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Konzernumbau Thyssen-Krupp verliert Stahlchef in heikler Phase

Spartenvorstand Premal Desai muss seinen Posten bei Thyssen-Krupp räumen: Seine Investitionspläne waren dem Konzernvorstand offenbar zu aufwendig.
09.02.2020 - 17:39 Uhr Kommentieren

Der Vorstand des Industriekonzerns Thyssen-Krupp tauscht mitten in der heikelsten Phase des Umbaus den Chef der Stahlsparte aus. Premal Desai wird den Posten zum Ende des Monats verlassen, wie das Handelsblatt aus dem Umfeld des Aufsichtsrats erfahren hat. Nachfolger soll Bernhard Osburg werden, der bislang für den Vertrieb verantwortlich ist.

Die Ablösung von Desai erschüttert das angeschlagene Unternehmen, will doch die Firmenführung um die Vorstandsvorsitzende Martina Merz die Hüttensparte zum neuen Kern der Thyssen-Krupp AG machen.

Desai selbst hatte die Pläne für eine Aufrüstung des Geschäftsbereichs mit seinen rund 27 000 Mitarbeitern ausgearbeitet. Thyssen-Krupp Steel ist zwar Deutschlands größter Produzent von Stahl, der zu Autos und Maschinen verarbeitet wird. Allerdings war der Branchenprimus qualitativ hinter die Konkurrenz zurückgefallen. „Thyssen-Krupp liegt inzwischen im unteren Drittel bei der Stahlqualität“, berichteten Vertreter von Kunden.

Mit dem Selbstverständnis des Branchenprimus passt dieser Absturz gegenüber den Wettbewerbern Arcelor-Mittal und Voestalpine nicht zusammen. Es war nun an Desai, einen neuen Plan vorzulegen. Und er lieferte – zumindest im Rahmen des Machbaren. Über die kommenden fünf Jahre sollten zusätzlich in Summe 800 Millionen Euro in die Ertüchtigung des Anlagenparks investiert werden.

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    Mit diesem Betrag würde das Unternehmen die Lücke zur Konkurrenz schließen können. Allerdings war fraglich, ob der Vorstandsbereich um Desai diese Mittel bekommen würde. Aktuell könnte sich Thyssen-Krupp diese Investitionen nicht leisten. Mit einer Eigenkapitalquote im einstelligen Prozentbereich und einer fortlaufenden Eintrübung der Ergebnislage ist der Ruhrkonzern praktisch blank.

    Diese Finanzklemme sollte sich aber bald lösen. Denn Vorstandschefin Merz betreibt auf Druck der Großaktionäre – der Krupp-Stiftung und des Finanzinvestors Cevian – den Verkauf der Aufzugsparte. Es ist ein Notverkauf, ist doch die Sparte der Bereich mit den höchsten Gewinnen. Die Gespräche über die Trennung von der Einheit befinden sich in der Schlussphase.

    Höherer Preis für Aufzüge

    Dabei dürfte der Deal unerwartet lukrativ werden: Nachdem die Offerten lange Zeit um die 15 Milliarden Euro gependelt hatten, hat der Wettbewerber Kone nun 17 Milliarden Euro für die Aufzugsparte geboten.

    Kommen nun keine weiteren Komplikationen auf, dann erhält Vorstandschefin Merz deutlich mehr Geld als erhofft. Über die konkrete Verwendung der Einnahmen hat sich der Vorstand bislang ausgeschwiegen. Klar ist aber, dass mit dem Erlös die Schulden- und Pensionslast bereinigt werden soll und Gelder für Investitionen aufgebracht werden sollen.

    Der geplante Verkauf der Aufzug‧sparte wird der Meilenstein in der Ära Merz. Die frühere Bosch-Managerin war im Oktober vom Aufsichtsrat an die Spitze des Vorstands gewechselt, um den geschassten Guido Kerkhoff zu ersetzen. Sie hatte dabei klargemacht, dass sie nicht länger als die gesetzliche Zeit von einem Jahr auf dem Posten verweilen wolle.

    In dieser Frist will sie das Unternehmen so aufstellen, dass es mit einer soliden Bilanz einer klaren Strategie folgen kann. Es wäre dann reif, um einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin übergeben werden zu können. Da neben dem Aufzuggeschäft auch der Anlagenbau verkauft und die Sparte Komponenten eingedampft werden sollen, liegt der Fokus zukünftig auf Stahl und Werkstoffhandel.

    Das weitverzweigte Konglomerat, das einst zur Weltspitze zählte, würde damit wie ein Bonsai-Bäumchen zurechtgeschnitten. Für viele Führungskräfte ist indes nicht nachvollziehbar, warum Thyssen-Krupp sich nicht auf Aufzüge fokussiert und die anderen Felder abgibt. „Die Marge ist bei Elevator zweistellig, Stahl schafft nur einen Bruchteil“, sagte ein hochrangiger Manager. Aufsichtsräte unterstützen diese Sicht.

    Das Sagen indes haben die Großinvestoren Krupp-Stiftung und Cevian, die letztlich Merz als Interimschefin installiert haben. Als erfahrene Saniererin setze sie die Vorgaben nun um, hieß es in Konzernkreisen.

    Dazu gehört offenbar, das Investitionsbudget zu schonen. Mit der Ablösung von Desai wird fraglich, ob die Sparte die nötigen Gelder für die Aufholjagd erhält. Die Neigung des Konzernvorstands, diese Mittel freizugeben, sei nicht sehr groß.

    Desai ist so etwas wie ein Urgestein von Thyssen-Krupp. Während der Vorstandsvorsitz in den vergangenen Jahren von Ekkehard Schulz über Heinrich Hiesinger und Guido Kerkhoff zu Martina Merz durchgewechselt wurde, blieb der Krefelder auf seinem Posten. Lange Zeit war der frühere Berater von Boston Consulting für die Ausarbeitung der Strategie der Thyssen-Krupp AG zuständig, bis er im vergangenen Juni zum Chef der Stahlsparte befördert wurde.

    Als Merz die Leitung übernahm, schränkte sie seinen Spielraum ein, indem sie ihm mit Klaus Keysberg einen Chef im Konzernvorstand vor die Nase setzte. Im kleinen Kreis beteuerte Merz da noch, dass sie Desai nicht habe düpieren wollen. Ihm sei schließlich die wichtige Aufgabe anvertraut, eine Strategie für die Stahlsparte zu entwickeln.

    er Stahlchef hatte zu der Zeit im vergangenen Oktober die Eckpunkte für eine langfristig solide Aufstellung bereits ausgearbeitet. Gelingen sollte das mit ebenjenen höheren Investitionen in neue Anlagen.

    Mit seinen Plänen durchkreuzte er offenbar die Pläne seiner Vorgesetzten. Der Vorstand habe nach Möglichkeit auf zusätzliche Gelder verzichten wollen und stattdessen einen stärkeren Fokus aufs Sparen angestrebt, hieß es in Konzernkreisen. Mehr Arbeitsplätze als die bereits angekündigten knapp 2 000 Stellen sollten gestrichen werden, soll eine Forderung gewesen sein. Desai habe dies abgelehnt, da über die Jahre viele Mitarbeiter eh verrentet werden.

    Der Konzernführung geht es offenbar weniger um die langfristige Positionierung der Stahlsparte. Sie hat anderes im Blick. Auf Betreiben der Großaktionäre lote Merz die Möglichkeiten für einen Zusammenschluss mit einem Wettbewerber aus, hieß es in informierten Kreisen.

    Europas Stahlindustrie braucht aus Sicht der meisten Akteure eine Konsolidierung, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Die Branche leidet derzeit unter enormen Überkapazitäten, einige unrentable Hütten müssten geschlossen werden.

    Thyssen-Krupp selbst hatte sein Stahlgeschäft mit dem niederländisch-britischen Wettbewerber Tata Steel Europe fusionieren wollen, scheiterte aber an der EU-Kommission.

    Einen neuerlichen Anlauf würde die Firmenleitung um Merz nun gerne mit Salzgitter in Angriff nehmen. Die Gewerkschaft IG Metall stützt diese Pläne, um die Hütten zukunftsfest zu machen. Mit seiner ambitionierten Strategie stand Desai diesen Plänen im Weg, waren diese doch auf zehn Jahre angelegt. Der Vorstand indes will wohl schnell eine Lösung, die Kosten spart.

    Außerdem steht am Ende die Frage: Was bleibt nach dem Umbau von Thyssen-Krupp übrig?

    Mehr: Der Niedergang von Thyssen-Krupp hat schon vor langer Zeit begonnen - ein Rückblick.

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