Isar I und Unterweser Eon-Meiler bleiben vom Netz

In der kommenden Woche endet das dreimonatige Atom-Moratorium der Bundesregierung. Doch Energiekonzern Eon wird seine Meiler Isar I und Unterweser nicht mehr anfahren. RWE ist noch unentschlossen.
Update: 09.06.2011 - 18:51 Uhr 1 Kommentar
Das Eon-Kernkraftwerk Unterweser. Quelle: dapd

Das Eon-Kernkraftwerk Unterweser.

(Foto: dapd)

BerlinDer größte deutsche Energiekonzern Eon wird seine Atomkraftwerke Isar I und Unterweser nach Ende des Moratoriums kommende Woche nicht wieder anfahren. Auch ohne ausdrückliche Verfügung werde man die Anlagen
nicht wieder in Betrieb nehmen, kündigte Eon als erster Atomkonzern am Donnerstag an. Ein Sprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: „Die zuständigen Behörden und die Übertragungsnetzbetreiber werden darüber informiert.“

Die Regierung und die im Bundestag vertretenen Parteien hätten deutlich gemacht, dass die im Zuge des Moratoriums verfügte vorübergehende Stilllegung der sieben ältesten Kernkraftwerke und von Krümmel fortdauern soll, bis ein neues Atomgesetz in Kraft trete. „Diesen klaren politischen Mehrheitswillen setzen wir um“. Rechtlich wäre eine Inbetriebnahme der Eon-Meiler in Bayern und Niedersachsen möglich, da das Atomgesetz frühestens Mitte Juli in Kraft treten wird.

Der Energiekonzern RWE hält sich die Möglichkeit zum Wiederanfahren der Kernkraftwerke Biblis A und B nach dem Auslaufen des Moratoriums noch offen. Eine Unternehmenssprecherin erklärte am Donnerstag,
RWE prüfen zurzeit die Beschlüsse der Bundesregierung genau. „Alles weitere werden wir entscheiden, wenn die Frage sich stellt.“ Auch beim baden-württembergischen Energieversorger EnBW hieß es: „Es gibt noch keine Entscheidung.“

Wie die Energiewende die Atomkonzerne quält
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Blick in den Reaktor-Block Nummer zwei des Kernkraftwerks Philippsburg: Die Bundesregierung hat den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Das bekommen jetzt vor allem die Stromkonzerne zu spüren. Doch der Beschluss trifft sie unterschiedlich hart. Die Not der Konzerne - und wie sie damit umgehen.

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Für den Versorger Vattenfall geht mit dem Beschluss der Bundesregierung die Ära als Kernkraftbetreiber in Deutschland faktisch komplett zu Ende. Die beiden Anlagen, die das Unternehmen selbst betreibt, Krümmel (Foto) und Brunsbüttel, sollen nie wieder ans Netz gehen.

huGO-BildID: 20855292 Vattenfall Chief Executive Oystein Loseth speaks during a news conference to announce the fourth-quarter results in Stockholm,
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Vattenfall-Chef Øystein Løseth (Foto) fordert dafür eine Kompensation. Ansonsten hält Vattenfall nur noch eine Beteiligung am Reaktor Brokdorf, der von Eon betrieben wird. Sein Unternehmen kann zwar die Reststrommengen an die anderen Betreiber verkaufen. Doch die haben selbst Probleme, ihre Mengen zu verbrauchen. Außerdem, so betont der Vattenfall-Chef, hat das Unternehmen erst in den vergangenen Jahren 700 Millionen Euro in Krümmel und Brunsbüttel investiert.

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Auch für die anderen deutschen Stromkonzerne ist der Ausstieg mit hohen Kosten verbunden. Im November zog Eon-Chef Johannes Teyssen (Foto) daher vor Gericht, um Schadensersatz für die durch den vorgezogenen Atomausstieg entfallenen Gewinne zu erhalten. Der Konzern fordert einen "hohen einstelligen Milliardenbetrag".

Atomkraftwerk Unterweser
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Der Konzern produziert fast 45 Prozent seines Stroms in Deutschland mit Kernkraftwerken. Er ist an elf der 17 Kernkraftwerke beteiligt. Sieben betreibt er selbst, an vier hält er Anteile. Nach dem Beschluss der Bundesregierung soll Eon sofort auf die Reaktoren Unterweser (Foto) und Isar 1 verzichten. Teyssen ist zumindest daran interessiert, aus den verbliebenen Anlagen noch möglichst lang Profit zu ziehen. Deshalb kündigte er auch eine Klage gegen die Brennelementesteuer an.

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Im August hatte Teyssen zudem ein drastisches Sparprogramm angekündigt und damit die Belegschaft gegen sich aufgebracht. In den nächsten vier Jahren will er bis zu 11.000 Stellen streichen, überwiegend wird der Jobabbau in Deutschland stattfinden. Wichtige Standorte wie Essen, Hannover sowie München will Teyssen stark verkleinern. Sollten die Pläne realisiert werden, würde nahezu jeder siebte Eon-Beschäftigte seinen Arbeitsplatz verlieren.

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RWE-Chef Jürgen Großmann (Foto) klagte im Gegensatz zu Eon-Chef Teyssen bereits gegen das Moratorium, mit dem die Bundesregierung nach dem Reaktorunglück von Fukushima acht Anlagen unmittelbar stilllegte. Mit zwei von fünf selbst betriebenen Reaktoren war RWE davon besonders betroffen. Der endgültige Atomausstieg trifft RWE zwar auch, aber im Vergleich zu Eon nicht ganz so stark. Die eigenen Kernkraftwerke steuern nur 18 Prozent des selbst erzeugten Stroms bei.

Unabhängig von dieser Entscheidung behält sich Eon vor, Vermögensschäden geltend zu machen. Durch das Moratorium hat Eon rund 250 Millionen Euro verloren. „Wir werden diese Schäden konkret beziffern“, hatte Eon-Vorstand Ingo Luge am Mittwoch in einer Expertenanhörung des Bundestags-Umweltausschusses in Berlin gesagt. Man erwarte eine Kompensation für die entstandenen Vermögensschäden und wolle mit der Regierung darüber reden, „um juristische Schritte zu vermeiden“. Die Regierung habe eine Unterscheidung zwischen alten und neuen Kernkraftwerken unternommen, „obwohl das sicherheitstechnisch nicht belegt werden kann“. Die Beschlüsse der Regierung seien enttäuschend.

Es sei klar, dass ein Kernkraftwerk wie in Fukushima in Deutschland weder genehmigt noch gebaut worden wäre. Luge kritisierte zudem, dass die Kernbrennstoffsteuer beibehalten werde, obwohl Zusatzerträge wegfallen würden. Dagegen werde Eon aus europa- und verfassungsrechtlichen Gründen klagen.

Zwischen 15. und 17. Juni läuft das nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima von der Regierung verkündete dreimonatige Moratorium aus. Mit dem neuen Atomgesetz, das frühestens bis zum 8. Juli Bundestag und Bundesrat passiert haben wird, soll das endgültige Aus der acht Meiler beschlossen werde. Daher könnten in der Zwischenzeit die Kernkraftwerke durchaus wieder angefahren werden.

In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt hatte der Eon-Vorstandschef am Mittwoch an die Adresse der Bundesregierung gefordert, die Kosten des Atomausstiegs nicht nur den Energiekonzernen aufzubürden. „Den vollständigen Umbau des Energiesystems gibt es nicht zum Nulltarif. Und es ist die gesamte Gesellschaft, die die Folgen und Kosten tragen muss“, so Teyssen im Handelsblatt.

„Deutschland geht jetzt den Weg des politisch Wünschenswerten - weitgehend unabhängig davon, was sicherheitstechnisch geboten oder energiewirtschaftlich sinnvoll ist“, so Teyssen. Die Kernkraftwerksbetreiber würden durch die Pläne der Bundesregierung deutlich schlechter gestellt als durch den Ausstiegskompromiss der rot-grünen Bundesregierung des Jahres 2002. „Ohne finanziellen Ausgleich wäre das ein einseitiger und
ungerechtfertigter Eingriff in das Vermögen unserer Aktionäre“, schreibt Teyssen.

  • dpa
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  • Ja, Opel und GM haben es schon vorher gewusst und Reagiert !

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