Kahlschlag in der Zentrale Eon baut jede zweite Stelle in der Zentrale ab

Der geplante massive Stellenabbau beim größten deutschen Strom- und Gaskonzern Eon nimmt Gestalt an: Jede zweite Stelle in der Zentrale soll gestrichen werden - diese sei „keine Insel der Glückseligen“.
Update: 09.09.2011 - 15:08 Uhr 12 Kommentare
Der Energiekonzern wird in seiner Düsseldorfer Zentrale vermutlich jede zweite Stelle abbauen. Quelle: dapd

Der Energiekonzern wird in seiner Düsseldorfer Zentrale vermutlich jede zweite Stelle abbauen.

(Foto: dapd)

DüsseldorfDer Energiekonzern Eon wird in seiner Düsseldorfer Zentrale vermutlich jede zweite Stelle abbauen. „Nach dem derzeitigen Stand der Vorüberlegungen sollen 40 bis 50 Prozent der Arbeitsplätze in der Konzernleitung entfallen“, teilte der mit dem Sanierungsprogramm beauftragte Vorstand Bernhard Reutersberg gestern den Mitarbeitern in einem Rundschreiben mit, das dem Handelsblatt vorliegt. Der Konzernzentrale in Düsseldorf arbeiten zurzeit rund 800 Mitarbeitern.

„Es geht in der Konzernleitung um 400 Stellen“, bestätigte Gesamtbetriebsratschef Hans Prüfer der „WAZ“. In einer Videobotschaft habe Reutersberg wörtlich gesagt: „Bei der Administration gibt es Hinweise, dass wir zu viele Kapazitäten vorhalten, zu viel Ballast haben“. Dazu sagte Prüfer der Zeitung: „Unsere Mitarbeiter lassen sich nicht als Ballast bezeichnen“. Aus dem Konzernumfeld hieß es laut „WAZ“ zudem, „die Konzernzentrale ist keine Insel der Glückseligen“.

Der Betriebsrat nannte das jetzt angekündigte Ausmaß des Stellenabbaus einen „Schock und in dieser Dimension unvorstellbar“.

Eon-Chef Johannes Teyssen hatte im August abgekündigt, die Kosten des Energiekonzerns deutlich zu senken. Dabei will er bis zu 11.000 Stellen abbauen, vor allem in der Verwaltung. Bislang war vor allem über Einschnitte in den Standorten München, Hannover und Essen spekuliert worden. Teyssen will bis 2015 jährlich 1,5 Milliarden Euro einsparen.

Die Zentrale in Düsseldorf, von wo aus der Konzern die regionalen Gesellschaften und das operative Geschäft aus steuert, ist nun aber auch stärker betroffen als erwartet. Reutersberg begründete die Pläne mit „der Aufstellung vergleichbarer Konzernzentralen“. „Diese beschäftigen bei ähnlichen Steuerungsaufgaben deutlich weniger Mitarbeiter als wir.“ Wie das Ziel konkret erreicht werden könne, stehe zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. „Hierzu werden von uns in den nächsten Wochen Maßnahmen ausgearbeitet.“

Verdi-Bundesvorstand Erhard Ott forderte den Eon-Vorstand auf, unverzüglich Gespräche mit dem Betriebsrat aufzunehmen. „Wir werden um die Arbeitsplätze kämpfen“, kündigte er an. Es sei nicht akzeptabel, bei den Überlegungen zum Stellenabbau nur auf den Vergleich mit anderen Konzernzentralen zu bauen, betonten die Arbeitnehmervertreter. Es sei fahrlässig, lediglich ein Ziel zu setzen und keine Vorstellungen darüber zu haben, wie der Weg dorthin aussehen soll. „Der Vorstand verstärkt die Verunsicherung der Mitarbeiter“, hieß es. Die Konzernzentrale sei in den vergangenen Jahren durch die Übernahme von anderen operativen Aufgaben vergrößert worden.

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12 Kommentare zu "Kahlschlag in der Zentrale: Eon baut jede zweite Stelle in der Zentrale ab"

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  • na, da sind mal wieder die hochbezahlten Berater mit den Grundrechenarten am werkeln, Roland Berger oder die McKinsey ..., und haben intensivst gebenchmarkt, d.h. ihre alten Projektdaten verglichen.
    dann sollten die gleich mal bei den anderen Energieversorgern weitermachen, bei z.B. RWE siehts auch nicht besser aus.
    die Zentralen in sämtlichen von diesen Schuppen sind voll mit nutzlosen, sich selbst überschätzenden und völlig überbezahlten Sesselfurzern
    ich durfte das selbst mal aus der Nähe betrachten, die Verhältnisse waren schlichtweg unfassbar

  • Es wird ja Zeit, dass die fetten Ärsche auf die Straße fliegen, damit sie mal sehen können wie es einen "normalen" Arbeitnehmer gehen kann.

    Pete

  • Ursächlich für den Stellenabbau ist die von Grund auf falsche Energiepolitik der Bundesregierung.

    Durch einen konzeptlos, überhastet durchgeführten Atomausstieg aus der Kernkraft aus Meilern die teils seit 40 Jahren ohne Probleme laufen, hat man vorsätzlich unsere substanziell gesunden Engergiekonzerne kaputt gemacht und zehntausende Arbeitsplätze runiert.

    Ferner wurden Milliarden in die Förderung der Atomkraft in die Vergangenheit gesteckt.

    Der blinde Aktionismus einer der unfähigsten Parlamentskonstellation die wir je hatten, manifestiert sich in den ersten massiven Schäden an deutschen Blue Chips und dem Arbeitsmarkt.

  • E.on ähnelte schon immer eher einem Beamtenbetrieb als einem modernen Industriekonzern. Die Parole, "Value erzeugen die Mitarbeiter", hat ihre Berechtigung, aber auch der Satz, "Value is created by efficient assets" hat seinen Punkt.

    Wenn man in Deutschland keine neuen Kraftwerke mehr bauen darf, und wenn nur nach langjährigen Genehmigungsverfahren mit hohen und teuren Auflagen, noch dazu die Atommeiler stillgelegt werden, dann darf man sich nicht wundern...?!?!

    Nebenbei dazu angemerkt, Deutschland ist seit April Stromimporteur. Haben SPD und Grüne nicht gesagt, dass es genügend Strom in Deutschland gibt! FALSCH!

    Jetzt importieren wir Atomstrom aus Frankreich und Rumänien.

  • Zu meiner Zeit als Berater im Hause E.On waren es noch mehr als die hier kolportierten Tagessätze um 2.000€. Jetzt empfehle ich jedoch vom Weg von der Strategieberatung abzusehen und die Kostenberater ins Haus zu holen. Dann werden die Kosten zumindest nachweislich gesenkt. Wer die Zeche zahlt ist leider klar.
    Andere Holdings schaffen die gleiche Leistung jedenfalls mit einem Drittel der Angestellten.

  • Krokodilstränen mußte es heissen

  • Nach dieser politischen Fehlentscheidung war doch nichts anderes zu erwarten!! Also jetzt nur keine Krokodils vergiessen ...

  • mal wieder eben nach standard Uni Lehrbuch 3 Semester BWL. Kosten senken = Mitarbeiter raushauen....! aber warum immer die Mitarbeiter, am Mgmt. sparen ist doch viel effektiver......

  • nicht zu vergessen, das EON das GAS bei Gazprom zu teuer einkauft und der Endverbraucher so nicht billig zum Gas kommt..das ist natürlich der Nachteil der Liefersicherheit...

    Ob sich E.ON Leute kapuut arbeiten kann ich nicht beurteilen, sicher ist aber, daß scheinbar für Berater etc noch genug Geld da ist..jene mit den 2000 Euro Tagessätzen...wenn die nicht mehr kommen, dann geht das Licht aus..

  • hohe Arbeitsbelastung? e.on war doch immer eine Behörde, da schadet es nicht wenn die Zentrale ein wenig abspeckt und mal "unter Strom" gesetzt wird. Vergeßt nicht, daß hier von der Holding gesprochen wird. Selbst Berkshire und andere große Firmengruppen managen ihre Firmen mit 50 Mitarbeitern in der Holding.

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