Karmann-Insolvenzverwalter "Ohne Arbeitnehmer hätten wir es nicht geschafft"

Als Ottmar Hermann vor zwei Jahren sein Amt als Insolvenzverwalter des Automobilzulieferer Karmann antrat, stand er vor einem Scherbenhaufen. Im Interview verrät er, wie er das angeschlagene Unternehmen wieder auf Kurs gebracht hat.
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Ottmar Hermann ist Fachanwalt für Insolvenzrecht und der Insolvenzverwalter von Karmann. Quelle: Andreas Reeg für Handelsblatt

Ottmar Hermann ist Fachanwalt für Insolvenzrecht und der Insolvenzverwalter von Karmann.

(Foto: Andreas Reeg für Handelsblatt)

Handelsblatt: Herr Hermann, was haben Sie vorgefunden, als Sie 2009 beim Traditionsunternehmen Karmann als Insolvenzverwalter angetreten sind?
Ottmar Hermann: Die Situation war schlimm. 1400 Mitarbeiter waren gekündigt, standen auf der Straße und wussten nicht, was sie tun sollten. Sie hatten den Anspruch auf einen Sozialplan, aber dazu war kein Geld da. Rund 2000 Beschäftige blieben übrig. Die deprimierende Botschaft war: Wer bis zum Schluss durchgehalten hatte, drohte nichts mehr zu bekommen.

Sieht so der Regelfall für einen Insolvenzverwalter aus?

Nein. Normalerweise komme ich früher in ein Unternehmen. Die Stimmung in Osnabrück war extrem aufgeheizt, als ich am Tag nach dem Insolvenzantrag dort das erste Mal an einer Betriebsversammlung teilgenommen habe. Der Aderlass vorher war enorm. Als es die Automobilfertigung noch gab, hatte Karmann in 2005 zu Hochzeiten fast bis zu 10 000 Beschäftigte. Die folgende Krise in der Automobilindustrie und die ausbleibenden Aufträge führten dazu, dass in 2009 nur noch jeder Fünfte übrig blieb.

Worauf kommt es in diesem ersten Moment an?
Hoffnung zu wecken, ohne die Perspektive rosarot zu zeichnen. Voraussetzung für eine Zukunft war, dass Karmann mit den Möglichkeiten des Insolvenzrechts weiter machen konnte. Dafür konnte ich aber keine Garantie geben.

Was drohte?
Ende 2009 standen wir vorm Abgrund. Viele Hersteller glaubten nicht mehr an Karmann und zahlten nicht. Klar war aber: Ohne Geld ging es nicht weiter, wir mussten dringend die Kasse füllen. Diese Phase war extrem schwierig. Ich musste sorgsam abwägen, inwieweit ich Zahlungszusagen machen durfte, besonders nachdem das vorläufige Insolvenzverfahren beendet war.

Wie sah Ihr Weg aus?
Priorität hatte die Abwicklung bestehender Projekte. Um die Aufträge zu erhalten, mussten wir das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen. Bei Entwicklungsaufträgen für neue Modelle hatten die Kunden Angst vor Streiks bei Karmann. Deshalb habe ich viele Kunden besucht. Am Ende waren sie überzeugt, so dass sie wieder gezahlt haben.

Bei alldem benötigen Sie Branchenexpertise ...
...die ich auch in diesem Fall dringend brauchte. Aus diesem Grund habe ich von außen Fachleute hinzugezogen, darunter etwa einen angesehenen Werksleiter von Mercedes.

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