Konsum in Griechenland Kommt bald der große Ausverkauf?

Medikamente, Babymilch, Kosmetik: Was können die Griechen noch kaufen, wenn sich ihr Staat für zahlungsunfähig erklären muss? Die Pharmabranche signalisiert dem Land bereits Entgegenkommen – stellt aber Bedingungen.
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„Verpflichtet, griechische Patienten mit den wichtigsten benötigten Medikamenten zu versorgen“. Quelle: AFP
Geschlossene Apotheke in Athen

„Verpflichtet, griechische Patienten mit den wichtigsten benötigten Medikamenten zu versorgen“.

(Foto: AFP)

DüsseldorfIn die Sprechstunde zum Arzt, mit dem Rezept in die Apotheke, mit der Arznei nach Hause: Für uns ist dies im Krankheitsfall selbstverständlich, wir kennen es nicht anders. Für die Menschen in einem Staat, der zahlungsunfähig ist, ist es das keineswegs. Die Griechen könnten schon am Mittwoch die Staatspleite feststellen – und das kann große Auswirkungen auf die Versorgung mit alltäglichen Gütern haben.

Griechenland muss fast alle wichtigen Medikamente importieren, nur rund ein Viertel der 12.000 zugelassenen Arzneien werden im Land hergestellt. Noch können sich die Griechen ausreichend mit Pharmaprodukten versorgen, einen Engpass spüren Pharmahändler und Apotheken im Land nicht. Den werde es auch so schnell nicht geben, verspricht der griechische Pharmaverband – trotz der eingeschränkten Kapitalströme mit dem Ausland. Grund: Die Auslandsüberweisungen für Pharma-Importe sollen von der zuständigen griechischen Kommission vorrangig genehmigt werden.

Doch die Lage könnte sich in den kommenden Tagen und Wochen verschärfen, wenn Griechenland zahlungsunfähig wird und anschließend möglicherweise sogar aus dem Euro-Raum ausscheidet. Schon jetzt schuldet das griechische Gesundheitssystem den Arzneiherstellern rund 1,1 Milliarden Euro. Doch ein Stopp der Arznei-Lieferungen an Griechenland wird in der Branche selbst im Extremfall nicht ernsthaft erwogen.

Industrie fürchtet Re-Importe billiger Medizin

Der europäische Pharmaverband EFPIR hat bereits signalisiert, die Griechen nicht im Stich lassen zu wollen – alles andere wäre wohl auch ein Image-Gau für die Branche. „Unsere Mitgliedsunternehmen haben sich verpflichtet, griechische Patienten mit den wichtigsten benötigten Medikamenten zu versorgen“, sagte EFPIR-Chef Richard Bergström dem Handelsblatt. Die Branche hat das schon einmal erlebt: Als vor 13 Jahren Argentinien den Staatsbankrott erklärte, lieferten viele Hersteller ihre Medikamente eine Zeit lang sogar ohne Bezahlung in das Land.

Im Fall Griechenland wird es bei einer verschärften Lage zunächst um kräftige Preissenkungen bei den wichtigsten Medikamenten gehen. Dazu wäre wohl ein Großteil der Pharmabranche bereit, stellt aber Bedingungen. Denn die Hersteller fürchten eine Flut billiger Re-Importe aus Griechenland in westliche Märkte. „Die griechische Regierung muss sicherstellen, dass die Versorgung vor Ort funktioniert und dass wichtige Arzneien nicht wieder exportiert werden“, fordert Bergström.

Bereits heute gibt es diese Form des Handels in der EU: Arzneien, die in Länder mit niedrigeren Pharmapreisen geliefert werden, werden von Händlern anschließend in die hochpreisigen Märkte reimportiert – beispielsweise nach Deutschland. Der europäische Pharmaverband hat bereits einen Brandbrief an die EU-Kommission geschrieben, in dem er vor einer massiven Zunahme infolge der Krise in Griechenland warnt.

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5 Kommentare zu "Konsum in Griechenland: Kommt bald der große Ausverkauf?"

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  • Hallo Tatsachenverdreher vom HB, was soll die künstliche und übertrieben hysterische Panikmache? Nur weil der griechische Staat pleite ist, heisst das noch lange nicht, dass Unternehmen nicht mehr in der Lage sind, Waren zu importieren, für die eine Nachfrage besteht. Es ist langsam nicht mehr erträglich, was für ein Mist von der Presse in die Welt gesetzt wird.

  • Kommt bald der große Ausverkauf?"
    Da meinen sie doch die ganze EU, oder ?

  • Danke für die Aufstellung der Lügen, Vertrags- und Gesetzesbrüche!

    Hr. Narrog, genau so ist es!
    Diesen ewige Gejammere der Lügenpresse! 5 Mrd. Menschen können sich keine teure Arznei kaufen, weil ihre Wirtschaft und Staat das nicht abwerfen. Und für die Griechen werden Krokodilstränen vergossen , weil sie am lautesten jammern. Für die Rentner in Lettland interessiert sich niemand.

  • Der EURO - oder, die Gemeinschaftswährung, die nicht eint


    "Ihr könnt darauf vertrauen, dass der EURO eine stabile Sache wird. Das funktioniert". - WOLFGANG SCHÄUBLE †


    "Der EURO ist ein riesiger Erfolg. Wenn wir ihn nicht hätten, stünden wir um vieles schlechter da. - THEO WAIGEL

    "Dieses Geld wird eine große Zukunft haben". - HELMUT KOHL †

    "Der EURO beruht auf derselben Art von Stabilität wie die D-Mark. Dafür haben wir mit dem Stabilitätspakt gesorgt. - ROMANO PRODI † (Italiener) - damals EU-Kommissionspräsident.

    "Der EURO ist eine außerordentlich stabile Währung, stabiler, als die D-Mark während ihrer 50-jährigen Existenz." - OTTMAR ISSING † - damals Chef-Ökonom der Europäischen Zentralbank.

    "Auf mittlere Sicht erwarte ich, dass die Preise für Autos und Medikamente sinken. Der EURO ist kein Teuro. - HANS EICHEL †

    "Der Süden wird nicht bei den reichen Mitgliedsländern abkassieren. Kein Mitgliedsstaat ist verpflichtet, einem anderen Land zu helfen". - HORST KÖHLER †, ehemaliger deutscher Bundespräsident.

    "Es gibt keine Zentralbank auf der Welt, die so unabhängig ist, wie die Europäische Zentralbank." - WIM DUESENBERG †, erster EZB Präsident.

    "Keine Regierung und kein Staat können eine spezielle Behandlung erwarten. Die Notenbank wird ihre Prinzipien nicht ändern, nur weil ein Mitgliedsland die Kriterien nicht erfüllt". - JEAN CLAUDE TRICHET †, französischer Finanz-"Experte" und damaliger EZB Präsident.

    "Der EURO ist ein Garant für Frieden und Wohlstand in Europa." - ANGELA MERKEL †


    † = Totengräber

  • Ein interessanter Aspekt ist, dass ärmere Länder als Griechenland die Arzneimittel nicht umsonst erhalten, sondern bsp. Ägypten gegen Vorkasse, oder LC. In diesen Ländern werden viele Menschen vorzeitig abberufen weil sie sich Arzneimittel, oder Behandlungen nicht leisten können.

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