Kaesers Mann für Züge Roland Busch könnte nächster Siemens-Chef werden – wenn er diese Probe besteht

Der Siemens-Vorstand soll die mit Alstom fusionierte Zugsparte kontrollieren – keine leichte Aufgabe. Wenn er sie bewältigt, könnte er im Konzern weiter aufsteigen.
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Roland Busch hatte in den vergangenen Jahren das lange margenschwache Bahngeschäft von Siemens wieder auf Kurs gebracht. Quelle: Thomas Dorn für Handelsblatt
Roland Busch

Roland Busch hatte in den vergangenen Jahren das lange margenschwache Bahngeschäft von Siemens wieder auf Kurs gebracht.

(Foto: Thomas Dorn für Handelsblatt)

MünchenDie Disziplin von Roland Busch mag manchem typisch deutsch erscheinen. Kollegen treffen ihn öfters in aller Herrgottsfrühe im firmeneigenen Fitnesscenter, danach gönnt er sich allenfalls ein Rührei ohne Eigelb als Frühstück. Bei seinen Stationen im Siemens-Konzern, unter anderem als Strategiechef, hat er sich zudem einen Ruf als Aktenfresser erworben.

Doch der Franke, der im von Siemens geprägten Erlangen bereits geboren wurde, hat auch eine, manchen unbekannte, frankophile Seite. Der hochgewachsene Manager hat in Grenoble studiert, er spricht gut Französisch. In letzter Zeit hatte er im Fitnessstudio öfter Kopfhörer auf – um sein Französisch weiter zu verbessern.

Das könnte ihm bei der schwierigen Aufgabe helfen, die ihm Konzernchef Joe Kaeser anvertraut hat: Als Verwaltungsratschef soll er dafür sorgen, dass der neue europäische Zugriese Siemens Alstom in die Spur kommt. Das Problem ist schwierig, die indirekte Führung und Kontrolle über den Aufsichtsrat heikel. Das hatte der Fehlstart beim Windkraft-Konzern Siemens Gamesa gezeigt, wo auch der Großaktionär Siemens von Gewinnwarnungen nach der Fusion überrascht wurde.

Bei den Zügen setzte Siemens daher mit Vorstand Busch ein Schwergewicht als Chefkontrolleur ein. „Das ist ein klares Signal, dass Siemens die Hände drauf hat“, heißt es im Umfeld. Gemeinsam mit Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge bastelt Busch derzeit an der Struktur und den ersten beiden Führungsebenen.

Zudem hat die EU-Kommission Bedenken angemeldet. Die Kartellentscheidung verzögert sich nun bis in den Dezember. Busch und Kollegen müssen Brüssel davon überzeugen, dass der chinesische Weltmarktführer CRRC eine starke europäische Antwort erfordert. Die Fusion, das ist schon jetzt klar, ist kein Selbstläufer. Nach den schlechten Nachrichten aus Brüssel diskutierte die Alstom-Hauptversammlung am Dienstagnachmittag die Fusion, ein Ergebnis wurde erst nach Redaktionsschluss dieser Zeitung erwartet.

Busch hatte in den vergangenen Jahren das lange margenschwache Bahngeschäft wieder auf Kurs gebracht. Wie er nun die weiteren Aufgaben erfüllt, wird auch über seine Chancen entscheiden, Nachfolger von Konzernchef Joe Kaeser zu werden, dessen Vertrag Anfang 2021 ausläuft.

Es sei eine Art langfristiges Schaulaufen gestartet, meint ein Siemens-Insider. Denn es gibt momentan zwei interne Kandidaten für die Kaeser-Nachfolge: Busch und Michael Sen. Der ist für die anderen Großschiffe in Kaesers neuem Flottenverbund verantwortlich: die gerade an der Börse gestarteten Healthineers und Siemens Gamesa.

Beide können bei diesen Mammutaufgaben viel gewinnen – aber auch scheitern. Noch ist es deutlich zu früh, für Festlegungen bei der Kaeser-Nachfolge, wird in Aufsichtsratskreisen betont. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass der neue Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe einen Externen berufe.

Der Physiker Busch galt bis zur Rückkehr Sens zu Siemens vielen als interner Favorit. Vor gut einem Jahr übernahm Busch das Schlüsselressort Technologie. „Er ist zudem in vielen Divisionen sehr gut vernetzt“, sagt ein Personalberater. Busch gilt eher als Technokrat. Sein Führungsstil ist, gelinde gesagt, fordernd. Er rede Klartext, drückte es Busch einmal im Gespräch mit dem Handelsblatt aus. „Und ich komme schnell auf kritische Punkte.“ Nicht jeder kommt damit gut zurecht, doch kann er Erfolge vorweisen.

Der eloquente Sen, meist in Dreiteiler mit Einstecktuch gekleidet, erinnert da eher an Kaeser. Als früherer Finanzvorstand der Siemens-Medizintechnik und von Eon spricht er die Sprache der Kapitalmärkte, kann aber Themen ähnlich wie Kaeser und Busch auch strategisch tief durchdringen.

Busch beteiligt sich nicht an den Spekulationen. Siemens habe ja einen „tollen und sehr erfolgreichen“ Vorstandsvorsitzenden, betonte er. „Ich finde es unangemessen, über mögliche Nachfolger zu spekulieren.“ In den Fluren von Siemens wird das aber in den nächsten Monaten kaum zu verhindern sein.

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