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Joint Venture Osram und Continental: Dem gemeinsamen Autolicht-Projekt droht das Aus

Conti erwägt laut Industriekreisen einen Rückzug aus dem mit großen Hoffnungen gestarteten Projekt. Bislang brachte das Joint Venture nur Ärger und Verluste.
03.07.2020 - 14:30 Uhr Kommentieren
Im Juli 2018 startete das Joint Venture von Conti und Osram. Offenbar steht es jetzt vor dem Aus. Quelle: Osram
Ausgeklügelter Lichtkegel

Im Juli 2018 startete das Joint Venture von Conti und Osram. Offenbar steht es jetzt vor dem Aus.

(Foto: Osram)

München, Düsseldorf Es klang nach einem zukunftsträchtigen Projekt: Continental und Osram schlossen sich als große Player der Zuliefererbranche zusammen, um gemeinsam das Autolicht der Zukunft zu entwickeln. Man habe die Weichen gestellt, um „ein neues Unternehmen zu schaffen, das die Zukunft automobilen Lichts neu denkt“, sagte Dirk Linzmeier, Chef der neuen Osram Continental GmbH, als das Joint Venture im Juli 2018 startete.

Zwei Jahre später herrscht Ernüchterung. Die Partner haben ihre Beteiligung komplett abgeschrieben, der angepeilte Umsatz im mittleren dreistelligen Millionen-Bereich ist noch in weiter Ferne. Angesichts der bevorstehenden Übernahme von Osram durch den österreichischen Sensorik-Spezialisten AMS ist die Zukunft des Gemeinschaftsunternehmens ungewiss.

Conti prüft offenbar einen Abschied aus dem Projekt. „Für Conti ist ein Rückzug definitiv eine Option“, hieß es in Industriekreisen. Bei Osram wiederum fürchten einige, dass AMS auch diesen Unternehmensteil zur Disposition stellen könnte. Zuletzt gab es Verkaufsspekulationen um die Digital-Einheit von Osram sowie um Teile des Automotive-Geschäfts.

Osram Continental war mit rund 1500 Mitarbeitern gestartet. Die Partner halten je 50 Prozent, das Geschäft wird aber bei Osram konsolidiert. Ziel ist es, LED- und laserbasierte Lichtmodule zu entwickeln – wie zum Beispiel sogenanntes Matrixlicht. Bei diesen Scheinwerfern lässt sich das Licht sehr präzise ansteuern und kann, vernetzt mit Sensoren und Kamerasystemen, an die jeweilige Fahrsituation angepasst werden.

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    Im vergangenen Jahr hatte Osram noch einen eigenen Stand bei der alle zwei Jahre stattfindenden Tech-Show von Continental, die im Vorfeld der IAA stattfindet. Vorgestellt hatte Osram eine innovative Lichttechnik, mit der sich Schriftzüge und Symbole auf die Straße projizieren lassen, zum Beispiel ein Zebrastreifen. Autonome Autos könnten so mittels der Scheinwerfer mit der Außenwelt kommunizieren.

    „Die Auftragslage ist eigentlich gut“, sagt ein Insider. Allerdings würden viele Bestellungen erst in ein paar Jahren mit den neuen Automodellen wirksam werden. Es müsse sich erst zeigen, ob einer der Partner den notwendigen langen Atem habe, um durchzuhalten. Die Unternehmen wollten die Gespräche über die Zukunft des Joint Ventures nicht kommentieren.

    Autoindustrie muss sparen

    Doch in Zeiten von Corona muss Continental sein Geld zusammenhalten. In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt erklärte Konzernchef Elmar Degenhart, dass die Senkung der Kosten in der Krise oberste Priorität hätte. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sagte der 61-Jährige zudem, dass allein Digitalisierung, assistiertes und automatisiertes Fahren, Elektrifizierung, Dienstleistungen ein gigantisches Paket für die Autoindustrie seien und insbesondere für kleine und mittelständische Firmen schwierig zu bewältigen.

    Die Folge: Alle Ausgaben stehen auf dem Prüfstand. So werden bei Conti beispielsweise Investitionen in das autonome Fahren des Levels 3 der bis zum Level 5 reichenden Skala verschoben. Betriebsbedingte Kündigungen können nicht mehr ausgeschlossen werden. Und Bereiche, die für Verluste sorgen wie im Falle des Joint Ventures mit Osram, laufen Gefahr, aus dem Unternehmen ausgegliedert zu werden.

    Im vergangenen Jahr musste Conti laut Geschäftsbericht auf das Joint Venture mit Osram eine Wertberichtigung des Buchwertes in Höhe von rund 158 Millionen Euro vornehmen. In wirtschaftlich guten Zeiten kann ein milliardenschwerer Konzern wie Conti einen solchen Verlust noch verkraften. Doch in der aktuellen Krise tun auch solche Abschreibungen weh.

    AMS, so wird in Industriekreisen spekuliert, könnte mit einem Verkauf einen Buchgewinn generieren, weil die Beteiligung ja abgeschrieben ist. Im ursprünglichen Übernahme-Abkommen hatte noch ein Bekenntnis zu der Technologie gestanden, in einer späteren Fassung tauchte dieses nicht mehr auf. Der Sensorik-Spezialist sei ohnehin kein Freund von Gemeinschaftsunternehmen, hieß es in Industriekreisen. Allerdings wollen die Österreicher den Schwarzen Peter nicht annehmen. Die Zukunft des Joint Ventures sei ja völlig unabhängig von der Übernahme ungewiss, hieß es in österreichischen Industriekreisen.

    Doch so einfach aufgeben können die Partner das Projekt nicht. „Mit dem Start des Gemeinschaftsunternehmens schaffen wir Verlässlichkeit für die Weiterführung des Geschäfts im Bereich der intelligenten Automobil-Beleuchtung“, hatte Finanzvorstand Harald Renner versprochen. Die Autohersteller legen schließlich Wert auf nachhaltig verlässliche Zulieferer.

    Im Geschäftsbericht 2019 hatte Osram eingeräumt, dass die Ergebnisse des Joint Ventures hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien. Der operative Start sei „zögerlicher als erwartet“ verlaufen. Weiter hieß es: „Die Mittelfristplanung dieses strategischen Assets musste aufgrund des schwierigen Automobilmarktumfelds und geringerer Profitabilität angepasst werden.“

    Gespräche zwischen Osram und Conti vor Monaten angekündigt

    In der Automotive-Sparte habe das Margenziel „auch aufgrund der Unsicherheiten bezüglich Osram Continental“ nicht erreicht werden können. Zugleich berichtete Osram von einem starken Anstieg der Entwicklungskosten bei dem Gemeinschaftsunternehmen. Wegen hoher Anlaufkosten sei das Ergebnis negativ gewesen. Laut Branchenschätzungen dürfte die operative Umsatzrendite zweistellig negativ sein.

    Die Münchener nahmen Abschreibungen in Höhe von 171 Millionen Euro auf den Firmenwert der Beteiligung vor – damit ist die Beteiligung komplett abgeschrieben. Osram musste die Beteiligung komplett abschreiben, weil Continental dies tat. Damit lag eine Marktbewertung vor, die man in München nur schwer ignorieren konnten.

    Schon vor Monaten hatten Conti und Osram Gespräche über die Zukunft des Unternehmens angekündigt. Man hoffte auf eine Entscheidung im Frühjahr, doch die Coronakrise erschwerte den Zeitplan. Offen ist noch, wie eine Trennung aussehen könnte. Osram war auf einen Partner angewiesen, weil das Unternehmen zwar ein Lichtspezialist ist, aber kein ausreichendes Know-how bezüglich der Schnittstelle zur Fahrzeugelektronik hat. Diese müsste man bei einem Ausstieg von Conti entweder mit einem neuen Partner oder – womöglich mithilfe von AMS – in Eigenregie entwickeln.

    Allerdings müsste Osram Conti womöglich herauskaufen, zudem braucht das Gemeinschaftsunternehmen weiteres Kapital für die Entwicklungskosten. „Alle Lösungen kosten Geld“, sagte ein Insider.

    Osram kann zusätzliche Probleme derzeit nicht gebrauchen. Die Übernahme durch die bei vielen noch immer ungeliebte AMS dürfte in den nächsten Wochen vollzogen werden. Die Wettbewerbshüter in Brüssel wollen bis zum 6. Juli darüber entscheiden. Doch zuletzt sorgten Spekulationen über Ermittlungen wegen Insiderverdachts beim Handel mit AMS-Aktien für eine weitere Verschlechterung der Stimmung.

    Mehr: AMS will mit dem Traditionskonzern einen europäischen Photonik-Champion formen. Doch kurz vor dem Vollzug der Milliardenübernahme ist das Klima vergiftet.

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