Warnstreik bei VW in Wolfsburg

Die Gewerkschaft nutzt die Gunst der Stunde – und handelt ein üppiges Tarif-Paket aus.

(Foto: dpa)

Kommentar VW-Belegschaft wäre besser bescheidener gewesen

Eine Tariferhöhung über der Inflationsrate: Angesichts der nötigen Investitionen hätten sich die VW-Beschäftigten mit weniger zufrieden geben müssen.
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DüsseldorfAn einer offenen Konfrontation zwischen Unternehmen und Belegschaft hat bei Volkswagen im Moment niemand ein Interesse. Deshalb ist auch der aktuelle Streit um den neuen Haustarifvertrag für die rund 120.000 westdeutschen VW-Beschäftigten ziemlich schnell zu Ende gegangen.

Volkswagen hat derzeit noch genügend andere Sorgen. Der Dieselskandal ist noch lange nicht zu den Akten gelegt, und wie die anderen deutschen Automobilhersteller muss sich auch Volkswagen den Megatrends Elektroantrieb und Digitalisierung stellen. Ruhe an der Tariffront ist in einer solchen Situation ein erstrebenswertes Ziel.

Allerdings ist es auch recht teuer erkauft. Volkswagen übernimmt im Wesentlichen den zwei Wochen alten Flächentarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie.

Die Tariferhöhung von 4,3 Prozent liegt deutlich über der Inflationsrate. Dazu kommen die erhöhten Zahlungen des Unternehmens für die betriebliche Altersvorsorge und das neue „tarifliche Zusatzgeld“, das in sechs zusätzliche Tage Freizeit eingetauscht werden kann.

Die VW-Beschäftigten müssen sich also nicht beschweren, die IG Metall hat für sie ein ordentliches Paket aus Geld und zusätzlichen betrieblichen Leistungen ausgehandelt. Die Gewerkschaft nutzt dabei die Gunst der Stunde.

Denn natürlich gilt auch für Volkswagen der grundsätzliche Trend: Den Unternehmen in Deutschland geht es ziemlich gut, die Auftragsbücher sind ordentlich gefüllt. Besonders die Automobilhersteller melden einen Rekord nach dem anderen, Volkswagen hat seinen Titel als weltgrößter Autokonzern verteidigt.

Auf dem Heimatmarkt in Deutschland sorgt die Diskussion um den Diesel zwar für den einen oder anderen Schönheitsfehler. Doch viel wichtiger ist das internationale Geschäft. Und auf diesem Feld sieht es glänzend für Volkswagen aus.

So stellt VW sich die Zukunft vor
Mehr von Moia
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Zwölf Monate lang hat die Mobilitätsmarke Moia ein Konzept ausgearbeitet, wie VW sich die Mobilität in den Megametropolen vorstellt. Auf der „Techcrunch“-Konferenz in Berlin zeigt die Marke ein Konzept, das intern unter dem Arbeitstitel „Pluto“ entwickelt wurde. Ein Fahrzeug, mit dem VW den großen Mobilitätsdiensten den Rang ablaufen will.

Ein Bulli für alle
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Äußerlich erinnert das neue Auto an VW-Nutzfahrzeuge wie den Crafter. Doch optimiert wurde es für den Personenverkehr in der Stadt. Anders als die meisten anderen Transporter von VW soll er rein elektrisch fahren.

Zum Zusteigen
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Der Fahrgast ordert das Shuttle per App. Auf dem Weg zum Ziel ermitteln Algorithmen, welche weiteren Fahrgäste auf der Route eingesammelt und befördert werden können.

Großraumtaxi
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Bis zu sechs Passagiere haben Platz im Pluto. Der Pooling-Algorithmus sorge so dafür, dass die Auslastung der Fahrzeuge steige und Umwege und Leerfahrten vermieden würden.

Mehr Komfort
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An Bord können auch elektrische Geräte per USB-Kabel aufgeladen werden, es gibt ein dimmbares Leselicht und Wlan gibt es an Bord kostenfrei.

Mehr Beinfreiheit
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Die Sitze lassen sich verstellen und bieten fast so viel Beinfreiheit wie in der U-Bahn.

Weniger zahlen als im Taxi
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Die Preise sollen zwischen denen für ein Ticket im Öffentlichen Personennahverkehr und einer Taxifahrt liegen.

Das Wachstum in China geht unverändert weiter, in den USA hat sich der Konzern von der Dieselaffäre bereits erholt. Und auf wichtigen Märkten wie Brasilien und Russland sind die konjunkturellen Krisen vergessen.

Volkswagen-Beschäftigte könnten schnell zu dem Glauben gelangen, dass es in Wolfsburg nie eine Dieselkrise gegeben hätte. Am Freitag wird der VW-Konzern sein vorläufiges Jahresergebnis für 2017 vorlegen. Es dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit das beste Resultat in der Volkswagen-Geschichte sein. Solch gute Zahlen verleiten zu der Auffassung, dass es bei Volkswagen keinen Reformbedarf gebe.

Doch weit gefehlt. Die letzten Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe an Dieselkunden sind noch nicht geflossen. Zugleich werden Elektrifizierung und Digitalisierung in den nächsten fünf Jahren mehr als 30 Milliarden Euro verschlingen.

Angesichts solcher Summen wäre ein wenig mehr Bescheidenheit auf Seiten der Belegschaft nicht das Schlechteste gewesen. Zusätzliche Investitionen in gewaltiger Milliardenhöhe bedeuten auch Arbeitsplatzsicherheit. Ein Punkt, auf den in Wolfsburg bestimmt niemand so schnell verzichten möchte.

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10 Kommentare zu "Kommentar: VW-Belegschaft wäre besser bescheidener gewesen"

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  • Was soll das? Erstens: Es steht genug Geld zur Verfügung. Zweitens: Der Vorstand genehmigt sich einen großen Schluck trotz Skandale. Drittens: Die Laufzeit. Viertens: Die tatsächliche Inflation liegt deutlich höher. 1,8% sind absolut realitätsfremd, wenn mal sich mal verstärkt auf die tatsächlichen Dinge des täglichen Bedarfs konzentriert. Lebensmittel, Mieten, Strom... Und schließlich nehme ich hier noch einen bereits abgegebenen Kommentar mit auf: Die Gewerkschaften sollten mal besser in Berlin auf die Barrikaden gehen. Die Steuereinnahmen sind auf Rekordniveau. Wenn man schon keine Vorsorge für die nächsten Generationen leistet, dann sollte man das Geld bitte nicht mit vollen Händen sinnlos verprassen sondern vielleicht dem zurückgeben, der sich hierfür tatsächlich den Allerwertesten aufreißt. Aber um hier mal auf den Putz zu hauen scheinen sowohl Gewerkschaften als auch viele in unserem Volk einfach nur zu bequem oder (hoffentlich nicht) zu dämlich zu sein.

  • In Duetschland gibt es aus Arbeitgebersicht immer einen Grund, warum die Belegschaft am besten ganz auf Lohnerhöungen verzichten sollte (oder noch besser: umsonst arbeiten). Diese Spielchen sind bekannt. Lassen sich nur (und gerade im Fall von VW) leider gar nicht mit dem sonstigen Verhalten der Arbeitgeber in Einklang bringen.

    Wo Vorstände und Aufsichtsräte mit schlechtem Beispiel voran gehen, ist es ein absolutes Unding, ausgerechnet immer von den wirklichen Leistungsträgern dieses Landes vornehme Zurückhaltung zu fordern. Und wenn Geld für Investitionen gebraucht wird, müssen eben die Eigentümer mal ein wenig auf Gewinnentnahmen (sprich Dividenden) verzichten oder mal wieder eine Kapitalerhöhung machen. Es geht schließlich um die Zukunft IHRES Unternehmens.

    Gerade bei VW sollte man nicht vergessen, wo das Geld denn geblieben ist und wer für den Aderlass die Verantwortung trägt!

  • Wären Gewerkschaftsbonzen intelligenter, und die von ihnen zu Vertretenden auch, dann würden sie sich für niedrigere Steuern und Abgaben einsetzen und dafür demonstrieren. SO wird halt dem Unternehmen geschadet, und die Preisspirale dreht sich weiter. Kassieren wird "der Staat", der unser Geld dann weiter verplempern kann.

  • Wie viel liegt denn 4,3% über der Inflationsrate von sagen wir aktuell ca. 1,8%. Die Laufzeit des Tarifvertrags beträgt doch 27 Monate, nicht zu vergessen. Angenommen die Inflation bliebe in etwa gleich, sind wir über den Daumen dann wohl bei >3,5% über die Laufzeit. Um die Preissteigerung dann auszugleichen muss das Nettogehalt betrachtet werden (ich muss jedenfalls von einem versteuerten Gehalt einkaufen).
    Daher kann von einer Gehaltsanpassung deutlich über der Inflation überhaupt keine Rede sein. Allenfalls von einem Nullsummenspielchen.

  • Ich persönlich finde den Tarifabschluss für beide Seiten, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, eine gute Lösung. Mögen etwas mehr als 4% über der Inflationsrate liegen, so haben doch die Mitarbeiter aller deutscher Autohersteller eine hervorragende Leistung in den letzten Jahren erbracht und dürfen mit einem vernünftigen Gehalt dies auch in Zukunft tun: die selbstfahrenden Autos und das Thema "neue Antriebstechniken" stehen auf der Agenda!

    Auch sind die Mitarbeiter gerne eine Werbeikone für die eigene Marke. Ich finde es gut, dass die Mitarbeiter der deutschen Automobilhersteller gut bezahlt werden - sie machen einen hervorragenden Job - international durch schöne Absatzzahlen bestätigt!

    DANKE AN ALLE!

    Übrigens finde ich, dass alle europäischen Automobilhersteller gute Autos bauen - da hat sich viel die letzten Jahre getan - gerade was Technologie, Design und Umweltschutz (das meine ich so, wie ich es schreibe!) angeht!

    Lasst euch nicht vom Automobilhersteller - bashing der Medien oder Öko-Ideologen verunsichern, ihr seid Klasse!

  • Lieber Herr Menzel,

    diesen Kommentar hätten Sie sich sparen können. Herr Pötsch und sein Vorstand genehmigen sich trotz Abgas-Schummelei mit drastischen finanziellen Folgen Boni in Millionenhöhe und die Belegschaft soll sparen!?
    In welcher Welt leben wir denn???

  • Sehr geehrter Herr Menzel,

    die Verhandlungen über einen VW-Haustarif orientieren sich schon seit Jahrzehnten sehr eng am zuvor ausgehandelten Abschluß für den Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie. Weil es jedoch VW in aller Regel wirtschaftlich besser als dem durchschnittlichen Metallbetrieb geht, verlangen die Betriebsräte zumeist einen kleinen Zuschlag. Meiner Meinung nach ist diese Praxis nicht zu kritisieren.

    Sie fordern Lohnzurückhaltung zur Finanzierung von Zukunftsinvestitionen. Aber das ist doch ein Thema, das alle Betriebe betrifft. Und selbstredend nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch die Führungskräfte. Auch diese müßten eigentlich ein Interesse daran haben, dass ihre Firma eine sichere Zukunft hat. "Den Gürtel enger schnallen" ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die nur gemeinsam angepackt werden kann. Sollte einleuchten. Oder nicht?

  • Warum Bescheiden? Damit der Exportüberschuss noch mehr anwächst und die Verschuldung von Drittländern noch mehr wächst und der Steuerzahler (VW-Mitarbeiter) die Zeche irgendwann doppelt bezahlt? Das wäre kurzsichtig!

  • Diese Forderung nach mehr Bescheidenheit ist ja wohl ein Witz.
    Hätte der VW Vorstand nicht betrogen, stünde ausreichend Geld zur Verfügung, um alle Tariferhöhungen aufzufangen und die notwendigen Investitionen voranzutreiben.
    Bescheidenheit wäre eher bei Vorstand und Aufsichtsrat angemessen.

  • Vielleicht haben die Beschäftigen einfach nur von den Managern gelernt. Bescheidenheit sucht man auch bei den Managern vergeblich.
    Wer bei Strafzahlungen noch Boni kassiert, kann nicht erwarten, dass die BEschäftigten dann kürzer treten.

    Wäre ein Signal von der Vorstandsetage ausgegangen ... aber von dort kommt immer nur die Erhöhuinh der Gehälter und Boni. Liegen diese Steigerungen unterhalb der Inflationsrate oder darüber?

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