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Kommentar Elon Musks Wutausbrüche werden einem Visionär nicht gerecht

Der Chef von Tesla greift erst Analysten, dann Journalisten an. Pauschale Polemik hätte man von solch einem Visionär nicht erwartet.
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Tesla-Chef Elon Musk holt zum Rundumschlag aus. Damit tut er sich keinen Gefallen. Quelle: Reuters
Schmollender Visionär

Tesla-Chef Elon Musk holt zum Rundumschlag aus. Damit tut er sich keinen Gefallen.

(Foto: Reuters)

New YorkBereits der griechischen Autor Plutarch erkannte vor 2000 Jahren: Menschen mögen keine schlechten Nachrichten, und zwar so sehr, dass sie den Überbringer gleich mit verantwortlich machen.

Diesen Trugschluss begeht jetzt auch Elon Musk. Der Tesla-Chef beschimpfte am vergangenen Mittwoch Journalisten und „große Medienunternehmen“ als nicht seriös, weil abhängig von Anzeigengeld.

Der Wutausbruch war kein Einzelfall, vor wenigen Wochen flippte Musk in einer Telefonkonferenz aus und beschimpfte Analysten für ihre „langweiligen, dummköpfigen“ Fragen.

Einige seiner Kritikpunkt sind richtig, laufen aber im Gesamten ins Leere. Anders kann es bei einer Pauschalkritik kaum sein. So stammt ein kritischer Bericht von Reveal über die Arbeitsbedingungen in der Tesla-Fabrik von einer Stiftung für investigativen Journalismus, die per Satzung nicht von Werbegeld abhängig ist.

Mit dem Argument konfrontiert, wich Musk aus – deren Journalisten seien „nur einige reiche Kinder in Berkeley, die ihren Politikprofessor zu ernst genommen haben“. Der Hinweis auf kritische Berichterstattung vom „Wall Street Journal“ gegen Anzeigenkunden sei nur die „Ausnahme von der Regel“.

Keine Frage, der Druck, der auf Musks Schultern lastet, ist enorm. Aber die Ausfälle enttäuschen trotzdem gewaltig. Musk ist ein genialer Geschäftsmann, Vordenker und vor allem Logiker.

Wieder und wieder ließ er sich nicht von dem Getöse in der Welt ablenken und fand das Signal, den richtigen Weg zum Erfolg: Sei es, mit Paypal das Bezahlen im Internet einzuführen, Raketen preiswerter herzustellen oder Elektroautos marktfähig zu machen.

Der Erfolg von Musk basiert auf seinem „First Principle“-Denken, das der Logik der Physik folgt und nicht etwa den herrschenden Ansichten. Ein Beispiel: 2002 wollte Musk eine Rakete kaufen, allerdings waren die ihm zu teuer.

Die Materialen für eine Rakete beliefen sich nur auf zwei Prozent des Preises, rechnete er aus – also baute er mit Space X selbst welche. Das Ergebnis bekommen Boeing oder Lockheed Martin derzeit zu spüren.

Musk ist also ein unabhängiger Denker. Da schmerzen seine Ausfälle besonders. Zwar verstoßen sie gegen die herrschende Norm, sind aber logisch wenig kohärent. Sie bei Psychologen als Ad hominem-Irrtum bekannt, Amerikaner bezeichnen etwas weniger hochtrabend als „Shoot The Messenger“. 

Die „Beweisrede zum Menschen“ ist ein Scheinargument, in dem die Position oder These eines Gegners durch einen Angriff auf dessen persönliche Umstände angefochten wird. Die Kunst des Argumentum Ad Hominem beherrscht kaum jemand so gut wie Donald Trump, verschaffte es dem Geschäftsmann den Einzug ins Weiße Haus.

Musk ist nun nicht Trump. Das macht es aber umso enttäuschender. Als in den vergangenen Jahren viele Medien Tesla und Musk stellenweise hofierten oder zu jubelten, da beschwerte sich Musk nicht. Statt auf die Botschafter zu schießen, sollte sich Musk um seine Produktionsprobleme kümmern Immerhin übernachtet er ja sogar neben dem Fließband, um mehr Zeit zu haben. Die sollte er nicht mit Dutzenden Twitter-Einträgen verschwenden.

Musk fühlte sich nach den Ausfällen so gut wie lange nicht mehr, schrieb er. Das mag sein, aber sie helfen ihm langfristig wenig. Das Problem mit Ad Hominem muss ihm in einer ruhigen Stunde klar werden.

Schon Plutarch beschrieb, wie Tigranes der Große nach dem Töten des Botschafters in der Tat keine schlechten Nachrichten mehr erhielt – weil niemand es wagte, ihm sie zu überbringen.

„Tigranes saß dort, mitten in den Flammen um ihn, ohne davon zu wissen“, schreibt Plutarch. Nur eine offene und transparente Unternehmensführung bringt Erfolg, wildes um sich schlagen dagegen lässt echte Zweifel aufkommen.

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