Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Konzernumbau Thyssen-Krupp: Gewerkschaft verlangt rasche Planung der Kündigungen

Die Grundlagenvereinbarung zwischen der IG Metall und Thyssen-Krupp ist ein erster Schritt. Sicherheit gibt sie den Mitarbeitern aber noch nicht.
1 Kommentar
Thyssen-Krupp: IG Metall verlangt Planung der Kündigungen Quelle: dpa
Warnstreik der IG Metall

Thyssen-Krupp steht unter dem Druck der Gewerkschaft.

(Foto: dpa)

Berlin, EssenNach dem radikalen Strategiewechsel bei Thyssen-Krupp dringt die IG Metall auf rasche Klarheit für die Beschäftigten. „Ich erwarte ein neues Zukunftskonzept für den Stahlbereich“, sagte Stahl-Gesamtbetriebsratschef Tekin Nasikkol der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Er betonte: „Betriebsbedingte Kündigungen hat es bei uns noch nie gegeben und darf es auch in Zukunft nicht geben.“

Auch der Bezirksleiter der Gewerkschaft, Knut Giesler, verlangte von Vorstandschef Guido Kerkhoff rasche und verbindliche Planungen. „Die Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt. Es gibt aber noch keinen Restrukturierungsplan“, sagte Giesler der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Der Vorstand muss diesen jetzt schnell liefern und sagen, wie er sich das vorstellt. In den nächsten Monaten brauchen wir Klarheit für alle Bereiche.“

Kritik übte Giesler an der EU-Kommission. Nach Siemens-Alstom sei Thyssen/Tata schon das zweite Joint Venture, das nicht funktioniere „wegen der Auflagen aus Brüssel“, sagte der Gewerkschafter. Anscheinend könne man keinen europäischen Champion mehr schmieden, der sich im globalen Wettbewerb behaupten könne. „Darüber müssen wir mit der Politik reden.“

Thyssen-Krupp-Betriebsratschef Dirk Sievers fordert, dass die Einnahmen aus dem geplanten Teil-Börsengang der Aufzugsparte allen Geschäften des Konzerns zugute kommen. „Wir würden den Weg nicht mitgehen, wenn nicht klar wäre, dass das Geld, was eingenommen wird, im Unternehmen bleiben würde, so dass alle Business Arreas weiter entwickelt werden könnten“, sagte Sievers am Montag in einem Interview des Radiosenders „WDR 5“. „Wir brauchen das Geld, um alle Geschäfte weiter zu entwickeln und die neue Strategie zu unterstützen.“

Thyssen-Krupp hatte am vergangenen Freitag sowohl die bei der EU-Kommission auf Widerstand gestoßenen Pläne für ein Stahl-Joint-Venture mit Tata Steel als auch die von vorangetriebene Konzernaufspaltung abgeblasen. Nun soll die Aufzugssparte zum Teil an die Börse gebracht und die Kosten gesenkt werden.

6000 der rund 160.000 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden, davon 4000 in Deutschland. IG Metall, Konzernbetriebsrat und der Vorstand hatten dazu eine Grundlagenvereinbarung zur strategischen Weiterentwicklung erzielt.

Personalvorstand Oliver Burkhard hatte am Wochenende auf Twitter geschrieben: „Betriebsbedingte Kündigungen wollen wir vermeiden, sind aber in Ausnahmen (ultima ratio) möglich“. Der Gesamtbetriebsratschef der Stahlsparte sagte: „Wir hatten im Falle des Joint Ventures mit dem Tarifvertrag Zukunft eine langfristige Absicherung für Arbeitsplätze und Standorte. Jetzt haben wir diese Sicherheiten nicht mehr.“

Die Entwicklung bei Thyssen-Krupp alarmiert auch die katholische Kirche. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck wies am Sonntagabend auf die Sorgen vieler Beschäftigter hin und sagte: „Umso wichtiger ist die gestern erzielte Übereinkunft im Unternehmen, betriebsbedingte Kündigungen möglichst zu vermeiden.“

Er vertraue darauf, dass sich die Sozialpartnerschaft von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite bei Thyssen-Krupp erneut bewähren werde und die notwendigen Anpassungen möglichst sozialverträglich gestaltet würden. Ziel müsse es sein, das für Essen und das Ruhrgebiet so wichtige Unternehmen langfristig und verlässlich zu stärken und weiterzuentwickeln.

Nach Ansicht von Anlegervertretern wird es für Thyssen-Krupp nun noch schwerer. „Man kann am neuen Ausmaß des Stellenabbaus ermessen, wie wichtig der indische Konkurrent Tata als Fusionspartner gewesen ist“, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer, der Deutschen Presse-Agentur. „Man hat drei Jahre rumgebastelt an der Stahlfusion. Das sind jetzt verlorene Jahre“, betonte er.

Auch in die abgeblasene Aufspaltung des Konzerns in zwei eigenständige, börsennotierte Unternehmen für Werkstoffe und für Industriegüter sei Managementkapazität und Zeit investiert worden. Der Nutzen sei bisher aber nicht sichtbar gewesen.

Den neuen Vorstandsplan, die profitable Aufzugssparte an die Börse zu bringen, sieht Hechtfischer eher als Notlösung. „Thyssen-Krupp braucht das Geld, aber auch die Dividende. Die allerbeste Lösung scheint das nicht zu sein“, meinte er. Die Gewinnausschüttung des „Prunkstücks“ Aufzugssparte müsste man sich künftig mit anderen Aktionären teilen.

Thyssen-Krupp-Chef Guido Kerkhoff hält derweil neben dem Aufzugsgeschäft weitere Verkäufe und Partnerschaften für möglich. „Wenn wir sehen, dass sich die Geschäfte in Partnerschaften oder anderen Strukturen besser entwickeln können, dann werden wir uns dem öffnen“, sagte er im Handelsblatt-Interview. Man sei etwa im Bereich Autoteile für neue Lösungen offen: „Hier sind wir nicht so groß und müssen in einigen Bereichen Restrukturierungen vornehmen. Wenn wir hier künftig eine Partnerschaft eingehen, dann müssen wir nicht unbedingt die Mehrheit halten.“

  • rtr
Startseite

1 Kommentar zu "Konzernumbau: Thyssen-Krupp: Gewerkschaft verlangt rasche Planung der Kündigungen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Arbeitslosigkeit kehrt zurück, ich sage für Deutschland steigende Arbeitslosenzahlen für den Herbst und eine Arbeitslosenquote von 10% im Jahre 2021 voraus. Nicht nur bei Thyssen-Krupp, es gibt in allen deutschen Unternehmen zu viel nutzloses und unproduktives Verwaltungspersonal im mittleren Management. Von diesen Leuten wird man sich trennen müssen wenn der Zwang zum Sparen offensichlich wird. Einen neuen Arbeitsplatz zu finden wird für diesen Personenkreis nicht leicht, da es sich in der Regel um müde Männer zwischen 49 und 59 Jahren, in der Endphase ihrer "Karriere", handelt. Wir werden also einen neuen Typ von Langzeitarbeitslosen sehen.

Serviceangebote