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Klimaschutz Der Kampf gegen die Thermodynamik – Wie BASF seine CO2-Bilanz verbessern will

Als erstes Chemieunternehmen hat sich die BASF das Ziel gesetzt, ihre Produktion künftig CO2-neutral auszubauen. Dabei stößt der Konzern an Grenzen.
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Wie BASF seine CO2-Bilanz verbessern will Quelle: AP
BASF in Ludwighafen

Der Chemieriese emittiert immer noch viel CO2.

(Foto: AP)

LudwigshafenDer Kampf gegen CO2 gewinnt für die Chemiebranche, und damit auch für den Branchenführer BASF, zusehends an Bedeutung. Denn die Chemie basiert zu einem maßgeblichen Teil auf dem Rohstoff Kohlenstoff, wovon wiederum ein beträchtlicher Teil wieder als CO2 in die Atmosphäre ausgestoßen wird. Die Reduktion des CO2-Ausstoßes definiert die BASF daher auch als einen neuen übergreifenden Schwerpunkt für ihre Forschungsstrategie.

Druck in diese Richtung entfalten dabei nicht nur die auf politischer Ebene gesetzten globalen Klimaziele. Auch für die Abnehmer der Chemieprodukte gewinnen Themen wie Nachhaltigkeit und CO2-Bilanz immer größere Bedeutung. „Das Thema Nachhaltigkeit ist wahrscheinlich der große Innovationstreiber in der Zukunft“, so BASF-Chef Martin Brudermüller. „Wir haben immer mehr Kunden, die mit Innovationsthemen zu uns kommen, die mit dem Aspekt Nachhaltigkeit verbunden sind.“ 

Brudermüller warnt indessen vor der Idee einer „Dekarbonisierung“ der Chemieindustrie. Denn der Löwenanteil der Produkte der Branche besteht zu einem erheblichen Teil aus Kohlenstoff. „Wir können und sollten nicht auf Kohlenstoff verzichten, aber wir sollten das vernünftig managen“, so Brudermüller auf der Forschungs-Pressekonferenz des Chemieriesen.

Im Falle von BASF entfällt etwa die Hälfte des Rohstoffbedarfs auf Kohlenstoff, der dabei in Form von Rohbenzin (Naphtha) und Erdgas in die Produktion einfließt. Davon wiederum verbleiben drei Viertel in den Chemieprodukten des Konzerns, während rund ein Viertel des Kohlenstoffs den Produktionsprozess wieder in flüchtiger Form als CO2 verlässt.

Was diese CO2-Emissionen betrifft, kann der Konzern für die letzten drei Jahrzehnte bereits erhebliche Erfolge vorweisen, vor allem dank seiner eng vernetzten Verbundstruktur in der Produktion. So habe sich seit 1990 der Ausstoß von 40 auf rund 22 Millionen Tonnen pro Jahr halbiert, während man die Produktion im gleichen Zeitraum verdoppelte. Pro produzierte Tonne an Chemikalien haben sich damit laut BASF die CO2-Emissionen von 2,2 auf 0,6 Tonnen reduziert. Bis 2030 will der Konzern nun den Ausstoß weiter auf 0,4 Tonnen CO2 je Tonne Produktion reduzieren.

Brudermüller, der in Personalunion als „Chief Technology Officer“ auch für die Forschung der BASF zuständig ist, geht davon aus, dass dieses Ziel mit klassischen Optimierungen im Produktionsprozess alleine kaum erreichbar sein wird.

Zusätzlich seien deutliche und nachhaltige Verbesserungen und damit auch sprunghafte Innovationen in den Herstellverfahren nötig. Der entscheidende Hebel besteht dabei aus Sicht des BASF-Chefs darin, den Anfall von CO2 zu reduzieren oder komplett zu vermeiden. Die Nutzung von CO2 als Rohstoff dagegen bietet aus seiner Sicht nur sehr begrenztes Potenzial, wobei die BASF auch in diesem Bereich an einzelnen Projekten arbeitet.

Global werden nach Schätzung der BASF bisher zwar bereits etwa 150 Millionen Tonnen CO2 in der Chemie verarbeitet, davon 115 Millionen Tonnen in der Herstellung von Harnstoff, einem Produkt, das relativ große Ähnlichkeit mit CO2 hat.

Kohlendioxid auf breiterer Basis als Rohstoff zu nutzen, macht aus Sicht von Brudermüller wenig Sinn. Vor allem der sehr hohe Energiebedarf, der nötig ist, um CO2 aufzuspalten, stehe dem entgegen. „Die Atome fühlen sich im CO2 sehr wohl, weil sie sehr energiesparend angeordnet sind. Und wir können die Thermodynamik nicht austricksen.“

Erfolgversprechendere Ansätze sieht der Chemiekonzern dagegen darin, den relativ hohen Energiebedarf der Chemieproduktion auf nachhaltige Energiequellen umzustellen, also etwa Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Immerhin entfällt im Falle der BASF fast die Hälfte des CO2-Ausstoßes schlicht auf die Kraftwerke, die Prozesswärme und Elektrizität für die Produktion produzieren.

Die Umstellung auf erneuerbare Energien könnte daher einen erheblichen Effekt auf die CO2-Bilanz haben. Das Problem dabei: Unter heutigen Bedingungen würden die Energiekosten für den Chemieriesen drastisch ansteigen und die Wettbewerbsfähigkeit gefährden. „Wir brauchen daher auch eine politische Diskussion über die Rahmenbedingungen“, so Brudermüller. „Wir brauchen Rahmenbedingungen, die unsere Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Kontext erhalten.“ Dass sich die BASF selbst in der Produktion von Strom aus nachhaltigen Quellen engagieren könnte, ist für den BASF-Chef indessen kein Thema.

Was die eigenen Produktionsprozesse angeht, verfolgt der Konzern unterdessen diverse Einzelprojekte, um Energiebedarf und CO2-Ausstoß zu reduzieren. Zu den wichtigen Hoffnungsträgern gehört etwa das Projekt, die besonders energieintensiven Steamcracker, also Anlagen zur Aufspaltung von Rohbenzin in Basischemikalien, künftig elektrisch aufzuheizen.

Gemeinsam mit Kooperationspartnern arbeitet BASF außerdem an einer neuen Technologie zur Herstellung von Wasserstoff aus Erdgas. Das könnte die bisher sehr energieaufwendige Produktion mittels Elektrolyse ersetzen. Große Mengen an Wasserstoff benötigt die BASF unter anderem für die Ammoniakproduktion.

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