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Katastrophen-Baureihe 737 Max Boeing-Chef Muilenburg – sein Schweigen in der Krise irritiert die Aktionäre

Lange galt der Vorstandsvorsitzende des US-Konzerns als der Liebling der Aktionäre. Doch sein Verhalten in der Krise lässt das Misstrauen wachsen.
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Kaum ein Tag vergeht ohne neue Probleme. Quelle: JIM YOUNG/The New York Times/Red
Dennis Muilenburg

Kaum ein Tag vergeht ohne neue Probleme.

(Foto: JIM YOUNG/The New York Times/Red)

New York„Ich habe den klaren Willen, weiter zu führen.“ Mit diesen Worten antwortete der Boeing-Chef Dennis Muilenburg vor einer Woche auf die Frage, ob er einen Rücktritt erwäge. Im grauen Anzug mit Krawatte im typischen Boeing-blau musste sich der 55-Jährige auf der Hauptversammlung zum ersten Mal seit dem Absturz einer 737 Max in Äthiopien den Fragen der Aktionäre und Journalisten stellen.

Für Muilenburg vergeht seit März kaum ein Tag ohne schlechte Nachrichten: Zwei Abstürze innerhalb von fünf Monaten, immer neue Berichte über Probleme bei der Technik, Schlamperei in der Produktion. Die Flugzeuge bleiben immer noch weltweit am Boden. Nun wurde bekannt, dass der Airbus-Konkurrent schon 2017 von den technischen Problemen der 737-Max-Baureihe wusste.

Und was macht Muilenburg? Der 55-Jährige hüllt sich – wie so oft in dieser Unternehmenskrise – in Schweigen. Nur eine umständliche Pressemitteilung lässt darauf schließen, dass Boeing von den Problemen mit den Sensoren und dem Software-System schon 2017 wusste und sogar eine interne Untersuchung veranlasste. Diese ergab jedoch, dass die nicht aktivierten Warnsysteme kein Sicherheitsproblem darstellten. Die Luftfahrtaufsicht FAA wurde gar nicht erst informiert und erst nach dem Absturz des Lion-Air-Flugs im November 2018 in Kenntnis gesetzt.

Und was wusste Muilenburg? „Das Top-Management war nicht in die Untersuchung involviert und hat davon erst nach dem Lion-Air-Unfall erfahren“, teilt Boeing dazu mit. Der Vorstandsvorsitzende, ein Luftfahrtingenieur, wusste also nicht, dass es bei seinem wichtigsten neuen Flugzeug-Modell technische Probleme gab?

Die Familien der Angehörigen und deren Anwälte werden diese Erklärung wohl kaum glauben. „Verzichten Sie auf Ihr Gehalt und treten Sie zurück“, hatte der Verbraucheranwalt und Grünen-Politiker Ralph Nader in einem offenen Brief an Muilenburg bereits vor der Hauptversammlung geschrieben. Naders Nichte ist bei dem Absturz in Äthiopien zu Tode gekommen. Er prophezeite: „Was auch immer die Öffentlichkeit Tag für Tag über die Probleme in Ihrem Unternehmen erfährt – es ist viel weniger als das, was Boeing weiß.“ Wie sich nun zeigt, hat er damit recht gehabt.

Dabei ging es für Muilenburg lange Jahre immer nur bergauf. Schon als Kind auf der Familienfarm in Iowa hat er von der Luftfahrt geträumt. Nach seinem Studium begann er 1985 als Praktikant bei Boeing und machte dort zunächst in der Rüstungssparte Karriere. Eine Zeit lang arbeitete der Hobby-Radfahrer in Washington; unter anderem hatte er es in der Hauptstadt mit der Luftfahrtaufsichtsbehörde FAA zu tun. Damals entwickelte er ein Gespür für Politik und Diplomatie, eine Fähigkeit, die ihm heute zugute kommt.

Auch mit Donald Trump hat sich Muilenburg nach anfänglichen Startschwierigkeiten arrangiert. Der US-Präsident garantierte ihm zuletzt mehrere lukrative Aufträge. Und die Fachzeitschrift „Aviation Week“ kürte Muilenburg zur „Person des Jahres 2018“, gab ihm den ehrenwerten Titel „The Transformer“. Auch die Aktionäre machte Muilenburg mit seinem Kurs lange glücklich: Unter seiner Führung verdreifachte sich der Aktienkurs des Konzerns.

Doch seine Kritiker, darunter auch verschiedene Whistleblower, fragen sich nun, zu welchem Preis das geschehen ist. „Haben Sie Ihren Gewinn von 30 Milliarden Dollar zwischen 2009 bis 2017 in Forschung und Entwicklung investiert, in neue schmale Zivilflugzeuge?“ fragt Nader in seinem Brief. „Oder haben Sie stattdessen diesen Gewinn mit eigennützigen Aktienrückkäufen von 30 Milliarden Dollar über diesen Zeitraum verbrannt?“

Vielleicht hat bei Muilenburg ein Umdenken eingesetzt: Bei den Quartalszahlen im April kündigte der Manager an, das neue 20 Milliarden Dollar schwere Rückkauf-Programm erst einmal auszusetzen.

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