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Kommentar Der Aufsichtsrat von Volkswagen korrigiert eine krasse Fehleinschätzung

Die Konzernaufseher haben Winterkorn einst im Dieselskandal entlastet. Nun sollen er und weitere Manager doch haften – eine überfällige Entscheidung.
26.03.2021 - 17:49 Uhr Kommentieren
Die beiden ehemaligen Spitzenmanager des Volkswagen-Konzerns sollen in Haftung treten – ein längst überfälliger Schritt. Quelle: dpa
Rupert Stadler und Martin Winterkorn

Die beiden ehemaligen Spitzenmanager des Volkswagen-Konzerns sollen in Haftung treten – ein längst überfälliger Schritt.

(Foto: dpa)

Endlich ist es so weit: Nach einer langen, zähen Prüfung hat der Volkswagen-Konzern angekündigt, mehrere Ex-Vorstände für das Dieseldebakel in Regress zu nehmen. In vorderster Reihe stehen Ex-Konzernboss Martin Winterkorn und der einstige Audi-Chef Rupert Stadler. Auch einigen anderen früheren Topmanagern will der Autobauer ans Portemonnaie.

Es ist nicht überraschend, dass der Volkswagen-Aufsichtsrat so entschieden hat. Der zivilrechtliche Schritt ist logisch, wenn nicht gar zwingend. Zu offensichtlich sind die Pflichtverletzungen, die sich die ehemaligen Vorstände vorwerfen lassen müssen. Die Staatsanwälte sind davon überzeugt, dass die Manager Teil des Betrugssystems waren oder zumindest bei der Aufklärung versagt haben. Winterkorn steht bald in Braunschweig vor Gericht, der Strafprozess gegen Stadler in München läuft bereits.

Selbstverständlich gilt für die Angeklagten die Unschuldsvermutung und der Ausgang der Verfahren ist offen. Doch im Zivilrecht sind die Hürden für eine Haftung viel niedriger als in einem Strafverfahren. Das heißt: Unabhängig davon, ob Winterkorn, Stadler und die anderen strafrechtlich verurteilt werden, sind sie aller Wahrscheinlichkeit nach haftbar, weil sie ihre Pflichten als Vorstände verletzt haben.

Zu diesem Ergebnis kommt auch die Kanzlei Gleiss Lutz, die im Auftrag des Aufsichtsrats jahrelang recherchierte, prüfte und Interviews führte. Ihr Ergebnis hat sie in einem rund 2000 Seiten starken Gutachten zusammengefasst. Auch taktische Gründe dürften eine Rolle dafür gespielt haben, dass die Entscheidung erst jetzt gefallen ist – mehr als fünf Jahre nach Bekanntwerden des Dieselskandals am 18. September 2015. Schließlich sah sich der Konzern mit unzähligen Klagen von Verbrauchern und Aktionären konfrontiert, denen man möglichst lange keine zusätzlichen Argumente liefern wollte.

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    Fatale Fehleinschätzung

    Winterkorn konnte sich nach der Enthüllung der US-Umweltbehörde im Herbst 2015 nur noch wenige Tage im Amt halten. Am 23. September trat er zurück – mit einer Ehrenerklärung des Aufsichtsratspräsidiums in der Tasche. Das Präsidium dankte Winterkorn für „seine überragende Leistung in den vergangenen Jahrzehnten und für die Bereitschaft, in der derzeit kritischen Situation Verantwortung zu übernehmen“. Diese Einstellung sei „beispielhaft“. Man stelle fest, „dass Herr Professor Dr. Winterkorn keine Kenntnis hatte von der Manipulation von Abgaswerten“.

    Diese Worte haben sich als fatale Fehleinschätzung erwiesen. Mit seiner Entscheidung, die Vorstände nun doch in Anspruch zu nehmen, hat der Aufsichtsrat sich selbst korrigiert. Es war ein überfälliger und notwendiger Schritt – auch um sich nicht selbst angreifbar zu machen.

    Mehr: Warum der Aufsichtsrat von VW Schadensersatz von seinen Ex-Vorständen verlangt.

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