Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kleines Etikett, großer Ärger - Wein aus Champagne im Kanton Waadt Champagne und das Recht am eigenen Namen

Seite 3 von 3:

Es geht auf Mitternacht, die Telefone stehen nicht still, um den Druck noch etwas zu erhöhen, droht Paris damit, der Swissair Landerechte zu verweigern. Die Schweizer unter Staatssekretär Jakob Kellenberger winden sich, denn sie wissen, dass das Thema bereits emotional besetzt ist. Schließlich muss das Volk die Verträge billigen, per Volksabstimmung; und der Kampf der Schweizer Landbevölkerung gegen Großmachtallüren hat Tradition.

Stunden später sind die Eidgenossen weich geklopft, ab Juni 2004 muss Champagne von den Etiketten verschwinden, steht in einem der letzten Anhänge des gewaltigen Vertragswerkes. „Das ist uns verdammt schwer gefallen“, sagt ein Regierungsmitglied heute, der Fall läuft in der Schweizer Bundeshauptstadt seither als „Dossier der letzten Nacht“. „Mein Vater kauft den Wein jetzt kistenweise – aus Nationalstolz“, erzählt ein Beamter in Bern.

Bis heute heißt es, vor allem die Swissair habe den Abschluss ermöglicht. Zur Beschwichtigung des Volkszorns versprach die Schweizer Nationalairline – an zusätzlichen Flugverbindungen mehr als rege interessiert –, die Hälfte der Weinernte aus Champagne in ihren Flugzeugen auszuschenken. Das geschah zunächst auch, dann aber ging die Swissair Pleite. An Bord des Nachfolgeunternehmens Swiss gibt es jetzt Chardonnay aus dem Tessin. Die Leute aus Champagne aber wollten die Schmach nicht auf sich sitzen lassen. Und so gründeten sie einen Verein und begannen, Franken für ihre guten, alten Namen zu sammeln.

Als sie 60 000 Franken beisammen hatten, übergaben sie ihren Fall an den Brüsseler Anwalt Denise Waelbroeck, Mitglied der britischen Kanzlei Ashurst. Der Anwalt gilt als Spezialist für Kniffliges und stritt unter anderem gegen die französischen Atomversuche im Pazifik.

„Das ist ein lustiges Verfahren“, sagt er zum Fall Champagne. Auch die Richter in Luxemburg muss Wein-David gegen Schaumwein-Goliath amüsiert haben. Trotz massiver Interventionen der Franzosen hat das Europäische Gericht in erster Instanz den Fall akzeptiert. Aus Brüsseler Kreisen heißt es, dies sei ein Präzedenzfall, noch nie habe es eine einzelne Gemeinde vermocht, gegen einen Staatsvertrag erfolgreich zu klagen. Noch in diesem Jahr soll das Urteil fallen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen