Investor Union Investment fordert einen Führungswechsel bei Thyssen-Krupp

Die Fondsgesellschaft Union Investment plädiert für ein aktives Portfoliomanagement für Thyssen-Krupp – und einen Führungs- und Strategiewechsel.
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Auch über die Struktur des Vorstands sollte nachgedacht werden. Quelle: Reuters
ThyssenKrupp AG

Auch über die Struktur des Vorstands sollte nachgedacht werden.

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DüsseldorfDie Fondsgesellschaft Union Investment hält trotz der neuen Linie von Thyssen-Krupp-Chef Guido Kerkhoff einen Führungswechsel und Strategieschwenk bei dem kriselnden Konzern für unverzichtbar. „Ich plädiere dafür, einen Chef von außen zu holen“, sagte Union-Portfoliomanager Ingo Speich in einem am Samstag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Kerkhoff sei der engste Vertraute des zurückgetretenen Vorstandschefs Heinrich Hiesinger gewesen. „Er steht damit für die alte Strategie. Allein als Signalwirkung für den Kapitalmarkt wäre es besser, wenn der neue Chef von außen käme.“

Union ist damit der erste größere Investor, der Stellung zu der von Kerkhoff am Donnerstag vorgestellten Ziel-Offensive bezieht. Die Fondsgesellschaft hält rund 0,2 Prozent der Anteile an dem Traditionskonzern mit knapp 160.000 Mitarbeitern.

Kerkhoff hatte dem Konzern neue Ziele verpasst und den einzelnen Sparten klare Vorgaben gemacht, welche Rendite sie bis 2020/21 erreichen müssen. Union-Fondsmanager Speich, der sich auch seit Jahren auf den Hauptversammlungen kritisch zu Wort meldet, hatte schon früh eine schärfere Strategie gefordert. „Es ist prinzipiell positiv, dass es jetzt Zielvorgaben mit Zeithorizont gibt“, sagte er nun.

„Die Ziele sind aber nicht extrem ambitioniert und weit in der Zukunft.“ Sie seien allerdings wichtig, um den operativen Einheiten und den Mitarbeitern eine Orientierungshilfe zu geben. „Am Kapitalmarkt werden sie nichts bewirken. Da wird gefragt, wer wird der neue Chef und wie sieht die Strategie aus.“

Die bisherige Strategie unter Hiesinger und Kerkhoff sei trotz der ganzen Transaktionen, die es gab, nicht von Erfolg gekrönt, betonte Speich. Kritikern wie Großaktionär Cevian oder dem US-Hedgefonds Elliott hatte Kerkhoff entgegen gehalten, dass sich in den vergangenen sieben Jahren - solange war Hiesinger am Ruder - kein Dax-Konzern so stark gewandelt habe wie Thyssen-Krupp. Hiesinger hatte die verlustreichen Stahlwerke in Amerika ebenso abgestoßen wie das Edelstahlgeschäft oder den zivilen Schiffbau.

Damit fuhr er auch die hohen Schulden zurück und brachte der Konzern zurück in die Gewinnzone. Das Stahlgeschäft schob er nach zähen Verhandlungen in ein Joint Venture mit Tata Steel ab. Die verbliebenen Geschäfte wie Autoteile, Aufzüge und der Materialhandel hinken jedoch den besten der Branche hinterher oder schreiben gar Verluste - etwa die Sparte Industrial Solutions mit dem Anlagenbau und dem Marinegeschäft, die dem Konzern jetzt die Bilanz verhagelt hat.

Kerkhoff hat angekündigt, dort aufzuräumen und im ganzen Konzern die Kosten zu senken. Der 50-Jährige ehemalige Manager der Deutschen Telekom ist seit 2011 für das Finanzressort verantwortlich und war seitdem an allen wichtigen Deals maßgeblich beteiligt.

„Thyssen-Krupp braucht einen Strategieschwenk“, fordert Speich. „Eine Zerschlagung würde ich ausschließen, es sollte aber ein aktiveres Portfoliomanagement geben. Dazu gehört, Bereiche auszutauschen oder aber auch durch Zukäufe zu verstärken. Das kann auch einen Stellenaufbau bedeuten.“ Für den neuen Vorstandschef müsse zügig eine Lösung gefunden werden.

Die könne es aber erst geben, wenn nach dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Ulrich Lehner Ende Juli auch für diesen ein Nachfolger gefunden werde. „Eine gute Kombination könnte ein neuer Vorstandschef von außen sein, der dann von Kerkhoff unterstützt werde“, erläuterte Speich. Thyssen-Krupp äußert sich zu möglichen Kandidaten für den Chefposten nicht. Gehandelt werden der ehemalige Thyssen-Krupp-Finanzchef Stefan Kirsten, der frühere Siemens-Vorstand Siegfried Russwurm und Lanxess-Boss Matthias Zachert.

Auch über die Struktur des Vorstands sollte nachgedacht werden, regt Speich an. „Thyssen-Krupp hat viele hausgemachte Probleme, die nichts mit einem Konjunkturabschwung zu tun haben. Da merkt man die ganze Komplexität des Konzerns.“ Der Vorstand könne daher um einen für das Tagesgeschäft verantwortlichen Chief Operating Officer (COO) erweitert werden.

Das könne auch Kerkhoff sein, der das Unternehmen sehr gut kenne, sagte Speich. Der neue Vorstandschef habe dann die Hände frei, um sich voll der Strategie zu widmen. Bevor man den Chefposten neu vergebe, müsse sich aber der Aufsichtsrat, in dem Cevian, die Krupp-Stiftung und die Arbeitnehmervertreter entscheidende Rollen spielen, über die grobe Ausrichtung verständigen.

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