Kältemittel-Streit Daimler erhält Rückendeckung der Regierung

In dem Kältemittel-Streit zwischen Daimler und Frankreich unterstützt die Bundesregierung die Haltung des Autobauers. Zudem will die Regierung das Genehmigungsverfahren der EU für Automodelle reformieren.
Update: 18.08.2013 - 14:05 Uhr 8 Kommentare
Mercedes-Modelle in Paris: Der Streit um Kältemittel in Klimaanlagen geht weiter. Quelle: Reuters

Mercedes-Modelle in Paris: Der Streit um Kältemittel in Klimaanlagen geht weiter.

(Foto: Reuters)

Stuttgart/MünchenIm Streit um das Kältemittel R1234yf hat die Bundesregierung EU-Industriekommissar Antonio Tajani einen neunseitige Brief zukommen lassen. „Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass die von der Daimler AG beantragte Erweiterung der Typgenehmigung um zusätzliche Varianten rechtmäßig ist“, heißt es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt (Montagsausgabe) vorliegt.

Die Vorgeschichte zeige „im Gegenteil, das Daimler anders als andere Fahrzeughersteller die ernsthafte Intention hatte, die Richtlinienvorschriften frühzeitig umzusetzen“ – dann aber feststellte, dass seine „Fahrzeuge im Hinblick auf das gewählte Kältemittel Sicherheitsprobleme aufwarfen.“ Weil Daimler erst nachträglich die Erlaubnis für den Einsatz des bisherigen, klimaschädlicheren Kältemittels R134a einholte, darf er seit Juni in Frankreich keine Neuwagen der Reihen Mercedes A- und B-Klasse sowie SL zulassen.

Zwischen Januar und dem 26. Juni 2013 baute Daimler dem Brief der Regierung zufolge 133.713 Autos, „in die abweichend zur erteilten Typgenehmigung eine Klimaanlage mit dem bisherigen Kältemittel R134a verbaut wurde“. Aus Brüsseler Sicht verstößt der Alleingang gegen die neue EU-Richtlinie 2006/40/EG. Damit drohen Deutschland im Fall einer Vertragsverletzung Strafzahlungen in Millionenhöhe.

Daimler steht am Pranger, weil der Konzern neue Modelle wie A- und B-Klasse zuerst als völlig neue Fahrzeuge genehmigen ließen – während Hersteller wie Volkswagen gleich das Schlupfloch einer erweiterten Typgenehmigung nutzten. Dann ist der Einsatz der bisherigen Chemikalie R134a bis 2017 weiter erlaubt. Die Bundesregierung will nun das Verfahren, neue Modelle zu genehmigen, grundsätzlich reformieren. Deutschland sei sehr daran interessiert, dass die Kommission gemeinsam mit den Mitgliedstaaten „die europäischen Typgenehmigungsvorschriften zukünftig verbessert“, schreibt die Bundesregierung.

Hintergrund des Konfliktes ist das neue Kältemittel R1234yf. Seit diesem Januar müssen Hersteller in Europa Kältemittel für die Klimaanlagen ihrer Autos verwenden, die weniger klimaschädliches Kohlendioxid ausstoßen. Derzeit gibt es nur den Fluorkohlenwasserstoff R1234yf, der die Bedingungen erfüllt. Doch Daimler verweigert den Einsatz mit Verweis auf die Brandgefahr der Chemikalie bei Unfällen. Die deutsche Regierung bestreitet, dass Daimlers Verhalten als „ein Versuch unzulässiger Umgehung der Umweltvorschrift“ aufgefasst werden könne.

  • mcs
  • dhs
Startseite

Mehr zu: Kältemittel-Streit - Daimler erhält Rückendeckung der Regierung

8 Kommentare zu "Kältemittel-Streit: Daimler erhält Rückendeckung der Regierung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Dass Regierungen ihre Unternehmen unterstuetzen und protegieren, gehoert eigentlich zur Selbstverstaendlichkeit, von daher Daumen hoch, den ganzen Noerglern hier im Forum zum Trotz.

  • Die haben doch schon Rückendeckung in Form von Aufstockung der Löhne für die Bandsklaven mit Werkverträgen bekommen.
    Ist das schon wieder vergessen?

  • @eksom
    erst deutsch lernen, dann schreiben!

  • Wer vom französischen Staatsapparat und brüssler Wasserkopf angegriffen wird, braucht nunmal staatliche Verbündete, sonst ist man hoffnungslos verloren

  • Endlich mal eine Firma, die den uneinsichtigen, kor..... EU-Bürokraten die Stirn bietet! Wäre es Fiat, VW oder Nissan, würden die EU-Bürger über so viel Mut gegen die Willkür der "Oberen" jubeln. Nur weil es Mercedes ist, wird hier der Hersteller kritisiert. Schade, spricht aber für den Geist der Kinder Deutschlands bzw. Europas...

  • Wie kann es denn überhaupt sein, dass die EU ein Kältemittel vorschreibt, das nur von einem Monopolisten hergestellt wir? Und wenn dieses Mittel das Risiko eines Schadens (Feuer, Verletzung von Helfern) erhöht, geht das schon garnicht. Schön für VW und andere, dass Daimler das Schlupfloch verpennt hat - aber dann hätten wir 2017 das Problem - und die Mehrkosten, die zahlt auf jeden Fall der Kunde.

  • oje, schlimm schlimm

    Wenn Mercedes jetzt schon so eine "Hilfe" bekommen muss, dann siet es aber nicht sehr gut aus für diese ehemalige Nobelmarke.

  • Natürlich muss die jetzige Regierung dem Daimlerkonzern Rückendeckung geben!
    Wozu hat der Daimlerkonzern vor kurzen einen CDU-ler gegen hohen Entgelt transferiert.
    So beeinflusst man als Konzerne die Regierungen zu seinen Gunsten. Verbraucherschutz und Umwelt spielen bei der CDU und dem Daimlerkonzern (kaum) fast keine Rolle.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%