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Karrierewechsel Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück will nun die SPD retten

Der mächtige Betriebsratschef quittiert überraschend den Dienst beim Sportwagenbauer Porsche und geht in die Politik. Leiser wird er sicher nicht.
04.02.2019 - 18:30 Uhr 1 Kommentar
Porsche: Betriebsratschef gibt seinen Job auf und geht in Politik Quelle: dpa
Uwe Hück

Bei seiner Partei, der SPD, wurde ihm nie der Rote Teppich ausgerollt.

(Foto: dpa)

Stuttgart In Stuttgart Zuffenhausen gab es jüngst eine ungewöhnliche Prozession. Aus allen Richtungen strömten Hunderte Porsche-Mitarbeiter in Richtung Tor 2 am Porscheplatz. Wenn Uwe Hück ruft, dann kommen alle. Das war schon immer so, und das war auch so bei seinem überraschenden Abgang.

Mitten auf dem Porsche-Gelände steht er auf einer provisorischen Bühne und erklärt seinen Leuten wortgewaltig die Gründe. „Ich will in die Politik gehen“, sagte der 56-Jährige bei der kurzfristig einberufenen Mitarbeiterversammlung. Wie damals, als er bei Porsche als Lackierer begann, werde er auch in der Politik klein anfangen.

„Ich habe keinen Hubschrauber nach oben“, sagte Hück. Bei den Kommunalwahlen noch in diesem Jahr will er sich in Pforzheim in den Gemeinderat wählen lassen. Dabei will das SPD-Mitglied mit einer eigenen Liste ins Rennen gehen. Mit seiner Partei ging er hart ins Gericht: „Wenn die SPD so weitermacht, werden sie ihr Erbe vernichten“, sagte er. Und schob nach: „Ich bin eines der treuesten SPD-Mitglieder, aber nicht eines der liebsten“, sagte Hück. Eine eigene Partei will er nicht gründen, aber wohl seiner SPD in Pforzheim zeigen, wie es geht.

Der Porsche-Betriebsratschef hatte immer mal wieder mit der Politik kokettiert. Allerdings hat die SPD dem temperamentvollen, aber in seinen Aussagen mitunter unberechenbaren Redner nie einen roten Teppich ausgerollt. Das könnte sich nach einem Erfolg bei der Kommunalwahl in Pforzheim allerdings ändern.

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    Gründer einer Lernstiftung

    In seiner Heimatstadt trainiert der ehemalige Europameister im Thai-Boxen seit Jahren Jugendliche vornehmlich aus sozial schwachen Familien. Jeder, der ihn dabei schon einmal beobachtet hat, weiß, dass dieses Engagement authentisch ist. „Nach knapp 35 Jahren bei dieser intergalaktischen Firma will ich mich jetzt ganz meiner anderen Leidenschaft widmen: mich ganz in den Dienst der Hilfe für benachteiligte Kinder und Jugendliche stellen“, sagte Hück, der schon vor längerer Zeit eine Lernstiftung gegründet hat. Hück hält immer noch Kontakt zum Sperlingshof, wo er nach dem Unfalltod seiner Eltern als Waisenkind aufwuchs. In Pforzheim ist der Gewerkschafter bekannt wie kaum ein anderer. Der Sprung in den Gemeinderat wird ihm jedenfalls zugetraut.

    „Wir sollten uns mehr um den Frieden kümmern und weniger um den Diesel“

    Der verheiratete Vater zweier Adoptivkinder und eines leiblichen Sohnes ist mutig: „Ich bin für klare Schnitte.“ Hück legt daher mit sofortiger Wirkung seine Aufsichtsrats- und Betriebsratsämter bei Porsche und Volkswagen nieder. Er bleibt Mitglied im Kuratorium der Ferry-Porsche-Stiftung und der VW-Belegschaftsstiftung. Hücks Aufgaben als Betriebsrat übernimmt sein bisheriger Stellvertreter, der ein Jahr ältere Werner Weresch.

    Hück betonte, sein Rücktritt habe nichts mit etwaigen Ermittlungen im Zuge der Abgasaffäre zu tun. Hück begann seine Karriere bei Porsche 1985. Seit 1990 gehörte er dem Porsche-Betriebsrat an, seit 1997 als Vorsitzender in Zuffenhausen. Seit 2002 führt er den Gesamtbetriebsrat.

    Er war Gegen- und Mitspieler von Wendelin Wiedeking beim Übernahmeversuch von Volkswagen. Mit Wiedeking verbindet ihn noch heute eine Männerfreundschaft. Hück sitzt auch in seiner Stiftung. Nach Wiedekings Scheitern bewies Hück bei der Integration in den VW-Konzern eine gewisse Geschmeidigkeit. Aber nach einigen Wechseln im Management wurde er zur großen Konstante bei Porsche.

    „Uwe Hück ist eine Kämpfernatur, ob im Boxring oder am Verhandlungstisch, er nimmt kein Blatt vor den Mund, und er hat ein großes Herz“, sagte Porsche-Vorstandschef Oliver Blume. Er schätze dessen Verlässlichkeit. Dabei tauschte Hück häufig Flexibilität der Arbeitnehmer gegen Jobsicherheit und Prämien. Zuletzt, als er durchsetzte, dass der erste elektrische Porsche auch in Stuttgart gebaut wird. „Immer auch sehr wirtschaftlich denkend – so habe ich Uwe Hück kennen und schätzen gelernt“, sagte Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche.

    Bei seinen Mitarbeitern warb der Betriebsratschef für Verständnis. „Ich wollte für meinen Abschied keinen Tag haben, an dem die Menschen fragen: Warum ist er noch da? Ich wollte einen Tag haben, an dem sie fragen: Warum geht er?“ Typisch Hück.

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    1 Kommentar zu "Karrierewechsel: Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück will nun die SPD retten"

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    • Warum nicht? Die SPD kann wirtschaftlichen Sachverstand dringend brauchen und den hat er.

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