Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Jura-Professor Tapia zum Glyphosat-Prozess „Bayer muss sich auf lange Rechtsstreitigkeiten einstellen“

Der amerikanische Jura-Professor Steve Tapia glaubt, dass der Glyphosat-Prozess sehr teuer für Bayer wird. Die Klage-Welle gehe weiter.
04.11.2018 - 14:51 Uhr Kommentieren
Bayer hat nach Ansicht des US-Rechtsexperten schlechte Chancen bei Klagen gegen Glyphosat. Quelle: Chris Joseph Kalinko
Jura-Experte Steve Tapia

Bayer hat nach Ansicht des US-Rechtsexperten schlechte Chancen bei Klagen gegen Glyphosat.

(Foto: Chris Joseph Kalinko)

Steve Tapia kennt sich aus mit Klagen gegen Konzerne. Der Rechtswissenschaftler an der Universität in Seattle hat früher als Anwalt Unternehmen vertreten.

Ein Gericht in San Francisco hat der Bayer-Tochter Monsanto nach einem Schuldspruch der Jury kein neues Verfahren erlaubt, sondern nur die Strafzahlungen von 289 Millionen auf 78 Millionen gesenkt. Hat Sie das jüngste Urteil zu Monsanto überrascht?
Beim ersten Urteil waren die „punitive damages“, also Strafzahlungen, die auf den eigentlichen Schadensersatz obendrauf kommen, sehr hoch. Doch dann sah es so aus, als würde die Richterin ein ganz neues Verfahren erlauben. Stattdessen hat sie jetzt nur die Höhe der Strafe reduziert. Das war überraschend. Wie das Gericht auf die neue Zahl gekommen ist, ist unklar. Vielleicht hatte sie gehofft, mit einer niedrigeren Strafe zu verhindern, dass Monsanto weiter prozessiert. Danach sieht es aber nicht aus.

Insgesamt sind Tausende Klagen anhängig. Was bedeutet das Urteil für die anderen Klagen?
Das jüngste Urteil ist für alle anderen Klagen in San Francisco insofern bindend, als dass es den Zusammenhang zwischen Roundup und Krebs feststellt. Das müssen auch künftige Urteile als Fakt anerkennen, wenn das Urteil auch in den kommenden Instanzen bestätigt wird. In anderen Bundesstaaten hat das Urteil nur Überzeugungswert, an dem sich andere Gerichte orientieren können, aber nicht müssen.

Monsanto geht aber in die Revision ...
Die Juristen von Monsanto haben schon gleich zu Beginn eine eher seltene juristische Prozedur gewählt und das Urteil trotz der Jury-Entscheidung komplett angefochten. Auch jetzt gehen sie in die Revision und bestreiten den Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebs. Sie sind offensichtlich überzeugt, dass sie keine Alternative haben als die, zu beweisen, dass das Mittel keinen Krebs erregt.

Hätten die Monsanto-Juristen denn eine Alternative?
Ja, sie könnten beginnen, sich mit den Klägern zu einigen, und hoffen, dass ihre Versicherung das abdeckt. Aber dann würden natürlich noch viel mehr Menschen klagen. Egal, was sie machen, sie müssen sich auf lange Zeit auf Rechtsstreitigkeiten einstellen.

Muss Monsanto auch Sammelklagen fürchten?
Ich glaube nicht. Damit eine Sammelklage zugelassen wird, müssen sich die Fälle exakt gleichen. Aber jeder Fall, jede Roundup-Anwendung, jeder Krebs ist anders. Dennoch kann es auch so sehr teuer werden.

Wie teuer?
Als ich als Anwalt bei Microsoft gearbeitet habe, haben wir als Faustregel mit 50 000 Dollar gerechnet, um eine Verteidigung überhaupt zu beginnen. Angesichts der Tausende Klagen geht das schnell in dreistellige Millionen und vielleicht höher.

Könnte Bayer theoretisch einfach einen Warnhinweis auf die Roundup-Produkte schreiben, wie es die Klägeranwälte von Johnson fordern, und sich so vor künftigen Klagen schützen? Oder wäre das ein Schuldeingeständnis?
Theoretisch können sie das machen. Es gibt ein Gesetz, das das erlaubt – ohne dass das juristisch gegen sie verwendet werden kann. Ob das so schlau wäre, sei dahingestellt.

Startseite
Mehr zu: Jura-Professor Tapia zum Glyphosat-Prozess - „Bayer muss sich auf lange Rechtsstreitigkeiten einstellen“
0 Kommentare zu "Jura-Professor Tapia zum Glyphosat-Prozess: „Bayer muss sich auf lange Rechtsstreitigkeiten einstellen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%