Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Klaus Mangold Aufsichtsratschef von Knorr-Bremse: Im Schatten des Patriarchen

Klaus Mangold muss für den Münchener Zulieferkonzern wieder einen neuen Vorstandschef suchen. Eine heikle Aufgabe, denn es gibt einen mächtigen Mitspieler im Hintergrund.
10.09.2020 - 16:20 Uhr Kommentieren
Der Jurist und Volkswirt ist einer der letzten Vertreter der sogenannten Deutschland AG. Quelle: Bloomberg
Klaus Mangold

Der Jurist und Volkswirt ist einer der letzten Vertreter der sogenannten Deutschland AG.

(Foto: Bloomberg)

München Eigentlich könnte der Chefkontrolleur der Knorr-Bremse in diesen Tagen halbwegs beruhigt durchatmen. Wie die gesamte Zulieferindustrie hat die Coronakrise auch den Münchener Zulieferkonzern getroffen, der Umsatz lag im ersten Halbjahr um 15 Prozent unter Vorjahr. Doch mit einem Auftragsbestand fast auf Vorjahresniveau und einer operativen Rendite von 13 Prozent spielt der Weltmarktführer für Lkw und Zugbremsen auch jetzt in einer anderen Liga als der Rest der Branche.

Doch Klaus Mangold plagen andere Sorgen. Er braucht für die Knorr-Bremse wieder einmal einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Gerade vier Wochen ist es her, da musste Vorstandschef Bernd Eulitz das Unternehmen verlassen – wegen „tiefgreifender Meinungsverschiedenheiten zu Fragen der Führung und der aktiven Gestaltung unternehmerischer Belange“.

Dabei hatte Mangold den ehemaligen Linde-Manager im vergangenen Jahr selbst ausgesucht. Eulitz folgte auf Klaus Deller, den Knorr-Bremse 2019 wegen „unterschiedlicher Auffassungen von Führung und Zusammenarbeit“ verabschiedete. Es ist offenbar nicht leicht, bei Knorr-Bremse passendes Führungspersonal zu finden.

Dass Mangold selbst keinen leichten Job antritt, wusste der 77-Jährige, als er vor zwei Jahren den Aufsichtsratsvorsitz von Hans-Georg Härter übernahm, der aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten musste.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Kräfteverhältnisse sind ohnehin klar. Denn trotz des erfolgreichen Börsengangs im Oktober 2018 liegt die Mehrheit der Stimmrechte und die Macht weiter bei Heinz-Hermann Thiele. Der 79-jährige Unternehmer, der zuletzt auch als Lufthansa-Großaktionär Schlagzeilen machte, hat die marode Knorr-Bremse in den 1980er-Jahren gekauft und zu einem internationalen Technologiekonzern mit sechs Milliarden Euro Umsatz ausgebaut. Es ist sein Lebenswerk und es geschieht nicht viel in diesem Unternehmen, von dem der Mehrheitseigentümer keine Kenntnis hat.

    Thiele hat immer noch die Macht

    Dass er trotz Mangolds Führung die Fäden in der Hand behalten will, machte Thiele zur Hauptversammlung Ende Juni deutlich. Begnügte er sich vorher noch mit dem Titel „Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates“ mit beratender Funktion, so ließ er sich nun zurück in das Kontrollgremium wählen, formal als einfaches Mitglied.

    Die Rückkehr des Patriarchen war ein klares Signal an Vorstand und Aufsichtsrat, dass Thiele wieder durchgreifen will. Wenig später musste Eulitz gehen. Thiele hielt den von Mangold ausgesuchten Kandidaten für nicht für ausreichend durchsetzungsstark und krisenfest. Tatsächlich war es dem branchenfremden Eulitz nie gelungen, die so wichtige Klammerfunktion zwischen den beiden starken Spartenchefs Jürgen Wilder (Schiene) und Peter Laier (Nutzfahrzeuge) zu übernehmen. Mit der Übernahme von Wabco macht sich der Knorr-Rivale ZF Friedrichshafen daran, Knorrs starke Stellung bei LKW-Bremsen anzugreifen. Eine strategische Antwort aus München fehlt.
    Das wiederum wirft kein gutes Licht auf Mangold, der sich nach Eulitz Abgang zwei Monate gegeben hat, einen neuen Kandidaten zu finden. Eingeschaltet sind Personalberater, aber auch Mangolds Kontakte, die er sich über die Jahrzehnte aufgebaut hat. Möglicherweise kommt dieses Mal auch ein interner Kandidat zum Zug.

    Einer der letzten Vertreter der „Deutschland AG“

    Der Jurist und Volkswirt Mangold hat den Ruf eines Strippenziehers, er ist einer der letzten Vertreter der sogenannten Deutschland AG, einem Netzwerk aus gegenseitigen Abhängigkeiten, das über Jahrzehnte die Wirtschaft lenkte.

    In den 1980er-Jahren startete Mangold seine Karriere bei Rhodia, einer Tochter des französischen Chemiekonzerns Rhone-Poulenc und wurde 1991 im Wiedervereinigungsboom Chef der Quelle Schickedanz AG. Später wechselte er zur Daimler-Dienstleistungstochter Debis. Die entwickelte er unter anderem das Mautsystem Toll Collect, Mangold wurde anschließend Aufsichtsratschef des pannenbehafteten Systems.

    Von 2011 bis 2019 führte er zudem den Aufsichtsrat des Hannover Reisekonzerns Tui. Als langjähriger Vorsitzender des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft und Mitglied des „Petersburger Dialoges“ gehört er zu den Befürwortern enger wirtschaftlicher Beziehungen zu Russland – da ist er sich bis heute mit Thiele einig.

    Wie Thiele vertritt Mangold konservative Positionen in Fragen der Unternehmensführung, es ist die Welt der klaren Hierarchien und festen Handschläge.

    Anders als früher ist die Knorr-Bremse nun ein börsennotierter Konzern, der sich einer klaren Corporate Governance verpflichtet hat. Das ist für die Zukunft des Unternehmens ebenso wichtig wie dauerhaft gute Zahlen. Mangold muss deutlich machen, dass er den Aufsichtsrat führt und Herr der Verfahren ist. Dazu ist nun wieder einmal die Gelegenheit. Auch wenn die unrühmlichen Abgängen von Deller und Eulitz seine Mission einen neuen Chef für die Knorr-Bremse zu finden nicht einfacher machen.

    Mehr: Heinz Hermann Thiele stiftet wieder Unruhe – diesmal bei Knorr-Bremse.

    Startseite
    Mehr zu: Klaus Mangold - Aufsichtsratschef von Knorr-Bremse: Im Schatten des Patriarchen
    0 Kommentare zu "Klaus Mangold: Aufsichtsratschef von Knorr-Bremse: Im Schatten des Patriarchen "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%