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Insolvenzverfahren Biotech-Unternehmen Mologen steht vor dem Aus

Die Berliner Firma galt einst als deutsche Biotech-Hoffnung. Doch auf eine enttäuschende Studie folgte die Pleite – nun startet das Insolvenzverfahren.
03.02.2020 - 17:50 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen kann bisher weder Gewinn noch Umsatz vorweisen. Quelle: LAIF
Im Labor von Mologen

Das Unternehmen kann bisher weder Gewinn noch Umsatz vorweisen.

(Foto: LAIF)

Düsseldorf Das Berliner Biotech-Unternehmen Mologen galt als Star des Neuen Marktes und als erfolgreichste deutsche Uni-Ausgründung – nun steht die Firma vor ihrem endgültigen Aus: Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat am Montag das Insolvenzverfahren eröffnet. Auslöser der Pleite waren Finanzierungsprobleme nach einer enttäuschenden klinischen Studie zu einem neuen Präparat.

Die Rolle als Insolvenzverwalter übernimmt Rechtsanwalt Christian Köhler-Ma von GT Restructuring, der deutschen Restrukturierungseinheit der US-Kanzlei Greenberg Traurig. Er führt das Unternehmen vorerst mit allen 31 Mitarbeitern fort.

Erste Gespräche mit Investoren habe er bereits aufgenommen, teilte Köhler-Ma mit. Er sei zuversichtlich, dass sie zu einem positiven Ergebnis führen: „Es gibt mehrere Interessenten für den Betrieb oder einzelne Teile und Präparate.“

Mologen entwickelt genetische Impfstoffe, die im Kampf gegen Krebs und Infektionskrankheiten helfen sollen. Burghardt Wittig, Professor an der Freien Universität Berlin, gründete die Firma 1998 und brachte sie noch im selben Jahr an die Börse. Wittig erklärte damals, Mologen solle ein Unternehmen der „kurzen Wege zwischen Forschung und Anwendung“ sein. Das Ziel: spätestens im Jahr 2000 ein marktfähiges Produkt präsentieren und ein Jahr später die Gewinnschwelle erreichen.

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    Seinen Aktionären machte das Unternehmen immer wieder mit Erfolgsmeldungen Hoffnung. Doch tatsächlich hat Mologen es nie geschafft, ein Produkt auf den Markt zu bringen. Wittig hat sich längst aus dem Management verabschiedet, der Hype um das Unternehmen ist verflogen.

    Erst im August 2019 hatte Mologen Testergebnisse eines Darmkrebsmedikaments veröffentlicht, die enttäuschend ausfielen. Anschließend kündigte das Management ein Restrukturierungsprogramm an. Die Firma wolle sich finanziell neu aufstellen und künftig auf Kombinationstherapien konzentrieren, hieß es.

    Das Management wollte den Umbau mithilfe einer Wandelschuldverschreibung über zwei Millionen Euro finanzieren. Mit solchen Instrumenten hatte sich Mologen schon in der Vergangenheit über Wasser gehalten. Doch diesmal gab es nicht genug Interessenten.

    Zwar teilte Mologen Anfang Dezember mit, dass das Unternehmen mit zwei potenziellen Investorengruppen verhandle, darunter eine um Firmengründer Wittig. Doch schon 30 Stunden später folgte die Ad-hoc-Mitteilung, in der das Management seinen Insolvenzantrag bekanntgab – ohne Begründung, warum die Gespräche gescheitert waren.

    Machtkampf hinter den Kulissen

    In der Vergangenheit war stets der Börsenhändler Thorsten Wagner mit seinem Fonds Global Derivative Trading (GDT) eingesprungen, wenn das Geld knapp wurde. 50 Millionen Euro hat der Geschäftsmann in Mologen gesteckt – und sich so zu einer zentralen Figur in einem Machtkampf um das Unternehmen entwickelt.

    Mehrere Minderheitsaktionäre um die Beteiligungsgesellschaft Deutsche Balaton rebellierten gegen das Management: Sie warfen der Mologen-Führung vor, es Wagner „vermutlich mithilfe pflichtwidriger Entscheidungen“ ermöglicht zu haben, sich besonders billige Aktien des Unternehmens zu verschaffen.

    Vorstand und Aufsichtsrat wollten davon genauso wie Wagner nichts wissen. „Es gab und gibt für GDT keine Sondervorteile. Bei der heutigen Marktkapitalisierung ist meine Beteiligung noch einen Bruchteil wert. Da ist es schon ein Treppenwitz, wenn mich eine Schmutzkampagne als Firmenräuber bezeichnet“, hatte Wagner dem Handelsblatt gesagt. Es folgten Anträge auf außerordentliche Hauptversammlungen, Forderungen nach Sonderprüfungen und eine Personalrochade in Vorstand und Aufsichtsrat.

    Zwar beteuerten alle Parteien stets, nur das Beste für das Unternehmen zu wollen. Doch am Ende gelang es ihnen nicht, die Existenz der ehemaligen Biotech-Hoffnung zu sichern. Kleinaktionäre mussten derweil zusehen, wie sich der Wert ihrer Beteiligung auflöste. Der Kurs der Mologen-Aktie, der im Oktober 2000 auf fast 300 Euro kletterte, lag am Montagnachmittag bei nur noch elf Cent.

    Mehr: Bei Mologen tobte lange Zeit ein Machtkampf mit harten Bandagen. Lesen Sie die Hintergründe zum Streit zwischen den verfeindeten Investoren.

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