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IPO Weltgrößter Prothesenhersteller Ottobock bereitet Börsengang vor

Für Ottobock ist 2018 das stärkste Jahr der Unternehmensgeschichte gewesen. Nun plant der Prothesenhersteller unter dem neuen Vorstandschef Philipp Schulte-Noelle den Börsengang.
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Der Prothesenhersteller erschließt mit Exoskeletten ein neues Geschäftsfeld. Quelle: Reuters
Ottobock

Der Prothesenhersteller erschließt mit Exoskeletten ein neues Geschäftsfeld.

(Foto: Reuters)

WienDer Medizintechnikkonzern Ottobock nimmt Kurs auf die Börse. Der erst seit August amtierende Vorstandschef Philipp Schulte-Noelle bereitet das Unternehmen auf einen IPO vor.

„2018 war das stärkste Jahr seit der Unternehmensgründung vor 99 Jahren“, sagte Schulte-Noelle dem Handelsblatt. „Ein Börsengang wird nicht vor 2020 stattfinden. Für eine nachhaltige Börsenstory nehmen wir uns Zeit.“ In der Finanzberichterstattung müsse das Unternehmen schneller werden und auch eine robuste Finanzplanung sichern, sagte der frühere Finanzvorstand. „Das Ziel ist definiert, und wir bereiten den Schritt sorgfältig vor“, beteuert er. Man habe es nicht eilig.

Ottobock ist der Weltmarktführer für Prothesen mit Sitz im niedersächsischen Duderstadt. Das Familienunternehmen beschäftigt weltweit knapp 7000 Mitarbeiter, davon 2400 in Deutschland und 630 in Österreich.

In diesem Jahr feiert Ottobock seinen 100. Geburtstag. Das Unternehmen ist zu 80 Prozent in Besitz des heutigen Verwaltungsratsvorsitzenden Hans-Georg Näder und seiner Familie. Die restlichen Anteile hält seit 2017 der schwedische Finanzinvestor EQT. Vor eineinhalb Jahren hatte der extrovertierte Unternehmer Näder, der Ottobock über drei Jahrzehnte geleitet hatte, erstmals von Börsenplänen gesprochen, allerdings ohne einen Zeitpunkt für den IPO zu nennen.

Laut Schulte-Noelle, der vor der Übernahme des Chefsessels bereits Finanzvorstand war und beide Ämter in Personalunion führt, verzeichnet Ottobock ein starkes Wachstum. „Wir stehen kurz davor, die Milliarden-Grenze beim Umsatz zu erreichen.“ 2018 hat es aufgrund der Währungsschwankungen noch nicht geklappt. Doch 2019 oder 2020 soll die Milliarden-Grenze bei den Erlösen erreicht werden. Bereits 2017 stieg der Umsatz währungsbedingt um 4,6 Prozent auf 927 Millionen Euro.

Das Medizintechnikunternehmen berichtet für das abgelaufene Geschäftsjahr von einem Gewinnsprung. „Wir steigern das Ebitda im Jahr 2018 um mehr als 20 Prozent und werden voraussichtlich ein Ebitda von gut 170 Millionen Euro erreichen“, sagt Schulte-Noelle dem Handelsblatt. Nach seinen Angaben wächst Ottobock überdurchschnittlich.

„Der Markt für Orthetik und Prothetik wuchs zuletzt zwischen drei und fünf Prozent. Wir sind 2018 hingegen um sieben bis neun Prozent gewachsen“, sagt der 41-Jährige. Wie Unternehmenskreise berichten, wird der bisherige Interims-CEO auf Dauer bleiben. Dem einzigen Sohn des früheren Allianz-Chefs Henning Schulte-Noelle wurde vom Firmenpatriarchen Näder ein mehrjähriger Vertrag angeboten, der bereits unterschrieben ist.

Für einen erfolgreichen Börsengang gibt es allerdings noch viel Arbeit für das Führungsteam. Der Mittelständler braucht eine nachhaltige Wachstumsgeschichte. An dieser arbeitet Schulte-Noelle unter Hochdruck. „Wir haben strategische Wachstumsfelder identifiziert, nicht zuletzt das neue Geschäftsfeld Industrials.“ Erst Anfang des Jahres hatte das Unternehmen diesen Geschäftsbereich gegründet.

Ottobock hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen mit Bionik und Exoskeletten für Überkopf- und Überschulterarbeit mobiler zu machen und körperlichem Verschleiß in der Arbeitswelt vorzubeugen. Das Exoskelett Paexo – konstruiert für den Einsatz bei Automobilherstellern, in Flugzeug- und Schiffswerften und in Handwerksbetrieben – war der Auslöser für das neue Geschäftsfeld.

Die Umsätze seien derzeit noch klein, schließlich begann das Unternehmen mit dem neuen Geschäftsfeld erst vor wenigen Monaten. Darüber hinaus soll das Kerngeschäft mit den Prothesen ausgebaut werden. „Mit unseren neuen Orthesen können beispielsweise Rollstuhlfahrer dank eines Mikroprozessors am Kniegelenk wieder gehen. Das Potenzial ist groß“, ist sich Schulte-Noelle sicher.

„Das Segment Rollstühle wurde in den vergangenen zwölf Monaten restrukturiert, und wir erreichen wieder die Gewinnschwelle vor Abschreibung und Sondereffekten. Neue Modelle wie Elektrorollstühle, die im Kreis fahren können, sorgen für zusätzliches Wachstum“, verspricht der CEO.

Große Hoffnung setzt der Börsenkandidat in die Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz. „Statt Menschen werden künftig Maschinen komplexe Prothesen herstellen können. Die digitale Fertigung eröffnet uns neue Wachstumsmöglichkeiten“, sagt Schulte-Noelle. „Durch Künstliche Intelligenz können wir unsere Versorgungen noch besser machen. Das Produkt wird in Zukunft selbst lernen und sich noch besser dem Patienten anpassen.“

Der jüngste Wachstumsschub kommt zum 100. Geburtstag des Unternehmens 2019 genau richtig. Im Februar will Ottobock das Jubiläum mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Firmensitz in Duderstadt begehen. Ein aufwändiges Buchprojekt mit dem Göttinger Verleger Gerhard Steidl ist ebenfalls geplant.

Hinter den Kulissen zieht der langjährige Ottobock-Chef und Mehrheitseigentümer Hans-Georg Näder aber noch immer die Fäden. Sein Großvater war es, der nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1919 die Firma gründete, um Kriegsopfer mit Prothesen zu versorgen.

Näder hatte es in mehr als drei Jahrzehnten geschafft, das Unternehmen zum Weltmarktführer zu machen. „Das Vertrauensverhältnis ist sehr eng. Er ist als Verwaltungsratsvorsitzender für mich ein Coach, heute und morgen“, sagt Schulte-Noelle über den 57-Jährigen. Doch auch der Finanzinvestor EQT spielt eine wichtige Rolle. Der Minderheitsgesellschafter bringt sich über sein weltweites Netzwerk an Experten und seine Managementerfahrung ein.

Der Medizintechnikmarkt ist weltweit hart umkämpft. Insbesondere in wichtigen Entwicklungs- und Schwellenländern können sich die Marktbedingungen für den Verkauf von Prothesen schnell ändern. „Das Risiko, das überall lauert, ist, dass wir nicht schnell genug sind. Wir brauchen nicht nur Innovation, sondern müssen auch agil sein im Markt“, sagte Schulte-Noelle selbstkritisch.

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