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Guido Kerkhoff

„Wir hatten uns mehr vorgenommen. Das kann man nicht schönreden“, sagt der Thyssen-Krupp-Vorstandschef.

(Foto: dpa)

Interview Thyssen-Krupp-Chef räumt Fehler ein – „Wir müssen einfach schneller besser werden“

Der Konzern hat ein wechselhaftes Jahr hinter sich. Am Freitag tritt Kerkhoff erstmals als Vorstandschef vor die Aktionäre – und verspricht eine bessere Performance.
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Essen Vor der Hauptversammlung des Essener Industriekonzerns Thyssen-Krupp am Freitag übt sich Vorstandschef Guido Kerkhoff in Selbstkritik. „Für das vergangene Jahr ergibt sich ein gemischtes Bild“, resümierte der Manager im Interview mit dem Handelsblatt.

In einzelnen Bereichen sei der Konzern gut vorangekommen, in anderen habe es Rückschritte gegeben. „Auch das müssen wir uns eingestehen.“

In der Bochumer Ruhrcongress-Halle wird Kerkhoff am Freitag das erste Mal vor die Aktionäre treten, seit er im Sommer nach dem überraschenden Rücktritt von Heinrich Hiesinger vom Finanzvorstand zum CEO befördert wurde. Der Aktienkurs des Unternehmens fiel seit dem letzten Aktionärstreffen im Januar 2018 um mehr als 40 Prozent.

Mit dem Plan, Thyssen-Krupp im laufenden Geschäftsjahr in einen Werkstoff- und einen Industriegüterkonzern zu teilen, beendete Kerkhoff eine monatelange Führungs- und Strategiedebatte, in deren Verlauf auch einige Aufsichtsräte ihr Mandat niederlegten. Ein zentraler Kritikpunkt vieler Investoren war dabei die mangelnde Profitabilität des Industriekonzerns, der derzeit in den Branchen Aufzüge, Komponenten, Anlagenbau, Stahl und Werkstoffhandel tätig ist.

Vor den Aktionären will Kerkhoff das Problem offen ansprechen. „Wir reden da nichts schön und kommunizieren transparent mit allen Investoren.“ Natürlich gebe es die berechtigte Erwartung seitens der Aktionäre, dauerhaft einen positiven Cash-Flow zu erwirtschaften. „Wir müssen einfach schneller besser werden.“

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Wenn der Konzern langfristig keinen Wertzuwachs generiere, liefen irgendwann die Aktionäre weg. „Da wird dann die Frage nach dem richtigen Portfolio zur Nebensache“, so der 51-Jährige.

Lesen Sie hier das ganze Interview mit Guido Kerkhoff

Der Kalender von Thyssen-Krupp-Vorstandschef Guido Kerkhoff ist eng getaktet: Eine knappe Stunde dauert das Gespräch mit dem Handelsblatt, bevor sich die neuen Aufsichtsratsmitglieder Martina Merz und Wolfgang Colberg für einen Antrittsbesuch beim Vorstand in Essen angekündigt haben. Im Interview lässt der Manager das wohl turbulenteste Jahr in der Geschichte des Industriekonzerns Revue passieren – und räumt dabei auch Fehler der Vergangenheit ein, die er im Zuge der Teilung von Thyssen-Krupp bereinigen will.

Herr Kerkhoff, Thyssen-Krupp hat im vergangenen Jahr viele Veränderungen durchgemacht – Ihre Ernennung zum Vorstandschef war eine davon. Wie haben Sie diese wechselhafte Zeit erlebt?
Es war ein herausforderndes Jahr, auf das ich mit gemischten Gefühlen zurückschaue. Erst im Rückblick wird einem selbst klar, wie wild das Tempo war. Eine solche Entscheidungsdichte hatte ich in meinem bisherigen Berufsleben noch nicht erlebt.

Waren die Entscheidungen denn allesamt gut?
(lacht) Das wird man sehen, wenn wir alles hinter uns gebracht haben. Im Ernst: Wir haben eine wahnsinnige Menge an Veränderungen angestoßen und wichtige Entscheidungen für das Unternehmen getroffen. Uns ging es darum, schnell für die nötige Orientierung zu sorgen, insbesondere auch bei unseren Mitarbeitern. Wir bauen jetzt zwei starke Unternehmen, die deutlich fokussierter sein werden – mit klaren Stärken in ihren jeweiligen Geschäften. Ich bin froh darüber, dass wir diese Neuausrichtung mit unserem kleinen Vorstandsteam so gut und schnell hinbekommen haben. Aber wie gesagt: Es war ein wildes Jahr.

Blickt man allein auf die Aktie, scheint die Börse von dem Vorhaben noch nicht überzeugt: Seit der Ankündigung ging der Kurs um mehr als ein Viertel zurück. Wie werden Sie das bei der Hauptversammlung den Aktionären erklären?
Wir haben mit der Teilung und dem Stahl-Joint-Venture mit Tata zwei wegweisende Schritte gemacht. Gleichzeitig sind wir aber auch die Baustellen im operativen Geschäft angegangen. Da ergibt sich für das vergangene Jahr ein gemischtes Bild. In einzelnen Bereichen sind wir gut vorangekommen, in anderen hat es Rückschritte gegeben. Auch das müssen wir uns klar eingestehen.

Sie meinen den Anlagenbau, der im Geschäftsjahr 2017/18 einen Verlust einfuhr?
Hier haben wir zu lange an der falschen Wachstumsausrichtung festgehalten, was wir nach dem Personalwechsel an der Spitze auch adressiert haben. Da waren wir einfach zu langsam. Hinzu kamen Qualitätsprobleme in einigen Bereichen der Komponentenfertigung, die allerdings nur temporär eine Rolle spielen. Und auch durch die Rückstellungen im Stahlgeschäft für ein laufendes Kartellverfahren haben wir einen Rückschritt erlebt. Wir haben zwar in jüngster Zeit nichts falsch gemacht. Doch die Vergangenheit holt uns an dieser Stelle ein.

Bei so vielen Hindernissen: Sind Sie mit Ihrer Leistung zufrieden?
Der Jahresabschluss war durchwachsen. Wir haben zwar einiges erreicht, aber auch noch eine Menge vor uns. Unterm Strich ist das Ergebnis aber nicht zufriedenstellend. Wir hatten uns mehr vorgenommen. Das kann man nicht schönreden.

Wie waren bisher die Rückmeldungen von Ihren Eigentümern? Sie hatten zweimal die Prognose senken müssen.
Wir reden da nichts schön und kommunizieren transparent mit allen Investoren. Mit Harris und dem Staatsfonds von Singapur haben wir zwei Neueinsteiger, die nach der Ankündigung der Teilung bei uns investiert haben, und die einen sehr langfristigen Ansatz verfolgen. Beide halten zusammen inzwischen rund sieben Prozent. Das sehe ich als Vertrauensbeweis.

Und die anderen?
Natürlich gibt es auch Investoren, die mit den Ergebnissen des operativen Geschäfts unzufrieden sind. Wir sind damit ja auch nicht zufrieden – darüber brauchen wir nicht zu reden. Aber insgesamt haben unsere Aktionäre deutliche Unterstützung für unseren Kurs geäußert. Es ist doch klar, dass wir unseren Kurs ohne die breite Unterstützung der Großaktionäre und des Aufsichtsrats nicht hätten einschlagen können. Dass auf dem Weg auch Fragen gestellt werden, ist nur natürlich.

Hat der Vorstand auch die Rückendeckung der Krupp-Stiftung, die mit über 20 Prozent die größte Anteilseignerin ist?
Die haben wir. Die Stiftung hat sich eindeutig positioniert: Sie hat die Veränderungen begrüßt.

Empfinden Sie Zeitdruck?
Natürlich gibt es Zeitdruck – und die berechtigte Erwartung, dass wir dauerhaft einen positiven Cashflow erwirtschaften. Wir wissen: Wir müssen einfach schneller besser werden. Wenn wir langfristig keinen Wertzuwachs generieren, laufen uns die Aktionäre weg. Da wird dann die Frage nach dem richtigen Portfolio zur Nebensache.

Wenn die Performance so ein drängendes Problem ist: Warum lassen Sie sich mit der Teilung nicht Zeit, bis das Thema gelöst ist?
Unsere Teilung wird wohl die schnellste der deutschen Wirtschaftsgeschichte werden. Und ich bin überzeugt davon, dass wir schnell sein müssen – allein schon, um den Menschen die Unsicherheit zu nehmen. Bei solch großen Veränderungen ist es einfach wichtig, früh Klarheit zu schaffen. Unsicherheit verhindert Leistung. Gerade wenn unsere Mitarbeiter beim Kunden sind, müssen sie um ihre eigene Zukunft Bescheid wissen. Die müssen doch auch dahinterstehen können.

Auch Konjunktureintrübungen stören die Performance. Bereiten Ihnen die Erwartungen einiger Ökonomen für das kommende Jahr Sorgen im Hinblick auf die Teilung?
Eintrübungen spüren wir gerade in der Autoindustrie. Hier hinkt die Produktion bisher dem Vorjahr hinterher. Es ist aber deutlich zu früh, um von einer Rezession zu sprechen. In unseren wesentlichen Märkten hält das Wachstum an, wenn auch mit abnehmender Dynamik. Gibt es zunehmende Anzeichen für einen Abschwung? Ja. Muss das in eine Rezession münden? Da sage ich ganz klar: nein.

Trotz politischer Verwerfungen wie dem bevorstehenden EU-Austritt der Briten oder dem Handelsstreit zwischen den USA und China?
Wenn die Entscheider hier zu pragmatischen Lösungen finden, kann sich die Lage auch wieder zum Positiven wenden. Es ist zu früh, um solche Dinge final zu beurteilen. Wir sind aber nicht naiv und bereiten uns auf alles vor.

Warum haben Sie nicht auf eine Dividende verzichtet? Immerhin übersteigt die geplante Ausschüttung den Jahresüberschuss um fast die Hälfte.
Das muss man unter mehreren Gesichtspunkten betrachten. Rein finanziell hätte man aufgrund der Ergebnisse des vergangenen Jahres vielleicht darauf verzichten können. Aber wir haben als Management den Anspruch, kontinuierlich eine Rendite für unsere Aktionäre zu erwirtschaften. Unser Ausblick ist gut und die Belastung durch die Ausschüttung nur sehr gering. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, unseren eigenen Anspruch mit einer Dividende zu unterstreichen.

Mit veränderten Rahmenbedingungen müssen Sie sich auch im Aufsichtsrat vertraut machen: Seit der Zustimmung zur Aufspaltung gab es dort einige Personalwechsel. Gilt die Unterstützung der Kontrolleure für den Teilungsplan unverändert?
Absolut. Wir haben für unseren Plan, die Thyssen-Krupp AG in zwei Unternehmen zu teilen, einen einstimmigen Beschluss des Aufsichtsrates. Dieses Votum gilt unverändert.

Herr Kerkhoff, vielen Dank für das Interview.

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