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Joachim Exner Spezialist für schwierige Fälle: Wie der Insolvenzverwalter von Eisenmann den Konzern retten will

Insolvenzexperte steckt schon mittendrin in der ersten Pleitewelle der Autozulieferindustrie. Er sieht einen Tsunami auf die Branche zukommen.
17.08.2020 - 13:38 Uhr Kommentieren
Der Insolvenzverwalter hat schon über 400 Insolvenzen hinter sich. Quelle: Eisenmann Insolvenzverwalter
Joachim Exner

Der Insolvenzverwalter hat schon über 400 Insolvenzen hinter sich.

(Foto: Eisenmann Insolvenzverwalter)

Stuttgart Joachim Exner kennt die 250 Kilometer lange Autofahrt zwischen seinem Wohnort Uttenreuth bei Erlangen und seinem Ziel Böblingen inzwischen sehr gut. Schon seit einem Jahr ist der Jurist mit der eckigen Brille Insolvenzverwalter von Eisenmann. Und so viel vorweg: Er hatte schon leichtere Jobs.

Eisenmann, der Anlagenbauer mit dem Kerngeschäft Autolackieranlagen, gehörte zu den verschwiegenen Mittelstandsikonen im Autoland Baden-Württemberg. Vor drei Jahren wollte die Familie das Unternehmen eigentlich verkaufen, aber eine halbe Milliarde Euro war ihr zu wenig. In der Folge wurden Aufträge zu Dumpingpreisen angenommen, um die Braut noch hübscher zu machen.

Die riskante Strategie ging schief. Die Verlustaufträge waren der Anfang vom Ende.

Seit elf Jahren musste ich bei einer Insolvenz nicht mehr so tief schneiden“, sagt Exner jetzt dem Handelsblatt. Der 55-Jährige ist Spezialist für schwierige Fälle und hat schon über 400 Insolvenzen hinter sich – unter anderem mit Loewe, Grundig und zuletzt Metz die deutsche Unterhaltungselektronik.

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    Bei Eisenmann aber platzte der Komplettverkauf der Gruppe mit einem Umsatzvolumen von einst 700 Millionen Euro an ein chinesisches Unternehmen im Februar, als die Corona-Pandemie das Reich der Mitte mit voller Wucht traf. Im Mai gaben die Gläubiger dann grünes Licht für die Filetierung.

    Vier Unternehmensteile hat Exner bereits verkauft, aber das Kerngeschäft Lackieranlagen will keiner haben. Dabei hatte Eisenmann einmal über zehn Prozent Weltmarktanteil. 650 Beschäftigte müssen jetzt gehen. „Wenn einem tiefe Einschnitte viel ausmachen, ist man als Insolvenzverwalter fehl am Platz. Wenn sie einem nichts mehr ausmachen, auch“, sagt Exner.

    Einer der Besten seines Fachs

    Seit 25 Jahren arbeitet er in der Kanzlei seines Mentors Siegfried Beck, mit acht Insolvenzverwaltern und 150 Beschäftigten an acht Standorten. Exner zählt laut Branchenmagazin „Juve“ zu den Besten seines Fachs.

    Aber er gehört damit auch zu einer juristischen Gilde, die sich häufig Schmähungen ausgesetzt sieht: Pleitegeier, Totengräber, Plattmacher. Wenn es der Wirtschaft schlecht geht, haben Insolvenzverwalter Hochkonjunktur. Gerne hört Exner so etwas nicht.

    Denn Schuld an der Pleite eines Unternehmens haben Insolvenzverwalter nicht. Sie verdienen ihr Geld mit den Aufräumarbeiten und sind per Gesetz primär dazu verpflichtet, die verbliebenen Werte für die Gläubiger zu sichern. Exner will darüber hinaus immer so viele Jobs wie möglich retten.

    Doch noch nie war die Lage so prekär wie jetzt in der Autozulieferindustrie: erst der Umbruch hin zur Elektromobilität, dann der erste Nachfrageeinbruch im vergangenen Jahr und nun die Coronakrise.

    Exner ist ein Mann, der langsam und mit Bedacht spricht. In diesem Tempo wirken seine Urteile noch vernichtender: „Unsere Manager sind gut ausgebildet, aber nicht für Krisensituationen.“ Nach zehn Jahren Aufschwung kommt es jetzt zur ersten echten Bewährungsprobe für das Management.

    Die Analyse der Probleme sei meistens vorhanden, aber es hapere bei der Umsetzung. Drei Autozulieferer führt Exner gerade durch die Insolvenz. Es sind Firmen mit 500 bis zu 1000 Beschäftigten und zwischen 80 und 150 Millionen Euro Umsatz.

    Und wenn Exner recht hat, ist das erst der Anfang. Kurzarbeit und die bisherigen Kostensenkungen reichen nach seiner Einschätzung nicht, um eine Krise zu meistern, die mindestens drei Jahre andauern wird. Der erfahrene Verwalter macht noch eine erschütternde Beobachtung: „Viele Autozulieferer haben sich als Erstes einen KfW-Kredit besorgt. Aber damit müssen Verluste finanziert werden, anstatt in die Sanierung investieren zu können.“

    Und die Angst der Banken beschleunigt die Krise. Selbst Unternehmen, die einen großen Auftrag an Land gezogen haben, hätten Probleme, die dafür notwendigen Investitionen finanziert zu bekommen. Und der eleganteste Ausweg, das Unternehmen an strategische Investoren zu verkaufen, scheint versperrt. „Der M&A-Markt ist praktisch zusammengebrochen“, weiß Exner.

    Große Unsicherheit

    Eine Situation wie jetzt, in der die Coronakrise alle Fasern der Volkswirtschaft erreicht, gab es noch nie. „Erst wenn sich die Unsicherheit der Verbraucher löst und sie wieder Autos kaufen, kann wieder seriös geplant werden. Deshalb ist die Zahl der Optionen sehr begrenzt“, meint Exner. Fortführungsprognosen seien aktuell kaum seriös zu erstellen.

    Die alten Rezepte könnten nur eingeschränkt angewendet werden. „Wir müssen deshalb bedauerlicherweise voraussichtlich härtere Restrukturierungsmaßnahmen ergreifen als bisher“, kündigt Exner an. Wegen der hohen Abhängigkeiten in der Autoindustrie sei der Ansatz der sofortigen Schließung eher theoretisch. Als sanierungsfreundliche Alternativen blieben der Schutzschirm und der Insolvenzplan. Aber dabei gehe es vor allem um eines: „Zeit zu gewinnen, um eine Perspektive zu finden“.

    Wenn Exner nach Hause kommt, steigt er gerne aufs Fahrrad, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Für neue Rettungsideen. Exner möchte immer beweisen, dass eine Insolvenz nicht das Ende von allem sein muss, sondern womöglich der Anfang von etwas Neuem. Das war schon immer so, aber noch nie so schwer einzulösen wie jetzt.

    Mehr: Der Insolvenzverwalter von Eisenmann findet keinen Käufer für das Kerngeschäft Lackieranlagen

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