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Innovationen Siemens überholt Huawei und wird Patent-Europameister

Erstmals seit sieben Jahren landet Siemens bei den europäischen Patentanmeldungen auf Platz eins. Doch Huawei liegt nur knapp dahinter.
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Nach Platz im Vorjahr erobert der Industriekonzern den ersten Platz von Huawei zurück. Quelle: dpa
Siemens ist Patent-Europameister

Nach Platz im Vorjahr erobert der Industriekonzern den ersten Platz von Huawei zurück.

(Foto: dpa)

MünchenEs war ein Symbol für den Expansionsdrang chinesischer Tech-Unternehmen auf die Weltmärkte: 2017 landete mit Huawei erstmals ein chinesisches Unternehmen auf Platz Eins in der Anmeldestatistik des Europäischen Patentamts. Doch nur ein Jahr später mussten die Chinesen den Platz an der Spitze wieder räumen.

Im vergangenen Jahr meldete Siemens am meisten Erfindungen an und wurde so erstmals seit 2011 wieder Patent-Europameister. Huawei landete allerdings nur knapp dahinter auf dem zweiten Platz.

Zwar hatte Siemens in den vergangenen Jahren immer wieder betont, dass es nicht primär auf die Zahl der Patente ankommt – sondern auf die Qualität. Doch werten sie den ersten Platz als Auszeichnung. „Unsere Position bei Patenten zeigt, dass wir in Europa Spitzenreiter bei Innovationen sind“, erklärte Siemens-Technologievorstand Roland Busch gegenüber dem Handelsblatt. „Viele unserer Patente zielen auf Technologien wie Künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge und Cybersecurity.“

Konkret meldete Siemens im vergangenen Jahr 2493 Patente an. Mehr als ein Viertel davon entfiel auf die Bereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung. Damit lag der Konzern knapp vor Huawei, das 2485 Erfindungen einreichte. Auf dem dritten Platz landete Samsung. Bosch landete als zweitbestes deutsches Unternehmen auf dem zehnten Platz. Es folgten im deutschen Ranking BASF, Continental und Bayer.

„Im globalen Vergleich stehen die deutschen Unternehmen in Sachen Innovationskraft gut da“, sagte Klaus-Peter Gushurst, Leiter „Industries & Innovation“ bei der Beratungsgesellschaft PwC, dem Handelsblatt. Allerdings lägen die Stärken eher in traditionellen Bereichen wie Autoindustrie und Maschinenbau. „Nachholbedarf gibt es bei Themen wie Digitalisierung außerhalb der industriellen Fertigung und Künstlicher Intelligenz.“

Im vergangenen Jahr hatte es für viel Aufsehen gesorgt, als mit Huawei erstmals ein chinesisches Unternehmen am meisten Patente in Europa anmeldete. Derzeit steht das Unternehmen stark unter Beobachtung. Die Chinesen liefern neben Handys auch Technik für Mobilfunknetze. Seit Monaten ist wegen Sicherheitsbedenken umstritten, ob sich Huawei am Aufbau der nächsten Mobilfunkgeneration 5G beteiligen dürfen.

Insgesamt verzeichnete das Europäische Patentamt im vergangenen Jahr 174.000 Patentanmeldungen, ein Anstieg von knapp fünf Prozent. Europa hat 2018 wieder bewiesen, dass es als Region ein sehr attraktiver Technologiemarkt für europäische und internationale Unternehmen ist“, sagte EPA-Präsident António Campinos.

PwC-Berater Gushurst rät den Unternehmen, auch bei einem möglichen konjunkturellen Abschwung bei den Innovationsanstrengungen nicht nachzulassen. „Erfahrungsgemäß wird immer zuerst im Marketing und bei Forschung und Entwicklung gespart.“ Sinnvoller sei es aber, an anderer Stelle die Kosten zu senken und bei den Innovationen durchzuhalten.

Bislang bemerkt das Patentamt noch keinen nachlassenden Elan. Firmen aus Deutschland reichten 26.734 Patentanmeldungen ein. Der Zuwachs von 4,7 Prozent war der höchste seit 2010. Die deutschen Firmen landeten damit auf Platz zwei hinter den USA und vor Japan.

Gerade der Mittelstand habe eine „unheimliche Innovationskraft“, sagt Gushurst. Viele kleinere und mittlere Firmen zeigten gerade, dass sie bereit sind, ihr Geschäftsmodell radikal zu wandeln. Hilfreich könne es sein, dass gerade viele Private Equitys und Venture-Capital-Spezialisten den deutschen Markt entdeckten. „Externe Investoren können noch einmal einen Impuls geben, sich in neue Geschäftsmodelle hineinzuwagen.“

Neue Wege sind auch notwendig, denn die ausländische Konkurrenz setzt ebenfalls verstärkt auf Innovationen – teilweise staatlich unterstützt. So konnten chinesische Firmen im vergangenen Jahr beim Europäischen Patentamt erneut stark zulegen und meldeten 9400 Patente an. Mit einem Plus von 8,8 Prozent verlangsamte sich das Wachstum aber etwas.

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte in den vergangenen Jahren die Ausgaben für Innovationen erhöht. Im vergangenen Jahr gab der Technologiekonzern 5,6 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus. Das sei eine Steigerung um fast 40 Prozent verglichen mit 2014, betonte Kaeser – seit Sommer 2013 Konzernchef – auf der Hauptversammlung.

Vor kurzem ehrte Siemens – in einer regelrechten Abendshow – seine Erfinder des Jahres 2018. Ausgezeichnet wurden diesmal unter anderem die Entwicklung einer automatisierten Steuerung für die Verankerung von Plattformen im Meeresboden und die Entwicklung eines Verfahrens für schnellere MRT-Scans.

Insgesamt hält Siemens derzeit nach eigenen Angaben gut 65.000 erteilte Patente. Der Konzern beschäftigt rund 43.000 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung, darunter etwa 14.100 in Deutschland.

Das Europäische Patentamt sieht deutsche Firmen in den meisten der zehn wichtigsten Technologiefelder führend. So gab es im Transport-Sektor, zu dem auch die Elektromobilität gehört, eine Anmeldeplus von 15 Prozent.

Entscheidend dürften in den nächsten Jahren Themen wie Künstliche Intelligenz und Autonomes Fahren werden. Gushurst sieht vor diesem Hintergrund auch die Politik gefordert. „Viele andere Länder betreiben gerade eine sehr aktive Industriepolitik.“ Es gehe nicht darum, Innovationen direkt mit vielen Milliarden zu subventionieren, wie es zurzeit vor allem China tue. „Da können wir zum Beispiel bei den Ausgaben für Künstliche Intelligenz sicher nicht mithalten.“ Doch gerade bei der steuerlichen Behandlung von Investitionen in digitale Geschäftsmodelle könne man den scharfen internationalen Wettbewerb nicht ignorieren.

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