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Interview Wilo-Chef Hermes: „Vorausschauende Firmen werden ihre Strategien hinterfragen“

Oliver Hermers ist der Vorstandsvorsitzende des Pumpenherstellers Wilo. Im Interview zieht er Lehren aus der Coronakrise und richtet die Lieferketten des Weltmarkführers neu aus.
06.07.2020 - 10:53 Uhr Kommentieren
Der Manager treibt seit Jahren den Wandel bei Wilo voran. Quelle: WiLo
Oliver Hermes

Der Manager treibt seit Jahren den Wandel bei Wilo voran.

(Foto: WiLo)

Düsseldorf Der Dortmunder Pumpenhersteller Wilo hat es durch die Expansion der vergangenen Jahre an die Weltmarktspitze geschafft und kommt heute auf einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Im Interview mit dem Handelsblatt erläutert Vorstandschef Oliver Hermes, wie er den Konzern unter den Eindrücken der Coronakrise verändern will. Aus seiner Sicht hat die Pandemie die Schwächen der Weltwirtschaftsordnung schmerzhaft offengelegt, worauf Unternehmen nun reagieren sollten.

Herr Hermes, war Wilo von Störungen in der Lieferkette infolge der Pandemie betroffen?
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen verzeichnen wir bisher keinen gravierenden Lieferabriss. Wir haben früh eine Taskforce gegründet, die sich unter anderem um das Risikomanagement in der Lieferkette gekümmert hat. Wir konnten so den Schaden in Grenzen halten.

Was haben Sie konkret gemacht?
Es bestand die Gefahr, dass wegen der Corona-Pandemie Lieferanten wegbrechen. Dem konnten wir aber dank globalem Multiple Sourcing entgegenwirken. Wir haben zudem eine enge länderübergreifende Kooperation innerhalb der Wilo-Gruppe zwischen den Tochtergesellschaften aufgebaut, die untereinander kritische Komponenten austauschten.

Welche Lehren ziehen Sie aus der Corona-Erfahrung?
Vorausschauende Unternehmen werden ihre Strategien hinterfragen. Die Risikoaspekte werden deutlich an Gewicht zunehmen. Wir wollen eine unabhängige Unternehmensgruppe bleiben, und das bedeutet auch, dass wir nicht abhängig von einzelnen Kunden oder Lieferanten sein dürfen.

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    Wie verändern Sie Ihre Beschaffungsstrategie konkret?
    Wir hinterfragen unsere Make-or-Buy-Strategie. Dies wird dazu führen, dass wir die Wertschöpfungstiefe erhöhen, also mehr selbst produzieren und zusätzlich Aktivitäten ins Unternehmen zurückholen. Dies gilt insbesondere für kritische Komponenten. Um nicht abhängig von einzelnen Lieferanten zu sein, werden wir das Multiple Sourcing ausbauen und größere Sicherheitsbestände in den Lägern halten.

    Erwarten Sie eine Renationalisierung der Lieferketten?
    Die Corona-Pandemie führt uns die Schwächen der derzeitigen Weltwirtschaftsordnung mit all ihren verwobenen Wertschöpfungsketten sehr schmerzhaft vor Augen. Die gesamte Weltwirtschaft wird in Zukunft leider in Teilen vor allem von Autarkiebestrebungen und Protektionismus bestimmt. Wir erleben eine „Globalisierung 2.0“.

    Wie wird die aussehen?
    Sie wird geprägt sein durch eine stärkere Regionalisierung der Wertschöpfungsketten in den drei großen Wirtschaftszentren Nordamerika, EU und China und von Streben nach Souveränität bei systemrelevanten Gütern. Gleichzeitig werden wichtige Zielländer der deutschen Wirtschaft – ob wir es wollen oder nicht – stärker auf Produktion im eigenen Land und auf Protektionismus setzen.

    Sie erwarten eine Dreiteilung der Wirtschaft?
    Wir sind davon überzeugt, dass es in Zukunft drei „tektonische Platten“ mit ihren Zentren in den USA, Europa und China geben wird. Die Unternehmen werden in den jeweiligen Regionen unabhängiger voneinander operieren.

    Was bedeutet das für Wilo?
    Die gesamten Wertschöpfungsketten werden sich künftig regional aufstellen müssen. Wilo wird in diesem Jahr ein zweites Headquarter in China und kurz- bis mittelfristig ein drittes Headquarter in den USA einrichten. Wir werden noch wesentlich lokaler agieren, so dezentral wie möglich in den einzelnen Regionen. Dies wird zu mehr Resilienz führen, die sicherlich aber auch zulasten der Profitabilität und Rentabilität gehen wird.

    Werden Sie auch die Belieferung wieder stärker regionalisieren?
    Natürlich betrifft das auch die Beschaffung. Von den Überlegungen, Lieferketten zu regionalisieren und strategisch wichtige Produktionsprozesse auf die drei Zentren Europa, Asien und USA zu konzentrieren, könnten gerade die mittel- und osteuropäischen Länder profitieren.

    Wird Corona die Globalisierung insgesamt in Gefahr bringen?
    Protektionistische Tendenzen haben sich auch schon vor der Pandemie gezeigt. Die Coronakrise zeigt aber einmal mehr, dass Protektionismus und Abschottungsmechanismen nicht zielführend sind und ganz im Gegenteil Risiken erhöhen. Globale Herausforderungen wie der Klimawandel und jetzt die Corona-Pandemie können nur gemeinsam, global denkend und nicht reflexhaft national gemeistert werden.

    Mehr: Wilo kommt gut durch die Krise.

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