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Investition VW-Nutzfahrzeugsparte investiert 1,8 Milliarden Euro in Transformationsprozess

Die Nutzfahrzeugsparte von VW bekommt innerhalb des Konzerns die Kernkompetenz für das autonome Fahren. Die kommerzielle Nutzung steht zunächst im Vordergrund.
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Für das Nachfolgemodell des SUV hat Volkswagen Nutzfahrzeuge erste Verträge für eine Allianz mit Ford geschlossen. Quelle: dpa
VW-Amarok-Produktion in Hannover

Für das Nachfolgemodell des SUV hat Volkswagen Nutzfahrzeuge erste Verträge für eine Allianz mit Ford geschlossen.

(Foto: dpa)

HannoverDer Volkswagen-Konzern bündelt die Entwicklung für das autonome Fahren künftig bei seiner Transporter-Tochter in Hannover. VW Nutzfahrzeuge (VWN) soll autonom eingesetzte Fahrzeuge etwa bis Mitte des nächsten Jahrzehnts marktreif machen.

Der VW-Konzern kalkuliert damit, dass sich das autonome Fahren zunächst bei kommerziellen Anwendern mit Taxi- und Kleinbusflotten durchsetzen wird. Als Hersteller von Transportern bekommt deshalb VWN im Volkswagen-Konzern die Schlüsselrolle für das autonome Fahren. Die hohen Investitionskosten würden sich im kommerziellen Einsatz am ehesten amortisieren, private Kunden schrecken vor Ausgaben von mehreren 10.000 Euro zurück.

Mit dieser Orientierung hin zu autonom eingesetzten Fahrzeugen – parallel zur Einführung von rein elektrisch angetriebenen Kleinbussen – beginnt bei VW Nutzfahrzeugen ein umfassender Transformationsprozess. „Wir erweitern unser heutiges Geschäftsmodell über das reine Fahrzeug hinaus. Wir werden zum Mobilitätsanbieter“, sagte Vorstandschef Thomas Sedran am Donnerstag in Hannover. Die Transporter-Sparte investiere dafür in diesem Jahr 1,8 Milliarden Euro. Die Investitionsquote liege damit bei mehr als 15 Prozent und sei höher als branchenüblich.

Beim autonomen Fahren bekommt die geplante Kooperation mit dem US-Konzern Ford zentrale Bedeutung. Die Verhandlungen über eine Beteiligung an der für das autonome Fahren verantwortlichen Ford-Tochter Argo seien „auf einem guten Weg“, ergänzte Sedran. Denkbar sei später die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft mit Ford, die Mobilität als Dienstleistung in den USA, Europa und anderen Teilen der Welt anbiete.

Ford und Volkswagen hatten sich Mitte Januar auf die gemeinsame Entwicklung von Transportern und Pick-ups verständigt. Geprüft werden soll zudem eine Zusammenarbeit bei Elektroautos, autonom fahrenden Wagen und neuen Mobilitätsdiensten. Experten sehen Allianzen von Autoherstellern als richtungsweisend für die gesamte Fahrzeugbranche. Ende Februar hatten sich auch Daimler und BMW auf ein Bündnis beim autonomen Fahren verständigt.

US-Anbieter haben bei der Entwicklung selbstständig fahrender Autos klare Vorteile, die deutschen Autohersteller hängen hingegen zurück. Die Entwicklung der dafür benötigten Software verschlingt Milliarden. Daimler, BMW und Volkswagen haben bislang nur erste Versuchsprojekte gestartet.

„Die höchste Innovationsstärke hat dabei mit Abstand die Alphabet-Tochter Waymo“, sagt Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Die Mobilitätstochter des Alphabet-Konzerns sei bei eigenständig fahrenden Autos so etwas wie der Weltmarktführer. Die deutschen Hersteller müssten nun versuchen, diesen Vorsprung einzuholen. Hilfreich seien dabei Kooperationen.

Beim autonomen Fahren haben Volkswagen und Ford die finale Vereinbarung noch nicht unterzeichnet. Bei den gemeinsamen Nutzfahrzeugprojekten sind sie hingegen deutlich weiter. Erste Verträge seien geschlossen – darunter für den Nachfolger des VW Pick-ups Amarok, sagte Sedran. Weitere Schritte sollten noch in diesem Jahr folgen.

Transporter für Gewerbekunden stehen ebenso auf der Kooperationsliste wie ein City-Van. Einzelne Transporter-Varianten des „VW Bulli“ sollen künftig bei Ford in der Türkei gebaut werden. Zusammen haben beide Unternehmen 2018 insgesamt rund 1,2 Millionen leichte Nutzfahrzeuge abgesetzt. VWN hat im vergangenen Jahr etwa 500.000 Fahrzeuge produziert, ungefähr so viel wie 2017.

Der Umsatz von Volkswagen Nutzfahrzeuge betrug im zurückliegenden Geschäftsjahr 11,9 Milliarden Euro und lag damit ziemlich genau auf dem Niveau des Vorjahres. 2017 hatte die Sparte den höchsten operativen Gewinn ihrer Geschichte erreicht.

Trotz des Mehrverkaufs von teureren Fahrzeugen ging das operative Ergebnis vor allem aufgrund höherer Vorleistungen für neue Produkte, einer ungünstigen Wechselkursentwicklung und aufgrund der Lasten aus dem neuen Zulassungsverfahren nach WLTP-Norm auf 780 (2017: 853) Millionen Euro zurück. Die operative Rendite gab entsprechend auf 6,6 (7,2) Prozent nach.

Von 2022 an beginnt in Hannover die Produktion des ID Buzz. Der Kleinbus gehört zur neuen Elektrobaureihe ID des Volkswagen-Konzerns, die ausschließlich für rein batteriegetriebene Fahrzeuge auf Basis der neuen MEB-Plattform entwickelt worden ist. VW hatte bereits entschieden, dass Pkw der ID-Baureihe in der Anfangszeit von diesem Jahr an zunächst im Volkswagen-Werk in Zwickau produziert werden.

Der ID Buzz ist etwas größer als ein Pkw. Deshalb wird das Fahrzeug nach Hannover zu den Transportern gehen. Dort gibt es die erforderlichen Produktionsanlagen, auf denen größere Fahrzeuge von den Bändern laufen können.

Vom Jahr 2025 an sollen 80 Prozent aller von VWN produzierten Fahrzeuge elektrifiziert sein. Dabei werden allerdings nicht nur rein batteriegetriebene Wagen mitgezählt, sondern auch Hybride.

Die Nutzfahrzeug-Sparte von Volkswagen will bei neuen Antriebskonzepten nicht nur die Batterievariante vorantreiben. VWN habe auch synthetische Kraftstoffe und die Brennstoffzelle im Blick.

Auf längeren Strecken und bei hohen Nutzlasten stoße der Batterieantrieb an seine Grenzen. In weiterer Zukunft könnten andere Antriebsarten bei gewerblichen Nutzungen deshalb größere Bedeutung bekommen, so Thomas Sedran weiter.

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