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Konflikt ums Südchinesische Meer Umstrittene Navi-Karte beschert Volkswagen Ärger in Vietnam

Der Konflikt um chinesische Gebietsansprüche trifft nun auch Volkswagen. Doch nicht nur der Autobauer sorgt mit seinen Karten für Empörung.
05.11.2019 Update: 05.11.2019 - 15:19 Uhr Kommentieren
VW: Umstrittene Navi-Karte beschert Volkswagen Ärger in Vietnam Quelle: Reuters
VW Touareg auf der IAA in Frankfurt

Ein in Vietnam ausgestelltes Modell beschert dem Autobauer Ärger in dem asiatischen Land.

(Foto: Reuters)

Bangkok Vier Tage lang hatte Volkswagen an seinem Stand bei der Vietnam Motor Show im Oktober kein Problem. Erst am fünften und letzten Tag der größten vietnamesischen Automobilmesse machte ein Besucher eine Entdeckung, die das Unternehmen nun in Schwierigkeiten bringt.

Die Navigationssoftware eines ausgestellten Touareg-Modells verletzte nämlich eines der größten Tabus in dem südostasiatischen Land: Sie stellte weite Teile des Südchinesischen Meers als chinesisches Staatsgebiet dar - obwohl Vietnam Teile davon als sein eigenes Territorium begreift.

Aus Sicht der Behörden in Hanoi ist das ein ernstes Vergehen. Sie haben nun Strafen gegen die lokalen Volkswagen-Vertreter angekündigt. Der Vorfall zeigt, wie schwierig es für westliche Konzerne ist, sich in Asiens Gebietsstreitigkeiten durch die regionalen Befindlichkeiten zu manövrieren. Betroffen ist nicht nur VW: Erst vor wenigen Wochen sorgte ein Hollywood-Filmstudio aus ähnlichen Gründen in Südostasien für Empörung.

Im Fall des VW-Touareg-Eklats gibt es nun zwei konkrete Konsequenzen: Die Geldbußen für Vietnams lokalen Händler, VW Vietnam Auto, und den offiziellen VW-Importeur, das Unternehmen World Auto, fallen dabei relativ glimpflich aus: Sie liegen zwischen knapp 800 und 2300 Euro.

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    Gravierender erscheint die zweite Strafe: World Auto soll mit einer sechs bis neunmonatigen Betriebssperre belegt werden, wie lokale Medien und die Nachrichtenagentur Bloomberg berichten.

    Ob die Entscheidung zu Lieferengpässen in Vietnam führen könnte, ist noch offen. Volkswagen teilt auf Handelsblatt-Anfrage mit, über den Vorfall informiert zu sein und mit dem von VW autorisierten privaten Importeur in Kontakt zu stehen. „Dieser steht im direkten Austausch mit den entsprechenden Regierungsstellen, um Auswirkungen auf das Geschäft in Vietnam zu vermeiden“, heißt es aus dem Konzern.

    Vietnams Automarkt ist vergleichsweise klein, wächst aber rasant: Regierungsberater rechnen damit, dass die Zahl der jährlich verkauften Pkw von zuletzt 290.000 auf bis zu 800.000 im Jahr 2025 steigen wird.

    Lokale Volkswagen-Vertreter hatten den Touareg-Vorfall zuvor als Versehen dargestellt: Der Chef von VW Vietnam, Do Nguyen Vuong, sagte dem Online-Portal „VnExpress“, die Konzernzentrale in Deutschland habe die Anweisung erteilt, das Touareg-Modell für die Messe in Ho-Chi-Minh-Stadt aus China zu importieren und später wieder zurück in die Volksrepublik zu schicken.

    Fahrzeuge, die an Kunden in Vietnam ausgeliefert würden, kämen hingegen direkt aus dem slowakischen VW-Werk. Deren Navigationssoftware würde die umstrittene Neun-Strich-Linie, mit der China seine Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer markiert, nicht enthalten.

    Vietnamesische Zollbehörden erwogen zwischenzeitlich, das Fahrzeug zu zerstören, um damit eine Warnung an andere Unternehmen zu senden. Auf diesen Schritt verzichteten die Beamten nun aber: „Der Zoll wird die Software, die Vietnams Staatsgebiet falsch darstellt, entfernen und zerstören“, sagte ein Sprecher. Das Fahrzeug wolle man hingegen unversehrt lassen, „um keine Verschwendung zu verursachen“. Beschlagnahmt wurde das Auto dennoch.

    Seegebiet hat strategische Bedeutung

    Der Streit um die Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer schwelt seit Jahren, spitzte sich zuletzt aber erneut zu, nachdem China im Sommer das Explorationsschiff „Haiyang Dizhi 8“ in die Region geschickt hatte. China beansprucht fast das gesamte Gebiet für sich. Mehrere Staaten in Südostasien, darunter Vietnam, die Philippinen und Malaysia erheben dagegen Einspruch.

    Das Seegebiet ist von großer strategischer Bedeutung. Durch das Gewässer geht rund ein Drittel der weltweiten Seefracht. Zudem gibt es wertvolle Fischgründe sowie Öl- und Gasvorkommen in der Gegend.

    Im Oktober geriet auch das amerikanische Filmstudio Dreamworks in den Streit: In dessen neuem Animationsfilm „Everest – Ein Yeti will hoch hinaus“ ist eine Landkarte zu sehen, die ebenfalls die von China gesetzte Neun-Strich-Linie enthält. Die vietnamesischen Behörden verbannten daraufhin den Film aus den Kinos. Die malaysische Zensurbehörde verlangte, die entsprechende Szene aus dem Film zu schneiden.

    Der Filmverleiher Universal weigerte sich jedoch und sagte den für diese Woche geplanten Filmstart ab. Der philippinische Außenminister Teodoro Locsin rief zu einem generellen Dreamworks-Boykott auf. „Everest“ ist eine Co-Produktion von Dreamworks mit dem chinesischen Unternehmen Pearl Studio.

    Umgekehrt stießen westliche Unternehmen in den vergangenen Monaten wegen umstrittener geografischer Darstellungen auch in China auf Empörung. Der französische Luxusgüterhersteller Christian Dior bat im Oktober um Entschuldigung, nachdem das Unternehmen für eine Karte von China kritisiert worden war, die nicht Taiwan enthielt.

    Für eine ähnliche Landkarte auf einem T-Shirt entschuldigte sich der Modehersteller Gap im vergangenen Jahr. Mehrere Fluglinien markierten auf Druck aus China die Destination Taiwan als Teil des chinesischen Staatsgebiets.

    Mehr: In China gelingt seit Jahrzehnten das Wirtschaftswunder per Regierungsdekret. Doch die Spannungen im Land mehren sich. Wie lange geht das noch gut?

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