Insolvenzkredit Solar-Bauer Centrotherm kann weitermachen

Vorläufige Rettung für den Solar-Anlagenbauer Centrotherm Photovoltaics: Dank eines Insolvenzkredits kann das angeschlagene Unternehmen weiterarbeiten. Neue Aufträge vor allem aus Taiwan geben Hoffnung.
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Die Firmenzentrale der Centrotherm Photovoltaics AG in Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis). Quelle: dpa

Die Firmenzentrale der Centrotherm Photovoltaics AG in Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis).

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FrankfurtDer angeschlagene Solar-Anlagenbauer Centrotherm Photovoltaics kann dank eines Massekredits seiner Banken das operative Geschäft weiterbetreiben. Die Kreditinstitute hätten 50 Millionen Euro bereitgestellt, Centrotherm habe damit mehr als 90 Millionen Euro an flüssigen Mitteln zur Verfügung, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Centrotherm hatte sich vor einem Monat in ein Schutzschirmverfahren nach dem neuen Insolvenzrecht geflüchtet. Ein Massekredit ist für Banken relativ risikoarm, weil er bei der Abwicklung der Insolvenz vorrangig aus der vorhandenen Vermögensmasse zurückgezahlt wird.

Stärken und Schwächen deutscher Solarkonzerne
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Der Platz unter der Sonne wird kleiner. Immer heftiger tobt der Verdrängungskampf in der Solarbranche. Besonders die oftmals billigere Konkurrenz aus China macht deutschen Solarfirmen zu schaffen - nicht wenige kämpfen um ihre Existenz. Exklusiv für die Wirtschaftswoche hat das Zentrum für Solarmarktforschung in Berlin untersucht, wer Chancen hat, die harte Auslese am Markt zu überleben und wer auf der Strecke bleiben könnte.

Centrotherm profitiert von Solar-Boom in Asien
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Centrotoherm

Als Maschinen- und Anlagenbauer baut Centrotherm komplette Fabriken für Solarfirmen. 2011 lief das Geschäft jedoch nicht wie erhofft. Trotz eines Umsatz von 699 Millionen Euro verbuchten die Schwaben 15,9 Millionen Euro Verlust. Und dennoch: Durch Innovationsstärke und wettbewerbsstarke Kooperationspartner konnte Centrotherm seine globale Spitzenposition weiter festigen. Hierzu trug besonders die Fokussierung auf die wachstumsstarken Märkte in Asien bei. Außerdem schätzen Kunden die sehr individuellen Lösungen des Unternehmens. Die Größte Schwäche von Centrotherm bleibt die starke Abhängigkeit vom Solargeschäft. Prognose: Internationale Klasse

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Manz

Neben Centrotherm ist Manz der einzige Anlagenbauer für die Herstellung von Solarzellen und -modulen, der zur internationalen Spitze gehört. Möglich machen das vor allem die Innovationskraft und die gute Kostenstruktur des Reutlinger Konzerns. Außerdem sorgt ein zweites Standbein neben dem Solargeschäft für weniger Abhängigkeit von einem Markt. Manz baut auch Anlagen für die Produktion von Flachbildschirmen und Handys. Einzige Schwäche bleibt die geringe Standardisierung der Produkte. 2011 beliefen sich Umsatz und Gewinn auf 241 Millionen beziehungsweise 0,86 Millionen Euro. Prognose: Internationale Klasse

SMA Solar
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SMA Solar

Das Solartechnologie-Unternehmen aus Niestetal bei Kassel ist Marktführer bei der Herstellung von Wechseltrichtern für Photovoltaik-Anlagen. Sie machen aus Gleichstrom Wechselstrom. Die ausgereifte Technik dieser Anlagen ist zugleich Stärke und Schwäche der Hessen: Sie sichert dem Konzern zwar die Qualitätsführerschaft, ist aber auch vergleichsweise leicht kopierbar. Außerdem sind die Produkte des Unternehmens zu teuer für die Wachstumsmärkte in den Schwellenländern. Doch dank einer breiten Angebotspalette fuhr SMA 2011 einen Umsatz von 1,67 Milliarden und einem Gewinn von 166 Millionen Euro ein. Prognose: Wettbewerbsstark

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Centrosolar

Kerngeschäft von Centrosolar und seinen rund 1000 Mitarbeitern ist der Bau von Solaranlagen auf Privathäusern. Wichtigste Absatzmärkte des Konzerns sind Italien und Frankreich. Allerdings scheint dort das Wachstum nun zu Ende zu sein. Außerdem lassen die Münchener die Vorteile durch die Kooperation mit dem taiwanesischen Partner TSMC, für den Centrosolar Solarmodule fertigt, weitgehend ungenutzt. 2011 kam so ein Umsatz von 254 Millionen und ein Verlust von 16,8 Millionen Euro zusammen. Progose: Leistungsschwach

Bilanz Solarworld
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Solarworld

Zell- und Modulherstellern wie Solarworld macht die Konkurrenz aus China zunehmend das Leben schwer. Zwar erwirtschaftete der Bonner Konzern 2011 einen Umsatz von 1,05 Milliarden Euro. Allerdings verhagelte ein Verlust von 299,35 Millionen Euro die Jahresbilanz. Daran änderte auch das solide Netzwerk bei Installateuren - eine Stärke von Solarworld - nichts. Zu groß waren letztlich die Schwächen des Unternehmen wie etwa Kostennachteile durch eine zu hohe Wertschöpfungstiefe und ein unterentwickeltes Kraftwerksgeschäft. Prognose: Mittelmaß

ZEUNER SOLARZELLEN
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Sunways

Auch für den zweiten großen Solarzellenhersteller Sunways lief das vergangene Jahr eher durchwachsen. Der Konzernbericht für 2011* weißt einen Umsatz von 84 Millionen Euro aus, dem steht ein Verlust von 11,2 Euro Millionen gegenüber. Negativ wirken sich dabei auch die beiden Standorte in Konstanz und Arnstadt aus, weil das Produktionsvolumen für zwei Fabriken insgesamt zu klein ist. Positiv könnte sich in Zukunft jedoch die Beteiligung des chinesischen Großaktionärs LDK auswirken, über den Sunways günstiger einkaufen könnte. Allerdings befindet der sich momentan in einer Umstrukturierungsphase. Prognose: leistungsschwach

* Zahlen für Januar bis September 2011 wegen verspäteter Veröffentlichung der Jahresbilanz (Ende April 2012)

Neue Aufträge, unter anderem von einem Unternehmen aus Taiwan, zeigten das Vertrauen der Kunden, teilte Centrotherm mit. Auch die laufenden Projekte würden weitergeführt, Centrotherm werde sich auch auf der Branchenmesse EU PVSEC in Frankfurt Ende September beteiligen. Das trieb die Aktie um 45 Prozent auf 1,26 Euro.

Im Schutzschirmverfahren ist ein Unternehmen für drei Monate vor dem Zugriff seiner Gläubiger geschützt und kann sich unter der Aufsicht eines externen Sachwalters selbst sanieren. Dazu darf das Unternehmen allerdings noch nicht zahlungsunfähig sein. Das Instrument ähnelt dem "Chapter 11"-Verfahren in den USA und ist in Deutschland seit März nutzbar. Centrotherm ist eines der erstes Unternehmen, das den Schutzschirm nutzt. Die Krise in der deutschen Solarindustrie infolge der Förderkürzungen haben viele Firmen in der Branche in die Insolvenz getrieben. (Reporter: Alexander Hübner; redigiert von Ralf Banser)

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