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Karl Tragl

Der Ingenieur leitet als familienfremder Chef die Geschicke bei Diehl.

(Foto: imago/photothek)

Karl Tragl So führt sich der neue Diehl-Chef ins Familienunternehmen ein

Erstmals seit Jahrzehnten wird Diehl nicht von einem Familienmitglied geführt. Neu-Chef Karl Tragl fängt gut an – muss sich aber noch beweisen.
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NürnbergWer die wuchtigen Massivholztüren erst einmal aufgestemmt hat, der steht in einem schummrigen, schmalen, getäfelten Empfangsraum. Besucher beschleicht schnell der Eindruck, dass die Zeit in der Nürnberger Hauptverwaltung von Diehl stehen geblieben ist. Von dem Backsteinbau mit seinen verwinkelten Gängen, von den Büros mit ihren hohen Decken, vom ganzen Muff einer längst vergangenen Epoche hat sich Karl Tragl jedoch nicht abschrecken lassen.

Seit dem 1. Mai führt der 56-Jährige das Familienunternehmen, das nicht weniger verästelt ist als seine Zentrale. Der stämmige Mann mit dem kurzen, grauen Haar ist der erste Familienfremde an der Spitze des Mischkonzerns seit einem Vierteljahrhundert.

Am Dienstag präsentierte Tragl selbstbewusst die jüngsten Ergebnisse seines neuen Arbeitgebers. Das ist nicht selbstverständlich. Diehl zu durchdringen ist eine Wissenschaft für sich, erst recht in nur zwei Monaten. In dem Konglomerat entstehen Flugzeugkabinen und Munitionszünder, intelligente Wasserzähler, Schmiedeteile und noch so einiges mehr. Auf fünf Sparten kommt Diehl, die Firma zählt 17.000 Mitarbeiter.

Andererseits, Tragl hatte durchaus gute Jahreszahlen zu verkünden und kann seinen neuen Job demnach gelassen angehen. Für hektische Einschnitte gibt es keinen Grund. Der Umsatz kletterte vergangenes Jahr um zehn Prozent auf gut 3,7 Milliarden Euro, der Gewinn legte um mehr als ein Viertel auf knapp 136 Millionen zu. „Diehl entwickelt sich stabil weiter“, brachte es der Vater von fünf Kinder auf den Punkt.

Fast ein Jahr lang hatten die Diehls nach einem Nachfolger für Thomas Diehl gesucht. Der Patriarch ist am Ostersonntag 2017 im Alter von 66 Jahren gestorben. Es war eine Zäsur für die Familie, die das Unternehmen seit 1902 über drei Generationen führte.

Mit Thomas Diehl ging das vorerst letzte Familienmitglied, das als Vorstandsvorsitzender operative Verantwortung trug. Zwar hatten Thomas und sein Bruder Peter bereits 2013 alle Anteile an ihre jeweils drei Kinder überschrieben. Aber die unternehmerische Führung ließ sich Thomas nicht aus der Hand nehmen.

Zurück zu den Wurzeln

Tragl bringt eine Menge Erfahrung mit. Er studierte in Erlangen Physik und promovierte beim Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen. Seine Karriere begann er bei Siemens in der Unternehmensplanung und -entwicklung. Dort kreuzten sich seine Wege mit dem späteren Siemens-Chef Klaus Kleinfeld.

Im Anschluss war Tragl 16 Jahre beim Maschinenbauer Bosch Rexroth, zuletzt als Vorstandschef. Als Kleinfeld schließlich Alcoa führte, heuerte auch Tragl bei dem amerikanischen Aluminiumkonzern an.

Nun kehrt er nach Mittelfranken und damit zu seinen Wurzeln zurück. „Hier habe ich auch meine Frau kennen gelernt“, scherzt der Manager. Der zweifelhafte Ruf von Diehl als Rüstungskonzern war für ihn kein Hinderungsgrund, in Nürnberg zu unterschreiben. „Die Familie, das Unternehmen und ich persönlich stehen dazu.“ Sicherheit sei nun einmal wichtig in der Welt. Und mit einem Umsatzanteil von nur rund zwölf Prozent sei die Verteidigungssparte zudem vergleichsweise klein.

Tragl gibt sich offen, sucht den Dialog mit der eigenen Belegschaft, gerade in den Werken. Schließlich stehe der digitale Wandel auch bei Diehl im Fokus, und „wir müssen die Menschen an der Linie mitnehmen“, betonte Tragl. Doch wenn es konkret wird, blockt er ab. Der Unternehmenslenker hält sich bedeckt in Sachen Zukunft.

„Ich bin gerade dabei, mir ein Bild zu verschaffen“, sagte Tragl am Dienstag. Er besuche derzeit die wichtigsten Standorte und Kunden und wolle diesen Sommer zur Luftfahrtmesse im englischen Farnborough reisen, dem wichtigsten Branchentreff der Flugzeughersteller und Airlines. Airbus ist ein wichtiger Kunde, und auch für dessen Konkurrenten Boeing sind die Franken aktiv.

Erfolg im Team

Der Manager gilt als Teamplayer, als einer, der Erfolge mit der Mannschaft und nicht gegen sie erzielen will. Er sei stolz, Teil dieses Vorstands zu sein, beteuerte Tragl. Durchregieren wie Vorgänger Thomas Diehl kann Tragl ohnehin nicht. Die Diehls haben ihn als Vorstandssprecher eingestellt, Thomas Diehl trug noch den Titel des Vorstandsvorsitzenden.

Nach dem Tod von Thomas Diehl hat Finanzvorstand Wolfgang Weggen den Konzern ein Jahr lang übergangsweise geführt, jetzt tritt er wieder eine Stufe zurück. Die Eigentümer halten sich im Hintergrund und kontrollieren ihre Firma über den Aufsichtsrat. Einer der Söhne von Thomas Diehl, Alexander, ist im Unternehmen tätig und führt die Schmiede in Röthenbach. Sein Bruder Markus vertritt seinen Familienstamm im Aufsichtsrat.

Die junge Generation ist in ihren 30er-Jahren und noch nicht reif, um einen Milliardenkonzern zu führen. Ohnehin ist völlig offen, was die Jugend vorhat. „Es wird sich zeigen, ob einer der Namensträger wieder das Unternehmen führen wird“, so Weggen. In den kommenden Jahren ist es erst einmal Tragls Aufgabe, Diehl weiterzuentwickeln. „Unser Vorteil ist, dass wir langfristig denken können“, beschreibt Finanzchef Weggen das Umfeld für seinen neuen Chef.

Die Familie bestehe nicht darauf, dass es jedes Jahr aufwärtsgehe. Diehl müsse einfach genügend Gewinn erzielen, um weiter investieren zu können. Gleichwohl sei Diehl gerüstet, um auch einmal eine größere Übernahme zu stemmen. Der Konzern verfüge über die notwendigen Kreditlinien und werde regelmäßig auf Akquisitionen angesprochen.

Tragls erstes Jahr als Diehl-Chef wird ein gutes. Der Umsatz werde weiter steigen, die Ebit-Marge von gut sieben Prozent sei wohl zu halten, verspricht sein Finanzchef. Der Laden läuft, und so kann Tragl durch die Welt jetten. Richtig heimisch fühle er sich im Teilkonzern Avionik, seit seiner Promotion hege er eine „geheime Liebe zur Luft- und Raumfahrt“. Gut, dass das der mit Abstand größte Bereich von Diehl ist.

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