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Kalter Krieg um Impfstoffe Staaten, Spione und Konzerne kämpfen um den Corona-Impfstoff

Das Wettrennen um den ersten Corona-Impfstoff läuft. Doch die internationale Kooperation bleibt auf der Strecke – mit fatalen Folgen für den Kampf gegen die Seuche.
31.07.2020 - 04:00 Uhr 5 Kommentare
Die Suche nach einem Impfstoff gegen Covid-19 wird zum geopolitischen Machtkampf. Quelle: Getty Images [M]
Ein Serum für die Freiheit

Die Suche nach einem Impfstoff gegen Covid-19 wird zum geopolitischen Machtkampf.

(Foto: Getty Images [M])

Seit mehr als einem Jahrzehnt sollen Li Xiaoyu und Dong Jiazhi in Computernetzwerke rund um die Welt eingedrungen sein, vor ihren Hackerangriffen schien niemand sicher. In einer 27-seitigen Anklageschrift des US-Justizministeriums werden Menschenrechtsaktivisten als Opfer genannt, ein Onlinecasino aus Schweden, amerikanische Rüstungsunternehmen, eine deutsche Softwarefirma. Manchmal seien die Hacker im Auftrag der chinesischen Geheimdienste tätig gewesen, manchmal hätten sie sich nur selbst bereichern wollen.

Ab Ende Januar nahmen die mutmaßlichen chinesischen Hacker neue Ziele ins Visier. Sie suchten laut Anklageschrift nach Schwachstellen im Netzwerk einer Biotech-Firma aus dem US-Bundesstaat Maryland, die an einem Impfstoff gegen das Coronavirus forscht. Auch Unternehmen in den Bundesstaaten Massachusetts und Kalifornien, die in der Pandemie an Impfstoffen, Therapien, Diagnose- und Testmaterial arbeiteten, weckten demnach ihr Interesse.

Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums bezeichnet die Vorwürfe als „absurd“: „Wir sind bereits weltweit führend in der Impfstoffforschung und -entwicklung mit Spitzenforschern. Wir müssen uns keinen Vorsprung durch Diebstahl sichern.“ Ähnliche Vorwürfe gibt es gegenüber russischen Hackern, die ein gemeinsames Impfstoffprojekt des Pharmakonzerns Astra-Zeneca und der Universität Oxford ausgespäht haben sollen.

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    Die Spionageattacken werfen ein Schlaglicht auf einen globalen Wettlauf, bei dem sich längst offenbar nicht alle Akteure an die Regeln halten. Rund um den Erdball wetteifern Regierungen, Pharmakonzerne, Universitäten und Labore darum, einen Impfstoff gegen die hochansteckende Lungenkrankheit Covid-19 auf den Markt zu bringen. Die ersten Wirkstoffe sind bereits in der entscheidenden klinischen Forschungsphase angelangt, sie werden derzeit im großen Stil an Menschen getestet.

    Grafik

    Ob eine der Substanzen tatsächlich vor dem Coronavirus schützt und, wenn ja, wie lange dieser Schutz andauert, ist noch völlig offen. Doch bereits jetzt versuchen immer mehr Staaten, potenzielle Produzenten an sich zu binden, um so möglichst viele Dosen des Impfstoffs für die eigene Bevölkerung zu sichern.

    Und offenbar, das zeigen die Vorgänge in Maryland und Großbritannien, versuchen mittlerweile auch Computerspione, an Informationen über den Forschungsstand in Sachen Corona zu gelangen. Das Interesse ist klar: Ein wirksamer Corona-Impfstoff ist ein geopolitischer Machtfaktor.

    Offiziell betonen die meisten Staaten, dass internationale Kooperation entscheidend sei bei der Corona-Bekämpfung und ein möglicher Impfstoff natürlich schnellstmöglich allen Menschen zugänglich gemacht werden müsse, die von der Krankheit bedroht sind. Doch jenseits der hehren Worte zeigt sich eine andere Realität.

    „Der Reflex, sich zuerst auf die eigene Bevölkerung zu konzentrieren, ist stark“, sagt der Außenpolitiker Norbert Röttgen (CDU). „Es besteht daher die Gefahr eines Impfstoff-Nationalismus, bei dem sich die reichen Industriestaaten Zugang verschaffen und ein Großteil der Weltbevölkerung erst einmal leer ausgeht.“ Vor allem in armen Ländern ohne eigene Pharmaindustrie könnte die Pandemie dadurch Tausende von vermeidbaren Opfern fordern.

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt mehr als 16 Millionen bestätigte Fälle von Sars-CoV-2, mehr als 650.000 infizierte Menschen sind gestorben. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus mahnt regelmäßig, einen möglichen Impfschutz als „globales öffentliches Gut“ zu betrachten. Es mangelt auch nicht an guten Ideen, wie sich eine globale Impfstoffkooperation entwickeln ließe.

    Es „könnten zum Beispiel 100 Euro für jede der ersten 300 Millionen Personen ausgelobt werden, die gegen Covid-19 geimpft werden“, schlägt der Kölner Wirtschaftswissenschaftler Axel Ockenfels vor, ein Experte für Spieltheorie und Marktdesign (siehe Interview).

    Doch die Chancen stehen derzeit nicht gut, dass sich diese multilateralen Ansätze durchsetzen. Vor allem die beiden Supermächte USA und China verfolgen eine andere Strategie. „Beide Staaten setzen alles daran, als Erste einen Impfstoff zu entwickeln und damit die nächste Phase der Pandemie zu dominieren“, analysiert Röttgen. „Wer als Erster einen Impfstoff auf den Markt bringt und Zugang bereitstellt, kann sich als Retter der Welt inszenieren. Die machtpolitische Bedeutung dieses Narrativs sollten wir nicht unterschätzen.“

    Auch Russland und Indien versuchen, ihre Positionen im Weltkrieg um Impfstoffe und ihre Verteilung abzustecken. Die EU und mit ihr die Bundesregierung stehen unter Zugzwang: Sie müssen ihre Interessen auch in einer Welt wahren, in der die internationale Kooperation beim Kampf gegen die Seuche zu zerbrechen droht.

    1. Das Serum als Pekings Machtinstrument

    Machtpolitik mit Maske. Quelle: Reuters, Imago
    Chinas Präsident Xi Jinping (l.), Besucher des Jing'an-Tempels in Schanghai

    Machtpolitik mit Maske.

    (Foto: Reuters, Imago)

    Chinas Staatschef Xi Jinping wählt tugendhafte Worte, wenn er über den Kampf gegen die Pandemie spricht. Selbstverständlich würde sein Land einen Impfstoff der Menschheit zugänglich machen, erklärte er bei der Jahrestagung der WHO im Mai. „Solidarität und Zusammenarbeit sind die stärksten Waffen, um das Virus zu besiegen.“

    Mindestens sieben chinesische Firmen sind an klinischen Tests beteiligt. Die Unternehmen wollen ihre Produktionskapazitäten in den kommenden Monaten weiter ausbauen. So hat eine Tochter des Staatskonzerns Sinopharm laut eigenen Angaben den Bau einer neuen Anlage für Coronavirus-Impfstoffe abgeschlossen und damit die Kapazität auf mehr als 200 Millionen Dosen pro Jahr verdoppelt.

    Zudem erhielt die chinesische Firma Cansino im Juni die Genehmigung, nach zwei klinischen Versuchen seinen neu entwickelten Impfstoff am chinesischen Militär auszutesten. Kenner der Impfstoffbranche, mit denen das Handelsblatt sprach, äußerten große Zweifel an einer möglichen Impfstoffrettung aus China.

    Das Land habe zwar einen Vorsprung bei der Entwicklung, weil es frühzeitig von dem Virus betroffen war. Doch die chinesischen Labore seien eine Blackbox. Was in den USA und Europa passiert, sei weiter „der Goldstandard“, heißt es: „Der Weltmarkt ist nicht bereit für einen Hochrisiko-Impfstoff aus China.“

    Die Regierung in Peking sieht Impfstoffe nicht nur als ein Instrument, um die eigene Bevölkerung zu schützen. Sondern auch als politische Währung. Mit deren Einsatz lässt sich der Einfluss Chinas speziell in jenen südlichen Weltregionen mehren, die für die Wirtschaftssupermacht als Rohstofflieferanten und Absatzmärkte bedeutsam sind. Peking verspricht den Staaten in Afrika und Lateinamerika, ihnen Zugang zum Impfstoff zu gewähren und Kredite zum Kauf der Medizin bereitzustellen.

    Bei einem virtuellen Treffen mit den Außenministern Südamerikas stellte Chinas Außenminister Wang Yi vergangene Woche Kredite in Höhe von einer Milliarde US-Dollar in Aussicht. Beim China-Afrika-Gipfel Mitte Juni hatte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping bereits versichert: „Wir versprechen, dass nach Abschluss der Entwicklung und Einführung des Covid-19-Impfstoffs in China die afrikanischen Länder zu den ersten gehören werden, die davon profitieren.“

    2. Trumps „Operation Warp Speed“

    Ein Impfstoff soll Trumps Präsidentschaft sichern. Quelle: Reuters (2)
    US-Präsident Donald Trump (r.), Demonstranten im kalifornischen Westminster

    Ein Impfstoff soll Trumps Präsidentschaft sichern.

    (Foto: Reuters (2))

    Auch US-Präsident Donald Trump macht Versprechen, allerdings vor allem gegenüber der eigenen Bevölkerung. In dieser Woche stand er in einem schlecht ausgeleuchteten Mehrzwecklabor in einer Biotech-Fabrik im Bundesstaat North Carolina und verkündigte: Die USA würden ihre „wissenschaftliche Brillanz entfesseln“ und einen Impfstoff „in Rekordzeit, ich wiederhole: in Rekordzeit!“ entwickeln.

    „Operation Warp Speed“ heißt das Mammutprojekt der US-Regierung, das bis Januar kommenden Jahres 300 Millionen Dosen eines Covid-19-Impfstoffs hervorbringen soll. Die Zeitpläne klinischer Studien wurden dafür extrem beschleunigt. Anthony Fauci, Arzt und Chef der US-Infektionsbehörde, ist etwas vorsichtiger als sein Präsident: Im Dezember, spätestens Anfang des kommenden Jahres werde man zumindest wissen, welcher der zahlreichen potenziellen Wirkstoffe sicher und wirksam ist.

    Trump hat die Suche nach einem Impfstoff mit der Entwicklung der Atombombe im Zweiten Weltkrieg verglichen. Den Namen seines Programms hat er aus der Science-Fiction-Literatur entnommen: Mit Warp Speed ist die Vorstellung gemeint, mit mehrfacher Lichtgeschwindigkeit in ferne Galaxien reisen zu können.

    Auf den ersten Blick passen die gigantischen Anstrengungen, die die US-Regierung in der Corona-Forschung unternimmt, nicht zusammen mit den laxen Versuchen, die Pandemie einzudämmen. Mehr als vier Millionen Menschen wurden in den USA positiv getestet, 150.000 Menschen starben bislang an dem Virus. In bevölkerungsreichen Staaten wie Texas, Kalifornien und Florida explodieren die Zahlen, seit dort der Lockdown offenbar zu früh beendet wurde.

    Ein Impfstoff wird nun im Weißen Haus als Schlüssel gesehen, um die von der Pandemie geschwächte US-Wirtschaft wiederzubeleben. Und selbst wenn es bis zu den Präsidentschaftswahlen im November keinen Impfstoff geben sollte, will Trump allein mit dem Versprechen signalisieren, er habe die Krise im Griff.

    Das Labor, das Trump besuchte, gehört zu Diosynth Biotechnologies, der Biotech-Sparte des japanischen Konzerns Fujifilm. Diosynth stellt Komponenten eines Impfstoffkandidaten auf Proteinbasis her, der NVX-CoV2373 heißt. Dieser wird wiederum vom US-Pharmakonzern Novavax entwickelt. Novavax bekommt dafür von der US-Regierung 1,6 Milliarden US-Dollar.

    Allerdings hat das Unternehmen in den 33 Jahren seiner Existenz noch kein Produkt zur Marktreife gebracht, weiß die „New York Times“ zu berichten. Parallel fließen Bundesmittel der „Operation Warp Speed“ an sieben weitere Firmen, etwa an den Konzern Johnson & Johnson. Eingepreist ist, dass nicht jeder Versuch von Erfolg gekrönt sein wird.

    Internationale Kooperation findet dabei nur begrenzt statt: So arbeitet der Pharmakonzern Pfizer mit dem deutschen Biotechnologieunternehmen Biontech zusammen und wird von der US-Regierung mit 1,95 Milliarden US-Dollar gefördert. Außerdem gibt es einen Impfstoffvertrag der US-Regierung mit Astra-Zeneca und der britischen Oxford-Universität.

    Die US-Regierungsoffensive kooperiert allerdings nicht mit chinesischen Herstellern, auch eine offizielle Absprache mit der EU fehlt. Stattdessen stehen vor allem heimische Konzerne im Fokus der US-Regierung. Im Rennen ist zum Beispiel auch der Pharmakonzern Moderna aus dem US-Bundesstaat Massachusetts. Moderna wird von der Regierung mit einer Milliarde US-Dollar finanziert. Das Unternehmen verspricht eine jährliche Produktion von 500 Millionen Dosen.

    Gemeinsam mit den Nationalen Gesundheitsinstituten (NIH) der USA startete Moderna in dieser Woche die bislang weltweit größte klinische Studie zu Covid-19: Am Montag um 6.45 Uhr wurde dem ersten von voraussichtlich 30.000 Freiwilligen ein Test-Impfstoff injiziert. In den kommenden vier Wochen erhält eine Hälfte der Teilnehmer zwei Injektionen mit dem Prototyp, der anderen Hälfte wird ein Salzwasser-Placebo gespritzt.

    Fauci hofft, dass der finale Impfstoff eine Wirksamkeit von mindestens 60 Prozent haben werde. Das bedeutet, dass der Impfstoff das Infektionsrisiko im Durchschnitt um 60 Prozent reduziert. „Natürlich möchten wir eine viel höhere Quote. Aber ab 60 Prozent ergibt es Sinn zu impfen“, sagte Fauci. Die ersten Tests zeigten zumindest eine Reaktion des Immunsystems mit vorübergehenden Nebenwirkungen wie Muskelschmerzen, Müdigkeit und Fieber. „Wir sind vorsichtig optimistisch“, sagte Moderna-Chef Stephen Hoge im US-Kongress.

    Über der gesamten Impfstoffstrategie der USA steht die America-first-Doktrin von Präsident Trump: Erst sollen die USA das globale Rennen gewinnen, dann die eigene Bevölkerung versorgen und dann wohlgesonnenen anderen Staaten helfen. Peter Marks, ein wichtiger Beamter bei der US-Arzneimittelbehörde, vergleicht die Lage mit einem Notfall im Flugzeug: Da solle man sich ja auch erst die eigene Sauerstoffmaske überziehen, bevor man anderen Passagieren helfe.

    Auf keinen Fall wollen die USA ihre Forschungs- oder Produktionserfolge multilateralen Verteilungsregeln unterwerfen. Schon gar nicht unter Kontrolle der WHO, die im Weißen Haus als fünfte Kolonne Pekings gesehen wird.

    Eine nationale Impfstoffstrategie, wie die USA sie verfolgen, ergibt für einen Staat Sinn, solange er glaubt, das globale Impfstoffrennen zu gewinnen. „Keine Regierung kann jedoch sicher sein, dass die Forscher in ihrem Land den besten Impfstoff oder den ersten erfolgreichen Impfstoff entwickeln werden“, sagt Simon Evenett, Wirtschaftsprofessor und Handelsexperte an der Universität St. Gallen. Auch die USA nicht.

    Und selbst wenn: Ist der richtige Wirkstoff gefunden, beginnt sofort die zweite Phase des Rennens: Die möglichst schnelle Herstellung von Millionen, wenn nicht Milliarden von Impfdosen. Hier kommt eine Nation ins Spiel, die in der Forschung für einen Corona-Impfstoff zwar keine relevante Rolle spielt, wohl aber in der Massenproduktion von Arzneimitteln: Indien.

    3. Ein indischer Entrepreneur riskiert alles

    Der Chef des Pharmakonzerns SII setzt alles auf einen Impfstoff. Quelle: Bloomberg, Reuters
    Unternehmer Adar Poonawalla (r.), Mitarbeiter in Covid-19-Pflegezentrum in Kalkutta

    Der Chef des Pharmakonzerns SII setzt alles auf einen Impfstoff.

    (Foto: Bloomberg, Reuters)

    Ein Unternehmer namens Adar Poonawalla setzt dabei alles auf eine Karte. In seinen Fabrikhallen in der westindischen Industriemetropole Pune will er bereits im August mit der Massenproduktion eines der vielversprechendsten Impfstoffkandidaten beginnen – mehrere Monate vor dem erwarteten Ende der klinischen Tests. Bis zum Ende des Jahres will der Chef des Pharmaherstellers Serum Institute of India (SII) 300 bis 400 Millionen Dosen des Impfstoffs auf Lager haben, um sofort mit der Auslieferung zu beginnen, sobald die Zulassung vorliegt.

    Es handelt sich um jenen Impfstoffkandidaten, den Astra-Zeneca gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelt hat. Poonawalla bekam die Lizenz, den Impfstoff für Indien und mehr als 60 weitere Schwellen- und Entwicklungsländer herzustellen.

    Poonawalla rechnet vor, dass er in den nächsten Monaten wohl 200 Millionen Dollar für Chemikalien, Ampullen und Fabrikmitarbeiter ausgeben wird. „Wenn der Impfstoff nicht funktioniert, ist das Geld verloren“, sagt der Familienunternehmer, „Es ist eine gigantische Wette.“ Gemessen an der Zahl der produzierten Dosen gilt SII als der größte Impfstoffhersteller der Welt – und damit als Hoffnungsträger im Kampf gegen Covid-19.

    Um das Risiko zumindest ein bisschen zu senken, hat Poonawalla weitere Kooperationen abgeschlossen, etwa mit den US-Pharmafirmen Novavax und Codagenix, die ebenfalls an Coronavirus-Impfstoffen arbeiten, im Zeitplan allerdings Astra-Zeneca hinterherhinken.

    Zeit ist aber ein entscheidender Faktor für Indien: Nach gescheiterten Lockdowns ist ein schnell verfügbarer Impfstoff für die Regierung von Premierminister Narendra Modi die letzte Hoffnung, das Virus doch noch irgendwie in den Griff zu bekommen. Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle in seinem Land stieg zuletzt stark an und liegt nun bei mehr als 1,5 Millionen. Indiens Gesundheitsbehörden hatten zuletzt den Eindruck erweckt, dass es ihnen im Zulassungsverfahren kaum schnell genug gehen kann.

    Mit Blick auf einen in Indien entwickelten Impfstoffkandidaten des Herstellers Bharat Biotech sprach der medizinische Forschungsrat ICMR Anfang Juli davon, das Serum spätestens bis 15. August für die Verwendung im öffentlichen Gesundheitssystem zur Verfügung haben zu wollen. Wissenschaftler erwiderten, dass ein derart kurzer Testzeitraum mit hohen Gefahren verbunden wäre. Die Behörde nahm das Datum daraufhin wieder zurück.

    4. Russland setzt auf den Sputnik-Moment

    Russland will dem Westen in Sachen Corona-Forschung seine Überlegenheit beweisen. Quelle: Reuters (2)
    Russlands Präsident Wladmir Putin (r.), Restaurantmitarbeiterin mit Gesichtsmaske in Moskau

    Russland will dem Westen in Sachen Corona-Forschung seine Überlegenheit beweisen.

    (Foto: Reuters (2))

    Gesunde Skepsis dürfte auch angesichts der Behauptung Russlands angebracht sein, bereits jetzt über einen Corona-Impfstoff zu verfügen. „Wir setzen auf einen Impfstoff der Firma Gamaleya, der basiert auf einem erfolgreichen Präparat gegen Ebola und Mers“, sagt Kirill Dmitriew, Chef des Staatsfonds RDIF („Russian Direct Investment Fund“).

    Der Wirkstoff sei „ein klein wenig adaptiert worden“, um gegen das Coronavirus zu helfen. Der RDIF investiert laut Dmitriew in den Aufbau von Partnerschaften zur Produktion dieses Impfstoffs in Russland und anderen Ländern.

    „Ich weiß, dass er wirkt“, schwärmt der Fondsmanager. „Ich bin selbst mit diesem Stoff geimpft worden, auch meine Frau und meine 74 Jahre alten Eltern.“ Allerdings räumt Dmitriew auch ein: Die Erprobung im großen Maßstab steht noch aus. Egal, der Manager träumt bereits von einem neuen „Sputnik-Moment“ in der Coronaforschung. Der Start des „Sputnik“, des weltweit ersten Satelliten, hatte 1957 den Westen schlagartig von der Überlegenheit der damaligen Sowjetunion in der Weltraumtechnologie überzeugt.

    Der Staatsfonds RFID hält nach den Worten seines Chefs Anteile an zwei russischen Pharmafirmen: R-Pharm und Alium. Während bei Alium im Moskauer Umland der angebliche russische Wunderwirkstoff produziert werden soll, kooperiert R-Pharm mit Astra-Zeneca und soll deren gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelten Impfstoff in Lizenz produzieren.

    Entsprechend selbstbewusst weist Dmitriew die Vorwürfe zurück, der russische Militärgeheimdienst GRU stecke hinter den Hackerattacken auf Astra-Zeneca und die Universität Oxford.

    Diese These vertreten die Geheimdienste Großbritanniens, der USA und Kanadas. Sie beschuldigen eine dem GRU zugerechnete uniformierte Hackereinheit namens APT29, auch bekannt als „Cozy Bear“, dass sie sich Zugriff auf die britische Impfstoffforschung habe verschaffen wollen. Schadsoftware bekannt unter WellMess oder WellMail soll dabei eingesetzt worden sein, heißt es in einer Analyse des britischen National Cyber Security Centers, die zusammen mit der amerikanischen NSA und dem kanadischen Dienst Mitte Juli erstellt wurde.

    Unklar ist, was die mutmaßlichen russischen Hacker bei Astra-Zeneca und auch die chinesischen in Maryland überhaupt ausspähen wollen. Die Wirkstoffkombinationen, an denen die einzelnen Unternehmen forschen, sind kein Geheimnis. Pharmaunternehmen veröffentlichen die Ergebnisse ihrer klinischen Studien in der Regel in öffentlich zugänglichen Datenbanken. In der EU ist das die Plattform EudraCT. Auch Wissenschaftler publizieren Forschungsergebnisse oft sehr früh im Netz, um sie der Prüfung durch Kollegen zu unterwerfen.

    Ein Kenner der Impfstoffbranche vermutet, es gehe bei den Spähaktionen darum, den Wissensstand der Konkurrenz in Erfahrung zu bringen, um bei einer möglichen Patentanmeldung vorn zu liegen. Von der hängt wiederum ab, ob ein Präparat Zugang zum Weltmarkt hat.

    5. Gerät Europa ins Hintertreffen?

    Ohne Impfstoff keine Freiheit. Quelle: dpa (2)
    Corona-Abstandsmarkierungen in Hamburg (l.) und Köln

    Ohne Impfstoff keine Freiheit.

    (Foto: dpa (2))

    Während andere Länder mit Unternehmen Deals abschließen oder womöglich gar zu dunkleren Mitteln wie Spionage greifen, wird in Europa bislang vor allem viel geredet. Im Ergebnis könnten Deutschland und die EU beim Impfstoff-Poker auf der Verliererseite stehen. Dabei verfügt kaum ein anderer Erdteil über so viel Pharma-Know-how. Aber wie kann Europa diese Macht am klügsten einsetzen?

    Anfang Juni schlossen sich auf Initiative von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vier EU-Mitgliedsländer zu einer Impfstoff-Allianz zusammen. Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande forderten eine faire Verteilung von Impfstoffen in der Welt – vor allem aber wollten sie verhindern, dass Europa im Wettrennen ums Serum noch weiter hinter die USA und China zurückfällt.

    Der Zugriff auf Impfstoffe gegen das Coronavirus sei „eine der drängendsten Fragen, die die Europäische Union gegenwärtig anzugehen hat“, schrieben Spahn und seine Kollegen aus den drei anderen Ländern an EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Daher habe sich eine „Kerngruppe von Mitgliedstaaten“ zusammengeschlossen, um „das schnellste und bestmögliche Ergebnis in den Verhandlungen mit Schlüsselakteuren der Pharmaindustrie zu erreichen“.

    Aus Regierungskreisen in Berlin verlautete damals, man müsse auf der Nachfrageseite eine „Marktmacht“ aufbauen, um im Ringen um Impfstoffe bestehen zu können. Kurz darauf konnte die Impfstoffallianz um Deutschland einen ersten Abschluss verkünden: Der britische Pharmakonzern Astra-Zeneca sagte bis zu 400 Millionen Dosen zu.

    Das Viererbündnis ist inzwischen in den Bemühungen der EU-Kommission aufgegangen. Auch die Kommission setzt bei ihrer Impfstoffstrategie auf Vorverträge, um Hersteller möglicher Impfstoffe über Abnahmegarantien an sich zu binden. Für die Finanzierung dieser Verträge wurde ein 2,7 Milliarden Euro schwerer Fonds aufgelegt, zusätzliche Mittel kommen über Darlehen der Europäischen Investitionsbank.

    Daneben will die Kommission den regulatorischen Rahmen in der EU anpassen, „um unter Einhaltung der Standards für die Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit von Impfstoffen die Entwicklung, Zulassung und Verfügbarkeit von Impfstoffen zu beschleunigen“. Das Ziel ist eine faire Verteilung von Impfstoffdosen auf alle EU-Mitgliedstaaten, außerdem sollen die weltweit am stärksten gefährdeten Länder „einen universellen und gerechten Zugang zu Impfstoffen zu erschwinglichen Preisen“ bekommen.

    Doch geliefert hat Brüssel bei den Vorverträgen bislang nicht. Die Kommission befindet sich dem Vernehmen nach mit mehreren potenziellen Impfstofflieferanten im Gespräch, die Verhandlungen seien unterschiedlich weit fortgeschritten. Das Bundesgesundheitsministerium macht auf Nachfrage keine klare Aussage, wie viele potenzielle Impfstoffdosen für Deutschland derzeit vertraglich fixiert seien. Spahns Haus verweist auf den Vorvertrag der Vierergruppe mit Astra-Zeneca und auf die laufenden Verhandlungen der Kommission, an denen sich die Bundesrepublik beteilige.

    Das frühere EU-Mitglied Großbritannien schreitet deutlich forscher voran: Ebenfalls bei Astra-Zeneca sicherte sich London 100 Millionen Dosen und verkündete vergangene Woche, mit der Mainzer Firma Biontech und dem französischen Unternehmen Valneva Verträge über insgesamt weitere 90 Millionen Dosen abgeschlossen zu haben. Diese Woche hat London 60 Millionen Dosen des Impfstoffs von den Herstellern Glaxo-Smithkline und Sanofi geordert.

    So ganz mag auch die Bundesregierung nicht auf internationale Kooperation vertrauen. Mitte Juni kündigte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) an, dass der Bund mit 300 Millionen Euro beim Tübinger Impfstoff-Start-up Curevac einsteigt. Mit dem Manöver will Altmaier eine mögliche ausländische Übernahme der Firma verhindern. Eine konkrete Zusage für eine Impfstofflieferung ist mit dem Deal nicht verbunden.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wiederum versucht weiterhin, bei der Impfstoffsuche einen multilateralen Ansatz zu vertreten. „Diese Krise kann kein Land allein lösen, wir müssen gemeinsam handeln“, mahnt die Kanzlerin. Die Bundesregierung unterstützt die internationale Impfallianz Gavi bei ihren Bemühungen, mögliche Impfstoffe weltweit zugänglich zu machen.

    Gavi hat eigens dafür einen Finanzierungsmechanismus aufgelegt, die Covax-Fazilität, die sicherstellen soll, dass ein Impfstoff „schnell, fair und gerecht“ verteilt wird. Der Grundgedanke dabei ist, dass reiche Länder ihre Ressourcen zusammenlegen, um gemeinsam die größtmögliche Produktionskapazität für einen Impfstoff zu schaffen und zugleich ärmeren Ländern Zugang zu dem Serum zu garantieren. Die Details der Initiative werden derzeit zwischen den Ministerien und mit den europäischen Partnern abgestimmt.

    6. Eine Chance für den Multilateralismus

    „Ich gehe davon aus, dass man sich alle Jahre wieder impfen lassen muss“, sagt der Virologe über die Aussichten auf einen Corona-Impfstoff. Quelle: Stefan Finger/laif
    Hendrik Streeck

    „Ich gehe davon aus, dass man sich alle Jahre wieder impfen lassen muss“, sagt der Virologe über die Aussichten auf einen Corona-Impfstoff.

    (Foto: Stefan Finger/laif)

    Caroline Schmutte leitet das Berliner Büro des Wellcome Trust, einer der finanzstärksten medizinischen Stiftungen der Welt. Jetzt, da immer mehr Staaten Verträge zur Versorgung ihrer eigenen Bevölkerung abschlössen, so Schmutte, „wird es immer dringlicher, dass sie sich auch um die Versorgung einkommensschwächerer Länder kümmern“.

    Der schnellste und wirksamste Weg, die Krankheit zu besiegen, bestehe darin, Impfstoffe, Tests und Behandlungen „für diejenigen zu sichern, die überall am meisten gefährdet sind“. Als da wären: ältere Menschen, Mitarbeiter im Gesundheitswesen und all jene „Frontline Worker“, die ihren Job nicht vom Homeoffice aus erledigen können.

    Das hat auch ökonomisch Sinn. „Nicht zuletzt als Exportnation liegt es in unserem Interesse, dass die Pandemie auch bei unseren Nachbarn und Partnern unter Kontrolle gebracht wird“, sagt Niels Annen, Staatsminister im Auswärtigen Amt. „Solange das nicht geschieht, kann es keine Rückkehr zur Normalität geben.“ Der SPD-Politiker fordert, dass „die Entwicklung und Verteilung eines Impfstoffs ein Beitrag zur Stärkung des Multilateralismus“ sein müssten.

    Danach sieht es derzeit nicht aus. Doch ebenso wenig ist es sicher, dass das Kalkül der Impfstoff-Nationalisten am Ende aufgeht: dass bereits in wenigen Monaten ein wirksames Präparat bereitstehen wird, mit dem sich das Coronaproblem ein für alle Mal erledigt hat – zumindest für jene Staaten, die auf die richtigen Kandidaten gesetzt haben.

    Die Entwicklung von Impfstoffen nimmt oft Jahre in Anspruch, ohne dass ein marktreifes Produkt am Ende garantiert ist. Nach der Forschung im Labor wird in Tierversuchen überprüft, ob ein Mittel eine Immunantwort hervorruft. Dann folgt ein dreistufiges klinisches Testverfahren.

    Zunächst überprüfen Wissenschaftler an einer kleinen Gruppe von Probanden, ob auch das menschliche Immunsystem reagiert und der Impfstoff keine gefährlichen Nebenwirkungen hat. Die Testgruppen werden anschließend ausgeweitet. In den „Phase-3-Studien“ geht es dann darum, ob ein Impfstoff auch große Bevölkerungsgruppen wirksam schützt. Auf Grundlage der Ergebnisse entscheiden die Zulassungsbehörden dann, ob ein Mittel tatsächlich an den Markt kommt.

    In der Corona-Pandemie soll alles ganz schnell gehen, am besten in Monaten statt Jahren. Die „New York Times“ führt eine Liste mit über 165 Impfstoffprojekten weltweit. Demnach befinden sich mehr als 140 Kandidaten noch in der vorklinischen Phase und nur sechs in Phase 3. Zugelassen wurde bislang allein jenes Präparat, mit dem das chinesische Militär seine Soldaten impfen will. Ob irgendeines dieser Präparate tatsächlich dauerhaft wirkt, ist völlig offen.

    Der Bonner Virologe Hendrik Streeck, bekannt geworden durch seine Corona-Studie im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg, warnt grundsätzlich davor, zu große Hoffnungen in die schnelle Entwicklung eines Impfstoffs zu setzen. „Dass ein Impfstoff kommen wird, ist möglich“, sagt er. „Ob und wie er funktionieren wird, das wird entscheidend sein. Bislang haben wir aus den Phase-1- und Phase-2-Studien wenig Anhaltspunkte dafür, dass es sich um ein Allheilmittel handeln wird.“

    Ernüchternd wirkt der Vergleich mit einer anderen Viruskrankheit: Streeck forschte einige Jahre lang in den USA an einem Impfstoff gegen HIV. „Es gibt inzwischen über 400 Impfstoffkonstrukte“, sagt er zum Stand der HIV-Forschung. „Aber einen zugelassenen Impfstoff mit verlässlichem Schutz gibt es nicht.“

    Ohnehin habe die Wissenschaft bislang „gegen viele große infektiologische Killer“ wie Malaria, Dengue oder Tuberkulose keinen funktionierenden Impfstoff entwickeln können – trotz intensiver Forschung. „Auch bei den anderen Coronaviren ist uns das bisher nicht gelungen“, sagt Streeck. „Das soll nicht heißen, dass dies bei Sars-CoV-2 nicht gelingen kann, aber wir müssen realistisch bleiben.“

    Streeck weist auch darauf hin, dass Impfungen Nebenwirkungen haben und in seltenen Fällen Autoimmunerkrankungen auslösen können. „In der Forschung fallen diese Probleme auf, wenn ein Impfstoff schrittweise eingeführt wird und Nebenwirkungen in kleineren Gruppen erkannt werden. Dann kann man nachbessern“, sagt der Professor der Universität Bonn. „Nun haben wir es aber mit einer beispiellosen Situation zu tun, in der ganze Bevölkerungen praktisch gleichzeitig geimpft werden sollen.“

    Einen Universalschutz, der wie bei Masern oder Röteln ein Leben lang anhält, werde es bei einer Impfung gegen Sars-CoV-2 sehr wahrscheinlich nicht geben. „Ich gehe davon aus, dass man sich alle Jahre wieder impfen lassen muss.“

    Das Wettrennen zum Corona-Impfstoff gleicht also weniger einem Sprint als einem Langstreckenlauf durch unwegsames Gelände. Selbst wenn ein Impfstoff wirksam sein sollte, eignet er sich wegen seiner Nebenwirkungen womöglich nicht für die gesamte Bevölkerung oder verliert seine Schutzfunktion, weil der Erreger mutiert ist.

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    Ernüchternd ist das vor allem für die USA, denen Präsident Trump momentan suggeriert, dass es nur noch wenige Monate dauern wird, bis ein Impfstoff den Corona-Spuk vertreibt. Wenn Staaten mehrere Impfstoffe benötigen, um ihre Bevölkerung dauerhaft zu schützen, gewinnt der multilaterale Ansatz auch für sie an Attraktivität.

    Denn selbst wenn ein Staat in der ersten Runde des Corona-Rennens auf den richtigen Wirkstoff gesetzt hat, kann er schon im nächsten Jahr wieder ohne Corona-Schutz dastehen und ist darauf angewiesen, dass ihn Anbieter aus anderen Ländern weiterhin beliefern. „Diejenigen, die jetzt den Kürzeren ziehen, werden sich künftig an die egoistische Haltung der sogenannten Handelspartner erinnern“, prophezeit Handelsexperte Simon Evenett von der Universität St. Gallen.

    Letztlich stecken die Staaten in dem, was Spieltheoretiker ein wiederholtes Gefangenendilemma nennen: Wenn alle bei der Impfstoffforschung, -produktion und -verteilung kooperieren, ist das Ergebnis des Spiels für alle am besten. Doch wenn zu viele Spieler aus der Kooperation ausscheren, hat sie auch für die anderen keinen Sinn mehr. Dann regiert der nationale Egoismus.

    Wenn die Wirksamkeit eines Impfstoffs allerdings zeitlich begrenzt ist, wird auch der Poker ums aktuell beste Präparat mehrere Spielrunden haben. Werden dann die egoistischen Staaten der ersten Runde in der zweiten Runde für ihre fehlende Solidarität abgestraft werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie in der dritten Runde wieder kooperieren.

    „Inmitten der Hektik einer Krise ist es natürlich schwierig, Kooperationen zu erreichen“, sagt Ökonom Ockenfels. Doch für die Zukunft, da ist sich der Experte für Spieltheorie sicher, „gibt es durchaus Anreize, die Risiken auf viele Schultern zu verteilen“.

    Mitarbeit: Mathias Brüggmann, Dana Heide, Moritz Koch, Annett Meiritz, Mathias Peer, Torsten Riecke

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    5 Kommentare zu "Kalter Krieg um Impfstoffe: Staaten, Spione und Konzerne kämpfen um den Corona-Impfstoff"

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    • @ Josef Berchtold
      "In die Särge der Corona-Toten sollten man alle Bücher der hoffnungslos veralteten Österreichischen Schule der Geld-Theorie legen und mit verbrennen."

      Aha. Bücherverbrennung wie einst bei den Nazis. Die Keynesianer stehen gerade vor ihrem kläglichen und vollkommenen Scheitern - also verbrennt man die Bücher der anderen, nicht wahr??
      Das Mises´sche Regresssionstheorem etwa, wie Geld seine Kaufkraft erhält, ist unwiderlegt, da unwiderlegbar!
      Sie wollen als Zentralbanker klempnern, sie wollen Geldmenge und Zinssatz manipulieren, weil Sie glauben, Sie könnten es besser als der Markt.
      Ich habe Ihnen hier neulich bereits beschrieben, was passiert, wenn Geld keinen Preis mehr hat, sprich es keine Zinsen mehr gibt: wenn Menschen nicht mehr dafür "belohnt" werden, auf gegenwärtigen Konsum zu verzichten (sprich Zinsen für ihren Verzicht bekommen), sondern sogar noch bestraft werden (weil die Teuerungrate höher ist), dann werden sie kein Geld mehr sparen - sprich die Geldumlaufgeschwindigkeit wird explodieren. Jede Geldwirtschaft würde dadurch unmöglich werden.
      Um ein Baader-Zitat zu modifizieren: nicht nur Sie und nicht nur die Amerikaner, sondern alle Staaten werden lernen, dass die Welt außer von Bomben auch von Papier(-Geld) brennen kann.

    • Jetzt zeigt sich der große Fehler, an Forschung zu sparen. An Virus-Forschung wurde gespart, siehe schwarze Null. Jetzt haben wir einen Schaden durch Covid-19 von 1.500 Milliarden (nur Europa) während lächerlich wenige Milliarden gereicht hätten, die Virusforschung voranzutreiben, innerhalb der letzten 10 Jahre. Ich hoffe, dass neue Epidemien bald kommen werden, dass endlich die Schwarze Null beerdigt wird und somit ausreichend Geld in Forschung fließen kann. Die EZB kann diese Summen mit Leichtigkeit erzeugen, Zinsen Null und 100 Jahren Laufzeit. In den Unis stehen genügend Forscher bereit, umgehend mit mehr Kapazität zu forschen. Wenn es einen Gott gäbe, würde ich sofort beten, bitte schnell eine neue Epidemie zu senden, um endlich die Schwarze Null im schwarzen Sarg zu beerdigen. Aber leider gibt es Gott/Götter nicht und so muss der Mensch schnellstens Viren-Evolution durchgehend verstehen lernen. In die Särge der Corona-Toten sollten man alle Bücher der hoffnungslos veralteten Österreichischen Schule der Geld-Theorie legen und mit verbrennen. Die Schwarze Null kann gut für die schwäbische Hausfrau sein, aber niemals für Staaten wie Deutschland. Nur gut, dass man in China nicht infiziert ist, von der Österreichischen Schule der Geld-Theorie, so dass China weiter waschen wird, während Europa dahinsiechen wird, es sei denn, man ändert die Geld-Politik und schöpft Investitions-Kapital für Forschung und Infrastruktur über die EZB, Zinsen Null, Laufzeit 100 Jahre. Jetzt ist Krise, es muss gehandelt werden. Freie Fahrt für viel viel mehr Forschung durch den Staat.

    • @Christoph Weise
      So hat sich doch das so sehr erfolgreiche kapitalistische System, seit 1760, entwickelt. Lassen wir es bitte dabei, es muss viele Verlierer geben. Das Strampeln im Hamsterrad ist nochtwendige Voraussetzung für Erfolg. Wichtig ist nur, dass die Verlierer nicht verhungern. Evolution ist gnadenlos und einfach und selektiert die Genvarianten, die zu wenig dem Virus entgegenzusetzen haben. Ihre Vorfahren haben die Pest überlebt oder sind nicht mit der Pest in Berührung gekommen. Ganz Dämliche versuchen es mit Beten, wobei der Reinfall vorprogrammiert ist.

    • Es wird wenige Gewinner und viele Verlierer geben. Eine gute Möglichkeit an der Börse eine glatte Bauchlandung hinzulegen.

    • Es wird wenige Gewinner und viele Verlierer geben. Eine gute Möglichkeit an der Börse eine glatte Bauchlandung hinzulegen.

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