Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Konzernumbau bei Thyssen-Krupp Die schwierige Doppelrolle von Armin Laschet

Als Landesvater muss Armin Laschet Stellen sichern – als Mitglied der Krupp-Stiftung den Konzern erhalten. Bringt ihn das in einen Zielkonflikt?
Kommentieren
Der 58-Jährige selbst spielt seine Doppelrolle herunter. Quelle: imago images/Ralph Sondermann
Armin Laschet

Der 58-Jährige selbst spielt seine Doppelrolle herunter.

(Foto: imago images/Ralph Sondermann)

Düsseldorf Es ist eine illustre Runde, die sich da regelmäßig in Essen trifft: drei Frauen und neun Männer, darunter so schillernde Figuren wie die scheidende EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger, Ex-VW-Chef Bernd Pischetsrieder oder der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen. Sie alle sind Mitglieder im Kuratorium der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Die 1957 gegründete Organisation verwaltet das Erbe der Krupp-Familie – obgleich die Nachkommen selbst nicht im Kuratorium vertreten sind.

Gehörte der Stiftung ursprünglich das ganze Unternehmen, ist sie heute noch mit 21 Prozent am kriselnden Industriekonzern Thyssen-Krupp beteiligt. Sie ist größter Einzelaktionär, der zwei Vertreter in den Aufsichtsrat entsenden darf.

Seit knapp zwei Jahren sitzt auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im Kuratorium, genau wie zu ihrer Zeit seine Vorgänger Hannelore Kraft oder Jürgen Rüttgers. Die Wahl gelte immer der Person – und sei nicht mit dem Amt verbunden, stellte die Stiftung klar. Für den CDU-Politiker ist die Doppelrolle ein Spagat: Zum einen muss er als Landesvater Arbeitsplätze sichern. Zum anderen aber auch die Interessen der Stiftung wahren: karitative Wohltaten und den Erhalt des Konzerns.

Laschet selbst spielt die Bedeutung seiner Rolle herunter. „Die Stiftung ist nicht der Akteur, das ist der Vorstand“, erklärte der Regierungschef diese Woche dem Handelsblatt. „Ich kann ab und an mal die Stimme erheben.“

Das hat der 58-Jährige schon zweimal getan. Nach dem Abgang von CEO Heinrich Hiesinger sprach Laschet im vergangenen Jahr ein Machtwort: „Wir wollen eine langfristige industriepolitische Entwicklung und keine kurzfristige Verwertung.“ Er mahnte alle Beteiligten zu „Sachlichkeit“ und führte Gespräche mit Aktionären und Arbeitnehmervertretern.

Zudem sind die IG-Metall-Vertreter im Kontrollgremium der Grund dafür, dass sich Laschet vor einer Woche erneut einschaltete. Sie forderten im Konflikt mit den aktivistischen Investoren seine Unterstützung. Diesmal ging es um eine Sonderdividende nach geplantem Verkauf der Thyssen-Aufzugsparte.

„Cevian hat mir gegenüber seinen Verzicht auf die Ausschüttung einer Sonderdividende erklärt“, verkündete Laschet im Handelsblatt. Kurz darauf dementierte Cevian, mit 18 Prozent zweitgrößter Aktionär, jemals eine solche Dividende geplant zu haben.

Laschet sei auch in der Vergangenheit immer da gewesen, „wenn man ihn brauchte“, heißt es aus Aufsichtsratskreisen. „Es gab die ganze Zeit eine enge Abstimmung zwischen Laschet und der Arbeitnehmervertretung“, bestätigt Knut Giesler, IG-Metall-Bezirksleiter in NRW und Vizechefkontrolleur der Aufzugsparte. Der Ministerpräsident habe verstanden, dass der Konzern für Nordrhein-Westfalen schon allein wegen der 40.000 Arbeitsplätze wichtig sei. „Alles Geld sollte im Unternehmen bleiben“, begründet Laschet seine jüngste Intervention. Aber das sei ein Einzelfall gewesen, er versuche, sich sonst zurückzuhalten.

Einen Zielkonflikt bei Laschets Doppelrolle sieht der Corporate-Governance-Experte Christian Strenger nicht: „Laschet sitzt nicht im Aufsichtsrat wie etwa Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil bei VW.“ Wenn Laschet im Kuratorium den Sinn der Stiftung verfolge, mache er sich nicht angreifbar, urteilt der Honorarprofessor der Leipziger Graduate School of Management. „Laschet muss im Kuratorium darauf achten, dass das Unternehmen in angemessener Form erhalten bleibt. Das deckt sich großteils mit dem Wunsch, wirtschaftlich sinnvolle Arbeitsplätze zu erhalten.“

Eine Aufspaltung des Konzerns liege nicht in Laschets Ermessen. Aber er könne „als gewichtige Stimme im Kuratorium sicher auch Einfluss auf die Vorsitzende Ursula Gather nehmen“. Gather, Rektorin der TU Dortmund, besetzt einen der Aufsichtsratsplätze, die der Stiftung zustehen.

Kritik an der Ausübung von Laschets Doppelrolle gibt es allerdings von Thomas Kutschaty, Fraktionschef der SPD im Düsseldorfer Landtag. „Ich erwarte, dass ein Ministerpräsident sich mehr einbringt in solch einer Phase“, erklärt Kutschaty. Man brauche jetzt ein starkes, energisches Handeln für den Industriestandort NRW. „Aber die Landesregierung hat Industriepolitik nicht auf dem Schirm.“ Laschet sei im Kuratorium einer der einflussreichsten Köpfe. „Aber diesen Einfluss muss er dann auch geltend machen.“

Der Ministerpräsident selbst will, dass NRW Industrieland bleibt, weiter Stahl produziert. Wenn Miele Waschmaschinen baue, mache es einen Unterschied, ob der Stahlhersteller hierzulande oder in Indien sitze. Cevian sieht Laschet „nicht so negativ, wie manche Akteure das Unternehmen in der Vergangenheit schon bewertet haben“.

Das Prinzip der deutschen Mitbestimmung sei „auch diesem international tätigen Investor bewusst“. Eine Zukunftsprognose für Thyssen-Krupp will der Ministerpräsident dennoch nicht abgeben. Sein Mandat im Kuratorium endet in fünf Jahren. Nicht mal Laschet weiß, wie viel dann noch vom einstigen Weltkonzern übrig sein wird.

Mehr: Kanzlerkandidatur und Krupp-Stiftung, also politische Zukunft und ökonomische Gegenwart – das sind die beiden aktuellen Großthemen des NRW-Ministerpräsidenten.

Startseite

Mehr zu: Konzernumbau bei Thyssen-Krupp - Die schwierige Doppelrolle von Armin Laschet

0 Kommentare zu "Konzernumbau bei Thyssen-Krupp: Die schwierige Doppelrolle von Armin Laschet"

Bitte bleiben Sie fair und halten Sie sich an unsere Community Richtlinien sowie unsere Netiquette. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar. Wir behalten uns vor, Leserkommentare, die auf Handelsblatt Online und auf unser Facebook-Fanpage eingehen, gekürzt und multimedial zu verbreiten.

Serviceangebote