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Interview mit Andreas Renschler „Kein Börsengang von Traton um jeden Preis“ – Welche Gefahren der VW-Lkw-Chef sieht

Volkswagen will seine Lkw-Sparte unter dem Namen Traton im kommenden Jahr an die Börse bringen. Doch Traton-CEO Renschler sieht dafür durchaus Risiken.
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Der Vorstandschef der Lkw-Gruppe Traton bereitet den Börsengang vor. Quelle: Christian Burkert für Handelsblatt
Andreas Renschler

Der Vorstandschef der Lkw-Gruppe Traton bereitet den Börsengang vor.

(Foto: Christian Burkert für Handelsblatt)

Hannover Der vielfach erwartete Börsengang der Volkswagen-Lkw-Sparte Traton im kommenden Jahr ist nicht unbedingt sicher. „Es wird keinen Börsengang um jeden Preis geben“, sagte Traton-Vorstandschef Andreas Renschler im Gespräch mit dem Handelsblatt. Niemand könne beispielsweise wissen, wie sich der Handelsstreit zwischen den USA und China entwickle – mit entsprechenden Folgen für die Kapitalmärkte. Bei Traton würden jetzt die nötigen Bedingungen für eine Kapitalmarktfähigkeit geschaffen. „Dann werden wir sehen, ob der jeweilige nächste Schritt in die Landschaft passt“, betonte der Traton-Chef.

Nach den Worten Renschlers macht die Lkw-Sparte aus dem VW-Konzern gute Fortschritte beim Aufspüren gemeinsamer Synergiepotenziale. „Von 2021 an wollen wir die erste gemeinsame Motorenplattform für unsere Lastwagen fertig haben – und dann werden wir Jahr für Jahr noch deutlich mehr an Synergien sehen“, ergänzte er. Zusammen mit seinen Allianz-Partnern in den USA und in Asien komme Traton auf eine Jahresproduktion von 420.000 schweren Lkw. Überall solle künftig ein einheitlich entwickelter Antriebsstrang verwendet werden. Kernmarken von Traton sind MAN und Scania.

Renschler wandte sich gegen die komplette Übernahme seiner ausländischen Partner wie etwa des US-Herstellers Navistar, an dem Traton einen Anteil von 17 Prozent hält. „Es muss nämlich nicht immer gleich die komplette Übernahme eines Konkurrenten sein, um die erhofften Skaleneffekte zu erreichen“, sagte Renschler. In einer Partnerschaft sei es mitunter einfacher, gemeinsame Projekte schneller umzusetzen.  

Das ganze Interview lesen Sie hier

Vor drei Jahren hat Volkswagen seine eigene Lkw- und Bussparte gegründet, in der vor allem die zuvor eigenständigen Marken MAN und Scania zusammengefasst wurden. Auf der Nutzfahrzeug-IAA in Hannover demonstriert die Sparte Geschlossenheit: mit dem ersten einheitlichen Auftritt aller Nutzfahrzeugmarken aus dem VW-Konzern in einer einzigen Messehalle. Unter dem neuen Namen Traton peilt die Lkw-Sparte im kommenden Jahr einen Börsengang an. Doch im Interview mit dem Handelsblatt in Messehalle 12 deutet Traton-Chef Andreas Renschler eine gewisse Zurückhaltung an. Die Lkw-Marken aus dem Volkswagen-Konzern müssten zunächst ihre Kapitalmarktfähigkeit erreichen. Erst danach werde sich entscheiden, ob es wirklich zum Börsengang kommt.    

Herr Renschler, die Kooperation von MAN und Scania unter dem Traton-Dach soll große Synergien bewirken. Wie viele Milliarden sind dadurch schon zusammengekommen?
Dazu nennen wir keine Zahlen. Wir messen das an der Ertragsentwicklung, denn dort müssen solche Synergien letztlich ankommen. Natürlich sind wir mit dem erreichten Niveau noch nicht ganz zufrieden. Aber die Entwicklung der zurückliegenden Jahre zeigt ganz eindeutig, dass sich die Zusammenarbeit zunehmend im Ergebnis niederschlägt.

Das operative Ergebnis wird weiter nach oben gehen?
Wir gehen weiterhin von einer positiven Entwicklung unseres Geschäftes aus. Unsere Modellzyklen sind im Vergleich zu den Pkw-Herstellern deutlich länger, also brauchen wir auch mehr Geduld. Von 2021 an wollen wir die erste gemeinsame Motorenplattform für unsere Lastwagen fertig haben – und dann werden wir Jahr für Jahr noch deutlich mehr an Synergien sehen. Bis solche Erfolge erreicht sind, dauert es einfach eine gewisse Zeit. Die meisten anderen Herstellergruppen haben bereits erhebliche Synergiepotenziale realisiert, bei uns liegt das noch in der Zukunft. Traton gibt es erst seit drei Jahren. Dafür sind wir schon weit gekommen.

Das ist dann auch Teil der Börsenstory, die Sie Anlegern vielleicht im nächsten Jahr präsentieren werden?
Klar, das gehört bei uns auf dem Weg zur Kapitalmarktfähigkeit unbedingt dazu. Zudem entwickeln wir unser Geschäft mit den sogenannten „smarten Partnerschaften“ weiter. Es muss nämlich nicht immer gleich die komplette Übernahme eines Konkurrenten sein, um die erhofften Skaleneffekte zu erreichen. Das geht auch über Kooperationen. Und genau das machen wir mit unseren Partnern in den USA, in China und in Japan.

Kommen wir doch jetzt zum möglichen Börsengang von Traton. Wann wird das soweit sein?
Es gibt noch keine konkreten Zahlen und Daten, denn der Börsengang ist noch keine entschiedene Sache. Für uns ist es jetzt wichtig, dass wir die Kapitalmarktfähigkeit bis zum Ende des Jahres erreichen. Das allein schon ist ein größeres bürokratisch-technisches Unterfangen. Und das Projekt läuft bei uns mit Vollgas. Parallel starten wir mit Volkswagen den Prozess, die externen Partner zu mandatieren. Wir müssen den Schalter umlegen können, wenn die Zeit reif ist.

Wäre es möglich, dass es überhaupt keinen Börsengang gibt, weil etwa eine schwache Konjunktur für schwache Autowerte an den Börsen sorgt?
Das kann auch sein. Wir wissen doch beispielsweise gar nicht, wie sich der Handelsstreit zwischen den USA und China weiterentwickelt. In die Glaskugel schauen zu können, wäre schön. Wir treffen jetzt unsere Vorbereitungen. Dann werden wir sehen, ob der jeweilige nächste Schritt in die Landschaft passt. Es wird also keinen Börsengang um jeden Preis geben.

Knapp sieben Prozent operative Rendite haben Sie im vergangenen Jahr geschafft, neun Prozent sollen es künftig werden?
Über den laufenden Zyklus hinweg wollen wir diese Marke erreichen. Es geht also nicht um eine Punktlandung. Erfolgreich sind wir dann, wenn alle Synergieprojekte beginnen zu greifen, dann dürfte unser langfristiges Renditeziel von neun Prozent erreichbar sein. Die Veränderungen bei MAN sind ein gutes Beispiel für diese Entwicklung. Vor drei Jahren haben unsere Münchener Kollegen nur einen Gewinn von rund 200 Millionen Euro erreicht, jetzt liegen sie mit etwa 530 Millionen Euro schon deutlich darüber.

Welche Teile kann man denn nun teilen beim Lastwagen: vor allem Motor und Getriebe?
60 Prozent des Wertes eines Lkw macht der gesamte Antriebsstrang aus. Der Antrieb steht damit für uns eindeutig im Vordergrund: Motor, Abgasnachbehandlung, Getriebe und die Achsen. Wenn Sie dann noch die Elektronik dazu nehmen, dann kommen wir bei den genannten 60 Prozent heraus. Genau darauf konzentrieren wir uns, wenn ich von Synergien und gemeinsamen Projekten unserer Lkw-Marken und Partner spreche. Wir reden also nicht über Kabinen, Außenspiegel und Scheibenwischer.

Und welche Lkw-Segmente sind für die Traton-Gruppe am wichtigsten?
Wir sind zusammen mit unseren Partnern so richtig stark, wenn es um mehr als 15 Tonnen Nutzlast geht. Die Allianz, wieder die Partner eingeschlossen, kommt auf eine Jahresproduktion von über 420.000 schweren Lkw. In diesen Lastwagen wollen wir einen einheitlich entwickelten Antriebsstrang verwenden – und in so einer Zahl steckt dann schon eine ganze Menge Musik drin, was die Synergien betrifft.

MAN und Scania als fester Teil der Traton-Gruppe werden sich den Antrieb teilen. Aber gilt das wirklich auch für die Partner in den USA und in Asien?
Das sind unterschiedliche Reifegrade. Mit Navistar in den USA sind wir schon relativ weit. Unsere US-Kollegen brauchen auch Skaleneffekte, mit ihnen werden wir also den Antrieb teilen. Sinotruk in China hat schon früher MAN-Motoren aus einer alten Vereinbarung übernommen. Jetzt kommt ein neues Joint Venture dazu, in dem beide Seiten zunächst gleichberechtigt sind. Vor allem in dem Joint Venture wollen wir dann den gemeinsamen Antriebsstrang verwenden.

Brauchen Sie nicht doch die Anteilsmehrheit an Navistar, um sich auf dem US-Markt wirklich durchsetzen zu können?
Wir sind mit der Partnerschaft sehr zufrieden. Wir haben viele gemeinsame Themen und Projekte, die gut laufen. Mit unserem Einkaufs-Joint-Venture sind wir beispielsweise viel weiter, als wir ursprünglich gedacht hatten. Deshalb steht eine Übernahme nicht auf der Agenda.

Was ist besser: die Kooperation oder die komplette Übernahme?
Das kommt immer auf den Einzelfall an. Beides hat Vor- und Nachteile. Bei einer Übernahme ist es nicht automatisch garantiert, dass alles gut läuft. Über Partnerschaften lässt sich eine Kooperation langsam zementieren, ohne dass sich eine Seite immer gleich überfahren fühlt. Eine spätere Übernahme ist dann immer noch möglich. Eine Übernahme ist selten freiwillig. Da wird es schwieriger, alle Mitarbeiter mitzuziehen. Deshalb ziehe ich Partnerschaften heute vor. Vor allem sind wir damit deutlich schneller, wenn es um die Umsetzung gemeinsamer Projekte geht.

Scania und MAN waren in der Vergangenheit eigenständige Unternehmen. Da muss es doch Probleme mit der Kooperation geben.
Das hängt stark an den jeweiligen Unternehmenskulturen. Wenn es größere Unterschiede gibt, gibt es entsprechend mehr Herausforderungen bei der Zusammenarbeit. Eine Unternehmenskultur beginnt schon bei den Begriffen. Das Wort Kostenplanung ist wahrscheinlich in jedem Unternehmen gebräuchlich, kann aber von Firma zu Firma ganz unterschiedlich verstanden werden. Bei MAN und Scania halten sich die kulturellen Unterschiede in Grenzen, wir haben uns in den zurückliegenden drei Jahren Schritt für Schritt miteinander vertraut gemacht. Außerdem haben alle die große strategische Linien verstanden, die für alle große Vorteile hat. Es funktioniert besser und besser mit der Kooperation.

Worauf haben Sie noch geachtet?
Wir haben uns ganz bewusst für den neuen gemeinsamen Namen Traton entschieden. Wir nehmen damit Abschied von der Vergangenheit, der neue Name symbolisiert etwas Gemeinsames. Auch die interne Kommunikation ist wichtig: Wenn die Ansprache stimmt, dann findet jeder seinen Platz unter dem gemeinsamen neuen Dach. Unser Geschäft muss zudem weitgehend unabhängig von den Pkw geführt werden, dass musste auch Volkswagen erst lernen. Entkoppelt wird es für alle effizienter.

Sie haben den neuen Namen Traton erwähnt. Kann es so weit gehen, dass eines Tages auch die Namen MAN und Scania verschwinden?
Nein, das glaube ich kaum. In der gesamten Branche könnten vielleicht einmal in 20 oder 30 Jahren voll automatisierte und digitalisierte Logistikdienstleistungen das klassische Fahrzeuggeschäft ablösen. Dann würden die Marken von heute eine andere Rolle spielen. Aber das wäre ein Thema für alle Hersteller und hat nichts mit dem Zusammengehen unter dem Traton-Dach zu tun. Heute haben wir unsere Marken sehr klar positioniert. Scania steht für Premium und Nachhaltigkeit, gerade auch im Servicegeschäft. MAN muss Innovation nicht als Erster anbieten und macht seinen Kunden das Alltagsgeschäft so einfach wie möglich.

War es schon länger klar, dass die VW Transporter nicht zur Traton-Gruppe gehören würden?
Der Bereich der Transporter steht zwischen Pkw und Nutzfahrzeugen. Auf der einen Seite brauchen wir für die Transporter das Vertriebsnetz der Lastwagen-Sparte, weil wir nur über diesen Weg unsere Kunden erreichen. In den Fahrzeugen steckt aber ganz viel Pkw, besonders die Motoren. Entwicklungstechnisch gehören die Transporter deshalb also eher zur Personenwagen-Sparte.

Herr Renschler, vielen Dank für das Gespräch.

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