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Joe Kaeser

Der Konzernchef bereitet Siemens auf die Zeit nach seinem Abschied vor.

(Foto: Bloomberg)

Konzernumbau Siemens-Chef Kaeser vertreibt Ängste vor einer Zerschlagung

Mit seinem Umbau hat Kaeser Sorgen über eine Aufspaltung geweckt. Doch er verspricht: „Die Unternehmen bleiben unter dem Dach von Siemens.“
02.08.2018 - 18:04 Uhr Kommentieren

München Um die ganz große Linie geht es Joe Kaeser. Hinter seinem Schreibtisch hängt ein Gemälde des Firmengründers Werner von Siemens. In seinem ersten Beitrag auf Twitter versendete er ein fast ikonisches Foto von sich; sein Blick ist dabei fest auf den Gründer gerichtet.

Als Kaeser nun eine Art Vermächtnis für die Zeit nach ihm vorlegte, sagte er mit Pathos: „Wir haben eine Verantwortung für die nächste Generation.“ Sein Ziel sei es, einen Konzern zu formen, der nicht nur heute erfolgreich sei, sondern „gut vorbereitet für die Zukunft“.

Konkret sieht die „Vision 2020+“ eine Aufteilung des Konzerns in sechs Unternehmen vor. Das verbliebene Kerngeschäft ruht künftig auf drei Säulen: dem Geschäft mit der Digitalisierung der Industrie, der Kraftwerkssparte und den intelligenten Infrastruktur-Aktivitäten rund um die Gebäudetechnik. Kaeser nennt diese Einheiten „operative Unternehmen“.

Daneben gibt es die „strategischen Unternehmen“: die bereits an der Börse notierten Mehrheitsbeteiligungen am Windkraftkonzern Siemens Gamesa und an den Healthineers sowie demnächst der Zugriese Siemens-Alstom – wenn die Kartellwächter mitspielen.

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    Dass die Abstimmung im Aufsichtsrat einstimmig fiel, zeigt: Kaeser gelang es, beide Seiten mitzunehmen. Die Zuspitzung in Richtung Holding gefällt den Investoren. Auf der anderen Seite spricht Kaeser zwar von „operativen Unternehmen“, bislang ist der Begriff aber vor allem symbolisch zu verstehen.

    Die drei Bereiche digitales Industriegeschäft, Infrastruktur sowie Kraftwerke und Gasturbinen bekommen zwar möglichst viel Eigenständigkeit – aber keine eigene Rechtsform. Es handelt sich also nicht um eine formale Aufspaltung. So bekam Kaeser die misstrauischen Arbeitnehmervertreter mit ins Boot.

    Doch es bleibt Skepsis auf der Arbeitnehmerbank. Es sei richtig, den Geschäften mehr Freiraum zu geben, sagte zum Beispiel IG-Metall-Vorstand und Siemens-Aufsichtsrat Jürgen Kerner. „Für die Arbeitnehmerseite ist wichtig, dass die Neuaufstellung unter dem Dach der Siemens AG bleibt.“ Einen Weg in eine Holdingstruktur werde die IG Metall nicht akzeptieren. „Das Filetieren von Konzernen mit breitem Portfolio ist momentan zwar ein beliebtes Spiel der sogenannten Finanzmärkte, ein Unternehmen wie Siemens kann aber aus eigener Stärke agieren.“

    Kaeser erteilt Börsengang der Digitalsparte eine Absage

    „Die neue Ausrichtung darf nicht dazu führen, dass Marke und Identität von Siemens als vernetzter Technologiekonzern verloren gehen“, ergänzte die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Birgit Steinborn.

    Doch im Gespräch mit dem Handelsblatt beteuert Kaeser: „Die drei Unternehmen bleiben unter dem Dach von Siemens.“ Auch die Frage nach einem Börsengang der Digitalisierungssparte stelle sich nicht. „Wir wollen das Wertsteigerungspotenzial selbst heben.“

    Es gehe nicht um Zerschlagung, sondern um neue Perspektiven. „Wir haben Optionalitäten geschaffen.“ Kaeser ließ offen, ob die drei Einheiten eines Tages eine eigene Rechtsform bekommen könnten.

    Die Investoren begrüßten den Umbau erst einmal. „Die Strategie geht in die richtige Richtung“, sagte zum Beispiel Fondsmanager Christoph Niesel von Union Investment dem Handelsblatt. Mehr Eigenverantwortung sei ebenso richtig wie der Ausbau der Digitalisierungskompetenz.

    Doch es ist eben nicht einfach, es allen recht zu machen. So bemängelt Niesel: „Enttäuschend im Vergleich zu den Markterwartungen ist, dass Siemens keine klare Zahl nennt, was die Vision 2020+ an Kosteneinsparungen und Effizienzgewinn bringt.“

    Wohl auch deshalb sank der Siemens-Aktienkurs nach den Verkündungen. Zudem vermisst Niesel „weitergehende Portfolio-Restrukturierungsmaßnahmen vor allem bei Power & Gas“. Kaeser hatte gesagt, er sei zuversichtlich, dass das Management das Kraftwerksgeschäft aus eigener Kraft verkleinern und in Ordnung bringen könne.

    Harald Smolak von der Managementberatung Atreus, der selbst früher im Siemens-Management arbeitete, ist überzeugt, dass Siemens auf dem richtigen Weg ist. „Joe Kaeser ist in meinen Augen ein ‚role model‘ eines Dax-Vorstands, der die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt hat. In den sich schnell wandelnden Zeiten sei Agilität gefragt und „der Mut, die eigenen Haltungen infrage zu stellen“.

    Kaeser der Umbaumeister? Das ist der Plan des Siemens-Chefs

    Mit seinen drei „operativen Unternehmen“ hat Kaeser Pflöcke eingeschlagen. Das Programm gibt er vor allem seinem Nachfolger mit auf den Weg, wenn er Anfang 2021 geht. Intern gab es bislang laut Flurfunk zwei Nachfolgekandidaten: die Vorstände Roland Busch und Michael Sen.

    Busch ist künftig nicht nur als designierter Verwaltungsratsvorsitzender für Siemens Alstom verantwortlich. Er rückt auch auf die neu geschaffene Stelle des Chief Operating Officers vor. Er ist also unter Kaeser für das operative Geschäft verantwortlich.

    Die, die ihn wohlwollend sehen, werten dies als eine Heraushebung. Als früherer Strategiechef und Technologievorstand kennt er den Konzern sehr genau, Busch ist bestens vernetzt. Doch steht er vor schwierigen Aufgaben wie der Sanierung kriselnder kleiner Geschäfte, bei denen man auch scheitern kann.

    Siemens macht Unternehmensberatern Konkurrenz

    Zweiter Kandidat für die Kaeser-Nachfolge ist Michael Sen. Er bleibt für die Medizintechnik und Siemens Gamesa verantwortlich. „Das sind die wirklich dicken Schiffe“, sagt ein Insider. Allein die Healthineers stehen mit ihrer Marktkapitalisierung von rund 40 Milliarden Euro für einen großen Teil der Siemens-Bewertung. Auch Sen, verlautet aus Konzernkreisen, sei weiter im Rennen. Kaeser selbst gab sich diplomatisch und verwies auf eine starke Teamleistung.

    Genauso bedeutend wie die Medizintechnik ist die digitale Fabrik, die mit der Prozessautomatisierung zum operativen Unternehmen „Digital Industries“ mit 14 Milliarden Euro Umsatz gebündelt wird. Das Geschäft soll weiterwachsen, Kaeser schafft sogar eine eigene Geschäftseinheit rund um das Thema Internet der Dinge. Siemens will künftig nicht nur Automatisierungs- und Digitalisierungstechnik verkaufen, sondern die Kunden auch bei der Umsetzung von Digitalisierungsstrategien beraten.

    Damit geht Siemens in Konkurrenz zu Beratungshäusern wie Accenture. Bis zum Jahr 2025 will Siemens bis zu 10.000 Mitarbeiter in diesem Geschäft einstellen. Zudem verkündete Joe Kaeser die Übernahme der Programmierplattform Mendix für 600 Millionen Euro. Davon sollen die Kunden der zentralen Siemens-Plattform für das Internet der Dinge, Mindsphere, profitieren: Sie können künftig einfacher, schneller und billiger eigene Apps programmieren.

    Viele operative Herausforderungen also. Joe Kaeser hat noch viel vor, bevor er das Unternehmen der nächsten Generation hinterlässt.

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