Kalibranche Probleme in Kanada bremsen Düngemittelkonzern K+S

Ein Produktionsstillstand in Kanada belastet den Quartalsgewinn des Düngemittelkonzerns. An der Jahresprognose hält K+S aber fest.
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Das Werk stand knapp vier Tage still. Quelle: K+S
K+S-Produktion in Kanada

Das Werk stand knapp vier Tage still.

(Foto: K+S)

FrankfurtDie größte Investition in der Unternehmensgeschichte, das Kaliwerk Bethune in Kanada, bereitet dem Kasseler Düngemittel- und Salzkonzern K+S zurzeit Probleme.

Vergangene Woche stand die Produktion knapp vier Tage wegen der Reparatur eines Schornsteins still. Zuvor hatte die kanadische Eisenbahngesellschaft, die die Ware vom Werk zum Verladehafen nach Vancouver bringt, zeitweise gestreikt. „Das wird unser operatives Ergebnis im zweiten Quartal belasten“, sagte der für das operative Geschäft zuständige Vorstand Mark Roberts im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Die Produktion läuft zwar wieder, aber K+S hat in Kanada noch eine weitere Baustelle: „Die Qualität unserer Produkte ist noch nicht so, wie wir sie gerne hätten“, sagt Roberts. Daran arbeite man aber mit Hochdruck, versichert er.

K+S hatte das Kaliwerk in Kanada im vergangenen Jahr in Betrieb genommen. Mehr als drei Milliarden Euro haben die Kasseler dort investiert. Im Gegensatz zu den deutschen Werken, wo die Produkte im Bergbauverfahren unter Tage abgebaut werden, wird in Kanada das Kaliumchlorid im sogenannten Solution Mining mit einer Wasserlösung aus der Tiefe an die Oberfläche gespült und später aus der Lauge auskristallisiert.

Bei der Herstellung des Granulats besteht etwa die Herausforderung, das Produkt so stabil zu machen, dass es beim Transport unter Einwirkung von Luftfeuchtigkeit nicht verklumpt, aber andererseits auch nicht zerfällt. Kaliumchlorid ist ein wichtiges Düngemittel, aber auch als Zusatzstoff für Lebensmittel oder Medizinprodukte gefragt.

„Die chemische Qualität unserer Produkte ist zwar so gut, dass unsere Kunden sie akzeptieren“, sagt Roberts. „Aber wir müssen noch die physikalischen Eigenschaften verbessern. Unsere Ingenieure sind dran, und ich bin sicher, dass wir das Thema bald lösen. Zusätzliche Investitionen müssen wir dafür aber nicht einplanen“, sagt er.

Wie stark die Probleme im Werk in Kanada das Ergebnis von K+S im zweiten Quartal beeinträchtigen werden, dazu macht Roberts keine Angaben. An der Prognose, die der Konzern zuletzt für die Kalisparte wie auch für das gesamte Unternehmen ausgegeben hat, hält man jedenfalls weiterhin fest: „Wir wollen unseren Umsatz spürbar und das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) gegenüber 2017 deutlich steigern“, sagt Roberts.

Warten auf Profitabilität

K+S gibt früh im Jahr traditionell keine konkreten Zahlen zur erwarteten wirtschaftlichen Entwicklung preis, der Ausblick wird dann im Herbst konkretisiert. Im vergangenen Jahr erzielte K+S bei einem Umsatz von 3,6 Milliarden Euro einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 577 Millionen Euro. Die bei Bloomberg gelisteten Analysten erwarten für dieses Jahr einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro und einen bereinigten Gewinn (Ebitda) von 824 Millionen Euro.

K+S ist mit einem Marktanteil von acht Prozent der viertgrößte Player im 70 Millionen Tonnen schweren Weltkalimarkt. An der Spitze steht das nordamerikanische Vertriebskonsortium Canpotex mit 28 Prozent Marktanteil. Zu Canpotex gehören die fusionierten Firmen Potash und Agrium, die seit Jahresanfang unter dem Namen Nutrien firmieren, sowie der Düngemittelkonzern Mosaic. Danach folgt der russische Anbieter Uralkali mit17 Prozent Marktanteil vor der weißrussischen Belaruskali mit16 Prozent.

Der Kasseler MDax-Konzern erzielt jeweils die Hälfte seines Umsatzes mit Salzprodukten einerseits sowie Kali- und Magnesiumprodukten andererseits. Vom Werk Bethune, wo K+S deutlich günstiger produzieren kann als in Deutschland, verspricht sich Konzernchef Burkhard Lohr nicht zuletzt auch Margenverbesserungen.

Die aktuellen Schwierigkeiten in Kanada ändern an der Prognose, wann Bethune profitabel sein wird, laut Roberts nichts. „Es bleibt dabei: Wir werden mit Bethune auf Ebitda-Ebene in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben. Und im nächsten Jahr werden wir dann auf Ebit-Ebene die Gewinnzone erreichen“, sagt der 54-Jährige, der einige Jahre die Salzsparte von K+S verantwortet hatte, bevor er im September 2017 Chief Operating Officer wurde.

Und auch beim Thema Kapazitäten bleibe K+S bei seiner Planung, versichert Roberts. Wie viel genau das Werk in Kanada nun in diesem Jahr produzieren wird, verrät er aber nicht. „Für uns steht im Fokus, dass wir bei der Produktionsausweitung immer auch einen attraktiven Deckungsbeitrag erzielen“, sagt Roberts. Technisch betrachtet kann das Werk zwei Millionen Tonnen Jahresproduktion schaffen. In Deutschland hatte K+S vergangenes Jahr mehr als sechs Millionen Tonnen gefördert.

Zu viele Kapazitäten

Insgesamt ist K+S-Manager Roberts mit Blick auf die Kali-Branche zuversichtlich. Der Amerikaner ist derzeit bei der dreitägigen Konferenz der Internationalen Düngemittel Vereinigung IFA in Berlin. Die Stimmung in der Branche sei gut, berichtet er, die Nachfrage nach Düngemitteln wachse. „Speziell bei Kaliprodukten erwarten wir, dass die Nachfrage jährlich zwei bis drei Prozent wächst.“

Zudem bewegten sich die Preise seit einigen Monaten nach oben. „In Brasilien etwa erzielen wir aktuell Preise von deutlich über 300 Dollar je Tonne“, so Roberts. Vor einem Jahr noch lagen die Preise hier bei 250 bis 260 Dollar je Tonne. Im Jahr davor bei knapp über 200 Dollar.

Investoren sehen die Überkapazitäten in dem oligopolistisch strukturierten Markt als Problem. Das könnte auch die Preisentwicklung belasten. Markus Mayer von Baader Helvea erwartet, dass die Kalipreise nur noch bis zum dritten Quartal dieses Jahres steigen und dann ein Plateau bilden.

Mark Roberts von K+S ist aber positiv gestimmt: „Weil die Nachfrage steigt, erwarten wir kein großes Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage und gehen auch nicht davon aus, dass zusätzliche Überkapazitäten in nächster Zeit auf die Preisentwicklung drücken“, sagt der langjährige K+S-Manager.

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