seinerzeit intern sehr umstrittene Stadler mit Zustimmung der Arbeitnehmerseite für fünf weitere Jahre als Vorstandschef von Audi bestätigt. Fünf Millionen Euro jährlich soll er dafür erhalten. Bei einer Trennung müsste der Aufsichtsrat deshalb ein Abfindungspaket schnüren, das Rücksicht auf die beiden unterschiedlichen Verträge nimmt.

Sollte die Staatsanwaltschaft gegen Stadler irgendwann aber Anklage erheben und der Top-Manager am Ende des Tages sogar rechtskräftig verurteilt werden, müsste er eventuell Teile der Abfindung wieder an den Konzern zurückzahlen. Eine entsprechende Klausel könnte in den Aufhebungsvertrag aufgenommen werden.

Ähnlich ist der Konzern mit den früheren Vorständen Wolfgang Hatz und Ulrich Hackenberg umgegangen, die ebenfalls wegen der Dieselaffäre gehen mussten – und die ebenfalls nicht rechtskräftig verurteilt wurden. Hatz hat wie Stadler mehrere Monate in Untersuchungshaft gesessen.

Andersherum könnte Stadler weitere Forderungen erheben, wenn sich seine Unschuld herausstellen sollte. Er könnte argumentieren, ihm sei durch die Vertragsauflösung ein irreversibler Schaden entstanden. In diesem Fall stünden Stadler womöglich Schadensersatzansprüche zu. „Unter Umständen käme auch die Geltendmachung eines weitergehenden Reputationsschadens in Betracht“, so Thomas Ubber.

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