Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Konjunkturlage Hoffnung für die Weltwirtschaft: Chemiebranche befreit sich aus der Coronakrise

Corona hat die Chemiebranche hart getroffen. Doch das Geschäft zieht wieder an. Ein wichtiges Signal, denn der Sektor gilt als Indikator für die globale Wirtschaft.
17.08.2020 - 11:59 Uhr Kommentieren
Die Branche gilt als guter Indikator für die konjunkturelle Lage. Quelle: obs
Forscher im Chemielabor

Die Branche gilt als guter Indikator für die konjunkturelle Lage.

(Foto: obs)

Düsseldorf Die deutschen Chemieunternehmen sind bisher besser durch die Coronakrise gekommen als lange Zeit befürchtet. Zugleich schwindet der noch im April vorherrschende Pessimismus über die weitere Konjunkturentwicklung in der Branche. Trotz aller Risiken äußern sich viele CEOs mittlerweile deutlich zuversichtlicher mit Blick auf das restliche Jahr.

Das sind für nahezu alle Unternehmenslenker wichtige Nachrichten, denn die Signale aus der Chemieindustrie sind für die gesamte verarbeitende Industrie von großer Bedeutung. Der Sektor beliefert nahezu alle Branchen mit Chemikalien und Kunststoffen und spürt Nachfrageveränderungen früh. Damit gilt er als ein guter Indikator für die globale wirtschaftliche Lage.

Grund für den Hoffnungsschimmer in der Chemieindustrie ist eine anhaltende Besserung der Nachfrage in vielen Chemiesegmenten, die die Unternehmen seit einigen Wochen spüren. „Das zweite Quartal war für die globale Wirtschaft sicher verheerend. Wir erkennen nun aber eine graduelle Erholung“, sagt Matthias Zachert, Vorstandsvorsitzender des Spezialchemieherstellers Lanxess, im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Die kommt natürlich von einem sehr niedrigen Niveau, ist aber erfreulicherweise seit einigen Wochen recht stetig.“

Ähnlich beobachtet es Markus Steilemann, CEO des Kunststoffproduzenten Covestro. „Wir sehen einen intakten Trend der sequenziellen Verbesserung“, beschreibt er die aktuelle Situation. Auch der Essener Evonik-Konzern spürt in einigen Märkten bereits erste Erholungstendenzen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Branchenkenner sehen ebenfalls Lichtblicke. „Das Klima in der Chemie hat sich gerade in den vergangenen Wochen deutlich verbessert“, sagt Markus Mayer, Analyst bei der Baader Bank. Gespräche der Bank mit börsennotierten Firmen sowie Unternehmen in Privatbesitz aus der Branche hätten gezeigt, dass nach den schwachen Monaten Mai und Juni die Produktionsvolumina im Juli um bis zu 20 Prozent gestiegen seien.

    Grafik

    Auch der Auftragsbestand habe sich spürbar verbessert, heißt es bei den Unternehmen. Setze sich der Trend fort, würden sich die Aussichten für die Branche für das laufende Jahr deutlich aufhellen, so Mayer.

    Bei Evonik, Covestro und Lanxess heißt es unisono, dass die Krise noch längst nicht überstanden sei. Doch alle drei Konzerne sehen aktuell keinen Grund, ihre zuletzt ausgegebenen Prognosen fürs Gesamtjahr einzukassieren. Lanxess-Chef Zachert erwartet ein schwieriges drittes Quartal und setzt auf eine Verbesserung in den Schlussmonaten des Jahres.

    BASF-Chef wagt noch keine Prognose für 2020

    Branchenprimus BASF zeigt sich hingegen noch zurückhaltend. „Für das zweite Halbjahr 2020 gehen wir wegen der Corona-Pandemie von hohen Unsicherheiten aus“, sagt Konzernchef Martin Brudermüller. Die wirtschaftliche Erholung und die mittel- und langfristige gesamtwirtschaftliche Entwicklung könne langsamer verlaufen als vor der Corona-Pandemie.

    Brudermöller verweist auf das kurzfristige Bestellverhalten der Kunden, das einen konkreten Ausblick erschwere. In der Branche heißt es, dass die Order-Visibilität bei nur drei bis vier Wochen liege. Das heißt: Die Kunden bestellen angesichts der Unsicherheit im Markt vorsichtig und kurzfristig. BASF verzichtet daher weiterhin auf eine Prognose für 2020.

    Der weltgrößte Chemiekonzern hatte sich schon in früheren Krisen zurückhaltend gezeigt. Zudem dürfte sich Brudermüller ohne Prognose für das laufende Jahr wohlerfühlen – er musste in den vergangenen 14 Monaten die Ankündigungen bereits zweimal revidieren, was ihm einige Kritik einbrachte.

    Die Vorsicht des BASF-Chefs ist aber auch der Aufstellung des Konzerns geschuldet. Der Ludwigshafener Konzern hat einen großen Anteil Basischemie im Portfolio, bei der am Weltmarkt aktuell große Überkapazitäten herrschen. Der bereinigte Gewinn des Konzerns im zweiten Quartal sank um 35 Prozent. Entscheidend wird für BASF sein, wie schnell sich die Automobilindustrie als wichtigste Kundengruppe erholt.

    Das gilt zwar auch für andere Chemiefirmen wie Lanxess und Evonik, denn auch sie beliefern Autohersteller mit Kunststoffen und Spezialchemikalien. Jedoch konnten sie die heftigen Einbrüche im zweiten Quartal durch konjunkturrobuste Segmente besser ausgleichen, als es BASF gelang. Bei Evonik zählen dazu die Geschäfte mit Zusätzen für Tiernahrung, Kosmetika und Pharmaprodukte sowie Werkstoffe für die Windenergie.

    Mit einem Gewinnrückgang um 14 Prozent kam der Essener Konzern vergleichsweise stabil durchs zweite Quartal. „Evonik hält der Krise stand“, sagt Vorstandschef Christian Kullmann. 2020 will Evonik einen bereinigten Gewinn (Ebitda vor Sonderposten) zwischen 1,7 Milliarden und 2,1 Milliarden Euro erreichen.

    Auch Lanxess präsentierte sich im schwierigen zweiten Quartal robust, der bereinigte Gewinn sank nur um ein Fünftel. Lanxess-Chef Zachert verweist auf den Konzernumbau der vergangenen Jahre. Die Kölner haben sich aus kapitalintensiven Massengeschäften zurückgezogen und in Spezialmärkte wie Flammschutz- und Desinfektionsmittel investiert. Auch die Inhaltsstoffe für Agrarchemie liefen robust.

    Evonik und Lanxess treiben Umbau weiter voran

    Bei Evonik und Lanxess zeigten sich aber auch in den Segmenten, die die Auto- und Ölindustrie beliefern, heftige Einschläge. Der Gewinn brach dort um 60 bis 80 Prozent ein. Doch auch Lanxess hält an der Prognose fest, 2020 einen bereinigten Gewinn zwischen 800 Millionen und 900 Millionen Euro zu erreichen.

    Die Chefs der beiden Spezialchemiefirmen wollen den Umbau weiter vorantreiben: Lanxess verkaufte vergangene Woche das Lederchemie-Geschäft, das im Weltmaßstab allein zu klein ist, an den Konkurrenten TFL. Der Konzern will sein Finanzpolster für Zukäufe nutzen. Bei Evonik wiederum stehen Geschäfte infrage, die zu kapitalintensiv und nicht innovationsgetrieben sind.

    Übernahmen stehen beim Kunststoffhersteller Covestro erst mal nicht auf der Agenda. Schon vor der Coronakrise standen die Hauptgeschäfte mit Polyurethan-Schäumen und dem transparenten Kunststoff Polycarbonat wegen der Überkapazitäten am Markt unter massivem Preisdruck. Die Pandemie hat dies noch verschärft, was im zweiten Quartal zu einem Gewinneinbruch von 73 Prozent führte.

    Doch auch Covestro sieht Lichtblicke. Die sonst übliche sommerliche Abschwächung blieb nach Angaben von CEO Steilemann in diesem Jahr aus. Im Juli wurde der Konzern sogar von einem unerwartet hohen Nachfrageschub überrascht. Weil nicht ausreichend Vorprodukte vorrätig waren, musste Covestro die „Force majeure“ ausrufen, also einen unerwarteten Ausfall eines Werkes in Uerdingen.

    Mehr: Lanxess-Chef Matthias Zachert im Interview

    Startseite
    Mehr zu: Konjunkturlage - Hoffnung für die Weltwirtschaft: Chemiebranche befreit sich aus der Coronakrise
    0 Kommentare zu "Konjunkturlage: Hoffnung für die Weltwirtschaft: Chemiebranche befreit sich aus der Coronakrise"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%