Interview Daimler-Chef Zetsche „Parteispenden sehen wir als staatsbürgerliche Pflicht“

Daimler-Chef Dieter Zetsche zweifelt, dass bei den Elektro-Ambitionen des Konkurrenten BMW „Aufwand und Nutzen in Einklang zu bringen sind“. Er verteidigt, einen Spitzenpolitiker zu Daimler geholt zu haben.
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Daimler-Chef Zetsche im Interview: Die nächste S-Klasse soll selbstständig überholen können. Quelle: Andy Ridder für Handelsblatt

Daimler-Chef Zetsche im Interview: Die nächste S-Klasse soll selbstständig überholen können.

(Foto: Andy Ridder für Handelsblatt)

DüsseldorfDer Autobauer Daimler sieht sich bei der Elektromobilität vor der deutschen Konkurrenz. Daimler sei im Markt sehr präsent, sagte Vorstandschef Dieter Zetsche dem Handelsblatt (Montagausgabe). „Mit rund 40 Prozent Marktanteil sind wir Marktführer bei Batteriefahrzeugen in Deutschland.“ Diese Position beruhe vor allem auf den hohen Verkaufszahlen des Elektro-Smarts. Ab dem kommenden Jahr hat Daimler auch eine elektrische B-Klasse im Angebot, die auf Technik des US-Kooperationspartners Tesla zurückgreift.

Den Vorstoß des Münchener BMW, mit der i-Serie spezielle Elektrofahrzeuge zu entwickeln, hält Zetsche für mutig. Das sei ein teurer Weg. „Wir sehen aber nicht, dass Aufwand und Nutzen in Einklang zu bringen sind.“ Den Vormarsch von Google und anderer Internetfirmen in das Geschäft mit der Mobilität fürchtet der Daimler-Chef nicht. „Daimler hat in den vergangenen 127 Jahren den nachhaltigen Beweis erbracht, ein Vorreiter im Markt zu sein“, sagte er. Aber selbst Tesla müsse noch beweisen, dass die Firma nachhaltig am Markt bestehen könne.

Die umstrittene Berufung von Staatsminister Eckhart von Klaeden zum Cheflobbyisten des Stuttgarter Autobauers verteidigt Zetsche. Diese Debatte verstehe er nicht, sagte der Chef der Mercedes-Mutter. „Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass unser Mann vor Ort in Berlin und Brüssel über ein gutes Netzwerk verfügen muss.“ Sonst könne der seinen Job nicht machen.

Klaeden hatte Ende Mai seinen Wechsel zu Daimler bekanntgegeben. In die Kritik geriet er, weil er als Staatsminister wiederholt an Treffen mit Vertretern der Autoindustrie teilgenommen hatte. Nach einer Anzeige prüft die Berliner Staatsanwaltschaft, ob Klaeden im Zusammenhang mit seinem Jobwechsel wegen „Vorteilsnahme“ und „Vorteilsgewährung“ ein Verfahren eingeleitet werden muss.

In dem Interview mit dem Handelsblatt wies Zetsche auch Kritik an Parteispenden zurück. Daimler spende regelmäßig an politische Parteien. „Wir sehen dies als staatsbürgerliche Pflicht und unseren Beitrag zur Entwicklung unserer parlamentarischen Demokratie an“, sagte der Daimler-Chef. Diese Spenden würden pflichtgemäß veröffentlicht. „Im Jahr 2013 erhielten CDU und SPD je 100.000 Euro von uns, FDP, Grüne und CSU je 40.000 Euro.“

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12 Kommentare zu "Interview Daimler-Chef Zetsche: „Parteispenden sehen wir als staatsbürgerliche Pflicht“"

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  • Wenn ein Unternehmen spendet, dann steckt dahinter immer eine unternehmerische Entscheidung. Diese kann bei Spenden nur die versuchte Beeinflussung von politischen Entscheidungen zu Gunsten eines bestimmten Marktsegments oder des spendenden Unternehmens. Ein Unternehmen kann überhaupt keine politische Meinung haben. Das sind doch immer nur die Personen dahinter. Wie kommt ein Herr Zetsche dazu, Gelder des Unternehmens für seine private politische Auffassung zu verwenden, in dem er die entsprechende Partei finanziell unterstützt. Wenn er es als staatspolitische Aufgabe sieht, dann bitte an alle Parteien gleich. Ich habe eher den Eindruck, sie sollten wieder ein Stück kritischer werden.

  • Wenn man die Kommentare hier so liest, so muss man feststellen, das das Niveau in den letzten Monaten dramatisch gesunken ist.
    Die Vorwürfe der Korruption in dieser Weise sind unhaltbar und von völliger Unkenntnis der Mechanismen der Einflussnahme geprägt, die kaum über legale Spenden nötig sind.
    Es ist sicher immer ein gesundes Misstrauen angebracht, aber hinter jeder Hecke eine Verschwörung oder Korruption zu vermuten, nur weil Machtträger beteiligt sind ist paranoid und hinsichtlich des Nutzens wirklichkeitsfremd.
    Früher habe ich mich über die naive Gutgläubigkeit geärgert, heute ärgere ich mich über die selbe Naivität nur mit umgekehrten Vorzeichen.
    Und beides dient letztlich nur dem Zweck einfache ethische Vorstellungen vor der Realität zu schützen, statt sich den manchmal hässlichen Realitäten im Rahmen des Möglichen zu stellen.

    H.

  • @Alamannenkrieger,

    die Spenden des alten Flick waren nicht wegen ihrer Verteilung oder grundsätzlich ein Problem, sondern deshalb weil die Parteien illegaler Weise diese Spenden nicht legal deklariert haben.

    H.

  • Bei aller Vorsicht und allem Misstrauen, aber offizielle Parteispenden sind in Ordnung. Selbstverständlich kann man Spenden als Staatsbürgerliche Pflicht ansehen, von deutschen Unternehmen. Und ebenso wie Privatpersonen dürfen sie eine politische Meinung haben bezüglich der Parteien die sie unterstützen. Nur legal müssen sie sein.
    Und wenn manche Parteien weniger von Firmen und Konzernen unterstützt werden, so liegt das wohl daran, dass die Unternehmen deren Politik weniger zielführend finden.
    Das gilt übrigens für Gewerkschaften und Sozial-, wie Umweltverbände auch, die ebenfalls Parteien mit ihren Machtmitteln unterstützen.
    Problematischer sind da schon personelle Verflechtungen, weil Interessenkonflikte, wie etwa bei Gewerkschaften, Umweltverbänden im Grunde nie ausgeschlossen werden können. Dagegen sind Wechsel nach der Amtszeit sogar harmlos. Obwohl auch diese Wechsel beträchtlich durch finanzielle bzw statuswahrende Effekte grundsätzlich Interessenkonflikte beinhalten können.

    H.

  • Der Halbtürke gehört schon lange weg. Kein Benzin im Blut.
    Der VW Konzern wird langfristig Daimler aufschnupfen ... u. als 13. Konzerntochter zum Erfolg führen.

  • Seit wann hat eigentlich Daimler staatsbürgerliche Pflichten an Pateien zu spenden? Wäre es nicht eher staatsbürgerliche Pflicht die Leiharbeiter gerecht zu entlohnen und technische Entwicklungen nicht zu blockieren? In den letzten Jahren hinkt Daimler doch hinterher. Der Rußfilter wurde von den Franzosen eingeführt, BMW hat die besseren Motoren usw.

  • Ob Sie das über den Fahrzeugpreis mitbezahlen oder nicht, entscheiden Sie selbst, wenn Sie sich für oder gegen einen Mercedes entscheiden.

    Und ob ANDERE Menschen das über den Fahrzeugpreis mitbezahlen wollen oder nicht, geht Sie persönlich nun wirklich gar nichts an!

  • Damit kauft sich Daimler die passenden Gesetze um über die Ausbeutung von Werk- und Zeitarbeitssklaven noch mehr Profit zu machen.

    Da kann dann der Zetsche nicht nur als edler Spender auftreten sondern unter dem Strich auch noch ein dickes Geschäft machen.

  • „Parteispenden sehen wir als staatsbürgerliche Pflicht“

    Widerlicher, korrupter Schnäutzer!

  • Wenn Sie die "korruptionsfördernden"- Spenden aus Ihrer eigenen privaten Tasche bezahlen, hat bestimmt keiner etwas dagegen! Aber, wenn die Spenden über die Fahrzeugpreise indirekt hereingeholt werden, dann habe ich etwas dagegen.

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