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Klagen in USA Bayer vor Glyphosat-Einigung – So sieht der teure Plan aus

Der Konzern ringt um die Details eines Vergleichs in den USA. Um sich vor einer neuen Klagewelle zu schützen, prüft Bayer Einschränkungen beim Verkauf des Unkrautvernichters.
30.01.2020 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Das stark umstrittene Pestizid ist bislang auch im Einzelhandel erhältlich. Quelle: Bloomberg [M]
Roundup

Das stark umstrittene Pestizid ist bislang auch im Einzelhandel erhältlich.

(Foto: Bloomberg [M])

Düsseldorf, New York Bayer-Chef Werner Baumann will endlich sein größtes Problem lösen: die Glyphosat-Klagen in den USA. Anwälte und Kläger verhandeln unter Hochdruck über einen außergerichtlichen Vergleich – und sind nach Handelsblatt-Informationen zuletzt entscheidende Schritte vorangekommen.

Bis zur Hauptversammlung Ende April würde der Leverkusener Konzern den Investoren und der Öffentlichkeit gerne eine Lösung präsentieren: Entweder eine unterschriebene Einigung, zumindest aber eine grobe Richtung, welche finanziellen, rechtlichen und operativen Folgen ein außergerichtliches Settlement haben könnte.

Im Raum steht eine Vergleichssumme um die zehn Milliarden Dollar, schätzen die US-Prozessexperten von Bloomberg Intelligence. Doch es geht in den Gesprächen nicht nur um Geld, sondern auch um die rechtlichen Details. Bayer könnte mit einem Vergleich alle bestehenden Klagen in den USA aus der Welt räumen. Der Konzern will und muss sich aber zugleich auch vor einer erneuten Klagewelle schützen.

Üblicherweise verzichten die Kanzleien in den USA nach Vergleichsabschluss auf die Annahme neuer Klagen. Doch eine Sicherheit hat Bayer dabei nicht. Schließlich wird das glyphosathaltige Mittel Roundup weiterhin vertrieben. So könnten auch künftige Käufer, die erst in einem Jahrzehnt an Krebs erkranken, dann gegen Bayer gerichtlich vorgehen.

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    Ein Verkaufsstopp könnte das verhindern. Dass Bayer das Mittel komplett vom Markt nimmt, steht weiterhin nicht zur Debatte. Allerdings prüft der Konzern eine Einschränkung des Verkaufs, wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr. Im Raum steht demnach ein Vertriebstop für Privatanwender, die den Unkrautbekämpfer in ihren Gärten einsetzen.

    Das Geschäft mit den Hobbygärtnern macht nur einen geringen Teil des Umsatzes aus, den Bayer mit Roundup erzielt. Über 90 Prozent des Geschäfts entfallen auf die Anwendung in der professionellen Landwirtschaft. 2018 hat Bayer mit dem Mittel weltweit einen Umsatz von geschätzt mehr als 3,5 Milliarden Euro gemacht.

    Allerdings stellen die Privatanwender den weitaus überwiegenden Teil der Kläger in den USA. Sie machen für ihre Krebserkrankung den jahrelangen Einsatz von Glyphosat bei ihrer Gartenarbeit verantwortlich. Mehr als 42.000 derartige Klagen liegen Bayer bereits vor. Die Zahl der potenziellen Klagen aber könnte locker das Doppelte erreichen. Darunter sind kaum professionelle Farmer, die das Mittel in ihrer Großlandwirtschaft einsetzen.

    Bayer sieht weiter keine Gesundheitsgefahren

    Bayer wollte die Informationen nicht kommentieren. In Unternehmenskreisen heißt es, dass ein möglicher Verkaufsstopp für Hobbygärtner intern diskutiert und analysiert werde. Eine Entscheidung darüber sei aber noch nicht gefallen.

    Rechtsexpertin Elizabeth Chamblee Burch, Professorin an der University of Georgia, hält es für prinzipiell sinnvoll, das Mittel jenseits der landwirtschaftlichen Nutzung vom Markt zu nehmen. „Aber auch das löst nicht das Problem der Klagen, die von jenen kommen können, die das Produkt bereits benutzt haben“, mahnt die Juristin. Gut möglich, dass Bayer für diese Fälle im bevorstehenden Vergleich eine bestimmte Summe zurückstellt.

    Tatsächlich ist es keine einfache Entscheidung für den Konzern. Rein wirtschaftlich wäre dies wegen des geringen Volumens verkraftbar. Allerdings könnte die Verkaufseinschränkung zumindest in der Öffentlichkeit als Schuldeingeständnis gewertet werden.

    Grafik

    Bayer weist aber weiterhin jeden Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und dem Glyphosateinsatz zurück. Die Leverkusener berufen sich dabei auf die Einstufung der großen Zulassungsbehörden in den USA, Europa und Asien: Sie sehen bei sachgemäßer Anwendung keine Gesundheitsgefahren durch das Mittel.

    Ende vorigen Jahres hatte die US-Umweltbehörde EPA sogar ein Gericht in San Francisco aufgefordert, das Urteil gegen Bayer/Monsanto aufzuheben. Die EPA hält das Mittel für sicher und lehnt es daher ab, einem Warnhinweis auf dem Roundup-Produktlabel zuzustimmen.

    Bayer hat die bisherigen drei Verfahren in erster Instanz verloren. Den krebskranken Klägern wurde ein Schadensersatz in Summe von 191 Millionen Dollar zugesprochen. Der Konzern hat Berufung eingelegt und hofft weiter auf gute Nachrichten. Sollten Richter die erstinstanzlichen Urteile aufheben oder einschränken, würde dies die Position der Leverkusener in den Vergleichsverhandlungen stärken. Verliert Bayer erneut, würde dies den Druck erhöhen.

    Dass es letztlich auf ein solches außergerichtliches Settlement hinausläuft, gilt als ausgemacht. Bayer weiß aus Erfahrung, dass der Konzern die Klagewelle nicht auf anderem Weg abstreifen kann, ohne dass über weitere Jahre hinweg Prozesse geführt werden – inklusive der damit verbundenen negativen Publicity und der hohen Kosten für die Verteidigung.

    Kläger-Kanzleien hoffen auf mehrere Milliarden
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    1 Kommentar zu "Klagen in USA: Bayer vor Glyphosat-Einigung – So sieht der teure Plan aus"

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    • Übernimmt Baumann endlich Verantwortung und tritt zurück? War es nicht er, der die Übernahme um jeden Preis - gemeinsam mit Wenning - wollte und alle Warnungen in den Wind geschlagen hat (und den gesunden Menschenverstand ausschaltete)? War es nicht er, der sagte, er könnte der am kürzesten amtierende Vorstandsvorsitzende von Bayer sein, wenn die Sache schief geht? War es nicht er, dem die letzte Hauptversammlung (mit dem restlichen Vorstand) die Entlastung versagte - der erste Fall in der Geschichte der im Dax notierten Unternehmen.
      Selbst wenn es bei zehn Milliarden USD bleibt - der Kauf von Monsanto war dann hoffnungslos überteuert und Baumann hat den Aktionären von Monsanto zu Lasten der Bayer Aktionäre und Mitarbeiter Risiken und eine Vergleichszahlung von 10 Mrd. USD abgenommen. Und dieser Mann will uns immer noch erklären, die Due Diligence sei super gewesen? Er, Baumann, der offensichtlich keine Ahnung von der US Klageindustrie, Jury Prozessen, Contingency Fees und der Behandlung deutscher Unternehmen in den USA hat, erklärt uns, er habe nichts falsch gemacht und vermag keinen Stockfehler bei sich zu erkennen? Bei dem verheerenden Ausgang immer noch nicht?
      Hatte er nicht in Interviews erklärt, Monsanto halte höchste ethische Maßstäbe ein und sei ein ganz toll geführtes Unternehmen? Sagt er das immer noch, nachdem in vielen Ländern Listen mit unliebsamen Reportern, geführt von Monsanto, aufgetaucht sind?
      Wie sieht die Zukunft aus, wenn immer mehr Behörden oder Regierungen beschließen, dass Roundup und Glyphosat generell nicht mehr verwendet werden dürfen? Wo bleibt dann die wirtschaftliche Logik dieser Übernahme?
      Ohne Not hat er ein kerngesundes Unternehmen in die Krise geführt - zusammen mit Wenning.

      Baumann weigert sich beharrlich Verantwortung zu übernehmen und einzusehen, dass derjenige, der für so ein Desaster verantwortlich ist, zurücktreten muss - insbesondere nachdem ihm seine Aktionäre dies ganz klar gesagt haben.

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