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Kokainmissbrauch in Japan VW-Manager wegen Drogenvorwürfen verhaftet

Selbst der Konsum kleiner Mengen Hasch kann in Japan zu mehrjährigen Freiheitsstrafe führen. Nun wird einem deutschen VW-Manager sogar Kokainmissbrauch vorgeworfen, den er bereits zugeben haben soll.
15.06.2017 - 13:26 Uhr Kommentieren
Der Autokonzern hat sich öffentlich für die Verhaftung eines Managers entschuldigt. Quelle: dpa
VW auf der Automesse in Tokio

Der Autokonzern hat sich öffentlich für die Verhaftung eines Managers entschuldigt.

(Foto: dpa)

Tokio Volkswagen kommt auch in Japan nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus. Doch zur Abwechslung ist nicht der Emissionsbetrug bei Dieselmotoren der Grund, sondern ein Drogenfall im Management. Thomas S., ein hochrangiger Manager der Volkswagen-Gruppe Japan, ist am Mittwoch unter dem Vorwurf des Drogenkonsums verhaftet worden. 

Wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Polizei berichtete, wird ihm vorgeworfen, diesen Monat in Tokio oder der näheren Umgebung Drogen genommen zu haben. S. habe den Konsum von Kokain zugegeben, aber die Einnahme anderer illegaler Rauschmittel verneint, so die Polizei. Die Beamten durchsuchten bereits seine Wohnung und prüfen nun, wie der deutsche Manager an die Drogen gekommen ist. 

Volkswagen reagierte sofort auf die Nachricht und verbeugte sich – wie in Japan üblich – schriftlich tief vor seinen Kunden. „Wir bedauern zutiefst die Tatsache, dann ein Angestellter unseres Unternehmens für eine persönliche Angelegenheit in Polizeigewahrsam genommen wurde“, schreibt der Konzern in einer kurzen Presseerklärung. Und damit ist VW gut beraten. Denn in einem Land, in dem selbst der Besitz von einem halben Gramm Hasch schon zu Haftstrafen führen kann, hat der Konsum von Kokain erst recht ernsthafte Konsequenzen.

Denn bei Drogen kennt die Polizei in Japan kein Pardon. Seit Jahrzehnten verfolgt Japan eine Nulltoleranzpolitik gegenüber Drogen und auch Arzneimitteln, die Opiate oder andere aufputschende Mittelchen enthalten. Und schon das Polizeigewahrsam ist hart. Verdächtige können bis zu 23 Tage lang von der Polizei verhört werden, bevor sie dem Haftrichter vorgeführt werden. 

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    Die harte Haltung wird auch Ausländern immer wieder zum Verhängnis, die einen lockeren Umgang mit Rausch- und Betäubungsmitteln gewöhnt sind. Und S. kann nur hoffen, dass er so glimpflich davonkommt wie zwei prominente ausländische Missetäter. Beatles-Star Paul McCartney verbrachte 1980 neun Tage hinter Gittern, weil er Marihuana im Tourgepäck hatte. Und 2015 wurde Toyotas erste ausländische Pressechefin Julie Hamp verhaftet. Denn ihr Vater hatte ihr in einem Paket neben Schmuckkettchen auch 57 Pillen des Schmerzmittels Oxycodon geschickt, das in den USA oft als Rauschmittel missbraucht wird.

    Die Drogen der Manager
    Leistungspillen
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    „Unternehmer und Manager neigen wie andere Leistungseliten dazu, ihre persönlichen Grenzen mit Pillen erweitern zu wollen“, sagt Professor Curt Diehm, Ärztlicher Direktor der Max-Grundig-Klinik in Bühl. Seit Jahrzehnten werden dort Führungskräfte der Wirtschaft behandelt. Diehm hat den Eindruck, dass angesichts des zunehmenden Drucks in den Unternehmen die Bereitschaft wächst, an den Giftschrank zu gehen, um die Leistungs- und Schaffenskraft erhöhen. Im Folgenden beschreiben Ärzte der Max-Grundig-Klinik die gängigen Dopingmittel von Managern – und deren Gefahren.

    (Foto: dpa)
    Benzodiazepine
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    Präparate wie Tavor, Valium oder Lexotanil, die zur Gruppe der Benzodiazepine gehören, sind schon lange in Managerkreisen im Einsatz. Es handelt sich um hochwirksame Beruhigungsmittel und Angstlöser. Vor allem Tavor ist in den Führungsetagen in den USA – aber zunehmend auch in Deutschland – weit verbreitet. Doch Vorsicht: Tavor und andere Benzodiazepine machen in relativ kurzer Zeit abhängig und können bei langfristiger Einnahme ernsthaft schädigen. Tavor sollte allenfalls als Notfallmedikament, etwa bei akuter schwerer Stressbelastung oder schwerwiegenden Schlafstörungen, genommen werden – und dann unbedingt in Absprache mit einem Arzt, mahnt Dr. Susanne Krömer, Leiterin der Psychosomatischen Abteilung der Max-Grundig-Klinik.

    (Foto: dpa)
    Melatonin
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    Manager, die viel um die Welt jetten, wollen mit dem Schlafhormon Melatonin ihren verschobenen Tag-Nacht-Rhythmus ins Gleichgewicht bringen. Ab einem Alter von 55 Jahren ist Melatonin auch zur Behandlung von generellen Schlafstörungen zugelassen. „Wenn auch nicht so schädigend wie Tavor, ist auch das verschreibungspflichtige Melatonin keineswegs harmlos“, sagt Professor Diehm. Langzeitstudien über die Nebenwirkungen fehlen bislang.

    (Foto: imago)
    Neuro-Enhancer
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    Neuro-Enhancer, auch „Doping fürs Gehirn“ genannt, liegen im Trend. Präparate wie Ritalin oder Modafinil erhöhen die kognitive Leistungsfähigkeit. Sie machen wacher, konzentrierter und verbessern das Gedächtnis. „Insofern sind Neuro-Enhancer ideale Managerdrogen, die tatsächlich in erheblichem Umfang eingesetzt werden“ , stellt Professor Diehm fest. Auch Amphetamine – aus der Partyszene als Speed oder Pep bekannt – gehören zu dieser Kategorie von Präparaten. Amphetamine werden vornehmlich in Branchen konsumiert, die durch intensive Projektarbeit geprägt sind. Außerdem von jüngeren Managern der mittleren Ebene. Stehen bei Unternehmensberatungen oder Werbeagenturen Deadlines an, sind oft Ritalin, Modafinil oder Amphitamine im Einsatz. „Ein Problem ist, wieder runterzukommen, oft finden Patienten kaum noch Schlaf“, beobachtet Dr. Krömer. Andere Nebenwirkungen reichen laut Professor Diehm, von Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Herzrhythmusstörungen bis zu Angstzuständen. Präparate, die die Psyche stimulieren, können auch das Verhalten verändern. Eher ruhige Zeitgenossen agieren plötzlich euphorisch. Amphetamine machen darüber hinaus abhängig.

    (Foto: imago)
    Kokain
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    Die Wirkung von Kokain lässt sich mit der von Neuro-Enhancern vergleichen, bei dieser Droge kommt jedoch noch der soziale Faktor hinzu. Gerade in Branchen, in denen Führungskräfte immer funktionieren müssen, wo hoher Leistungsdruck herrscht, ist der Konsum von Kokain kein Tabu. So gilt der Bankenplatz Zürich, das Investmentbanking in London und andere Zentren von Macht und hohem Einkommen als besonders durchdrungen. Dr. Krömer: „Man sollte sich über die Verbreitung von Kokain nichts vormachen. Es handelt sich nicht nur um eine Partydroge, wenn schon auf den Toiletten des Deutschen Bundestages erhöhte Mengen nachgewiesen wurden.“ Die große Gefahr: Regelmäßiger Konsum führt in die Abwärtsspirale der Sucht. Dabei nehmen Banker, Berater und Manager oft über Jahre Kokain, ohne dass ihr Umfeld diesen Missbrauch entdecken würde. Bis zum Zusammenbruch.

    (Foto: dpa)
    Anti-Depressiva
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    Führungskräfte nehmen bisweilen Medikamente wie Cipralex, Zoloft oder Mirtazapin ein, die eigentlich für die Behandlung von Depressionen entwickelt wurden. Die Erwartung ist, dass diese Mittel die Stimmung heben, den inneren Antrieb verbessern und als „Glücklichmacher“ wirken. Das tun die Pillen aber nicht. Die Präparate sind teilweise exzellent geeignet, Depressionen in den Griff zu bekommen – immerhin 20 Prozent der Bevölkerung und damit auch 20 Prozent der Manager haben zumindest einmal im Leben eine depressive Phase. Bei Menschen ohne diese Krankheit aber so gut wie gar nicht, so die Ärzte der Max-Grundig-Klinik. Auch ein selbst diagnostiziertes Burn-out-Syndrom mit Antidepressiva zu bekämpfen, sei wenig sinnvoll, sagt Dr. Krömer. Unter ärztlicher Aufsicht können Antidepressiva möglicherweise dazu dienen, Schlaflosigkeit zu lindern, haben über einen längeren Zeitraum aber die Nebenwirkung, dass sie zu Gewichtszunahme führen.

    (Foto: dpa)
    Alkohol
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    Nach dem Messebesuch ein paar Absacker an der Hotelbar? „Früher war Alkohol quasi das Einzige, was Führungskräfte sozial akzeptiert auch in größeren Mengen konsumieren konnten,“ sagt Professor Diehm. Zwar kann Alkohol Spannungen reduzieren, Stress abbauen und in Maßen auch das Einschlafen beschleunigen. Die negativen Effekte auf Leistung und Wohlbefinden sind jedoch erheblich: Schon der regelmäßige Konsum von mehr als einem Glas Bier oder Wein am Tag schädigt alle Organe, insbesondere Hirn und Leber, warnen die Mediziner. Der Kater lähmt die normalen Alltagstätigkeiten, und zu viel Alkohol am Abend führt zu Durchschlafstörungen. Professor Diehm: „Unter dem Leistungsaspekt ist die Bilanz von Alkohol, jenseits von kleineren Mengen, also wenig berauschend.“ Bei langem hohem Alkoholkonsum ist der körperliche und geistige Verfall irreversibel. Zum Stressabbau am Abend rät Dr. Krömer zu einer Einheit Sport als wesentlich klügerer Alternative – allerdings nicht unmittelbar vor dem Schlafen.

    (Foto: dpa)

    Hamps Fall zeigte allerdings bei aller Härte auch, dass Japans Staatsanwälte einen großen Ermessensspielraum dabei haben, ob sie einen Fall vor Gericht bringen oder nicht. In ihrem Fall verzichteten die Ermittler darauf und setzten die Führungskraft nach der Haft direkt in ein Flugzeug gen USA. Hinter der Milde stand vielleicht auch gutes Zureden der US-Botschaft. Aber Rechtsexperten glaubten, dass die Ermittler wohl auch die soziale Bestrafung von Hamp als abschreckend genug ansahen, um sie ziehen zu lassen. 

    Sie hatte zwar anfänglich geleugnet, dass sie die Pillen mit Absicht einschmuggeln wollte. Doch sie quittierte von sich aus ihren Job. Außerdem konnten die Ermittler Toyota vorführen: Die Polizei durchsuchte Büros des Konzerns. Und Konzernchef Akio Toyoda sah sich gezwungen, sich persönlich für die Verwirrung zu entschuldigen, die der Fall gestiftet hatte. 

    Die gute Nachricht für VW: Anders als der Dieselskandal wird dieser Fall VWs Absatz wohl kaum treffen. Aber für S. muss sich zeigen, ob er genauso milde davon kommt wie Hamp und ohne Anklage ausreisen darf.

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