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Kleines Etikett, großer Ärger - Wein aus Champagne im Kanton Waadt Champagne und das Recht am eigenen Namen

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Wenn das trotzdem nicht reicht, dann weiß der CIVC, dass sein langer Arm bis auf einen Louis-Seize- Schreibtisch mit scharlachroter Lederauflage reicht. Er steht im Elysée-Palast, der einst Madame Pompadour gehörte. Heute wohnt hier Jacques Chirac. Für den Präsidenten der Republik hört beim Champagner der Spaß auf.

„Der Schutz des Namens , das ist ein permanenter Kampf auf der ganzen Welt“, sagt Alain Fion, Repräsentant des CIVC in Deutschland. Die USA, China und Russland, das seien global betrachtet die Problemregionen. Den Namensschutz (siehe Kasten) versucht der CIVC mit Hilfe der EU durchzusetzen. Brüssel verhandelt dafür sowohl auf der Ebene der Welthandelsorganisation WTO als auch bilateral. Jüngst konnte mit Kanada ein Abkommen erreicht werden, dort ist Champagner ab 2014 geschützt.

Die USA aber bocken, seit zwei Jahrzehnten. Dabei geht es nicht nur um Champagner, sondern auch um andere regionale europäische Spezialitäten wie etwa Parma-Schinken oder Rheinwein. Doch Champagner ist das Reizthema schlechthin, wohl auch deshalb, weil alles, was sprudelt und nach Wein schmeckt, dort seit Generationen „Champagne“ genannt wird. In Europa hingegen habe man den „totalen Schutz“ des Namens bereits erreicht, lobt Nicolas Ozanam, der neue Generalsekretär des Champagnerverbands.

In ganz Europa? Nein, denn das kleine Dorf im äußersten Westen der Schweiz wehrt sich noch immer gegen die Macht im Reich des Schaumweins. Dabei war die Schampuslobby auch in der Alpenrepublik so gut wie am Ziel. Denn als die Schweizer im Rahmen einer Volksabstimmung den Beitritt zur EU verweigerten und die Union daher Ende der 90er-Jahre neue Vertragsverhandlungen mit den Eidgenossen begann, stand sehr schnell auch das Thema Champagne auf der Tagesordnung. Und was Schweizer Diplomaten zunächst ein „Agrarproblemchen“ nannten, sollte sich sehr bald als Problem von nationaler Tragweite entpuppen.

Es ist der 16. Juni 1999, eine jener nicht enden wollenden, schon fast heißen Frühsommernächte in Brüssel. Die bilateralen Verträge zwischen der EU und der Schweiz sind bereits fix und fertig, als es in den Verhandlungen ans Eingemachte geht. „Non“, sagen die Franzosen, „il est de Champagne mais il n’est pas du Champagne (der ist aus Champagne, aber es ist kein Champagner). Erst müsse der Name Champagne auf den Weinetiketten aus der Schweiz verboten werden, dann erst sei Staatspräsident Jacques Chirac bereit, die Verträge zu akzeptieren, wird der Schweizer Delegation bedeutet.

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