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Thyssen-Krupp-Testturm in Rottweil

Das Geschäft mit Aufzügen und Fahrtreppen soll nun teilweise an die Börse.

(Foto: dpa)

Konzernumbau Thyssen-Krupps Aufzugssparte soll an die Börse – Kündigungen im Konzern Ultima Ratio

Nach der gescheiterten Stahlfusion ordnet sich Thyssen-Krupp neu. Aufsichtsratschefin Merz, die Arbeitnehmer und wesentliche Aktionäre haben dem Vorhaben zugestimmt.
Update: 12.05.2019 - 08:54 Uhr Kommentieren

DüsseldorfFür Lars Förberg, Mitgründer des schwedischen Investmentfonds Cevian, begann am Freitagmorgen das Ende eines langen Kampfs. Immer wieder hatte der Investor in den vergangenen Jahren gefordert, die fünf Sparten des Thyssen-Krupp-Konzerns unabhängiger voneinander aufzustellen – und scheiterte damit regelmäßig am Widerstand des Managements, das bislang stets eine Konglomeratsstruktur für die vielen unterschiedlichen Geschäfte favorisierte.

Doch nun bekommt der zweitgrößte Anteilseigner des Industriekonzerns seinen Willen: Die geplante Aufspaltung von Thyssen-Krupp in ein Werkstoff- und ein Technologieunternehmen ist vom Tisch. Stattdessen will Vorstandschef Guido Kerkhoff nach der gescheiterten Stahlfusion mit Tata Steel Europe nun eine Holding formen. Die Spartenchefs sollen „mehr unternehmerische Freiheit als je zuvor in der Geschichte von Thyssen-Krupp erhalten“, versprach Kerkhoff am Freitag vor Journalisten.

Es ist der Plan, für den der schwedische Großinvestor schon seit Jahren wirbt. Um das Potenzial der Industriegeschäfte voll entfalten zu können, so hatte Förberg Anfang des vergangenen Jahres im Handelsblatt erklärt, „brauchen diese Sparten wesentlich mehr unternehmerischen Freiraum“. Auch einen Verkauf des Aufzugsgeschäfts hatte Förberg zu verschiedenen Anlässen ins Spiel gebracht – beides zusammen bildet nun den Kern der neuen Strategie.

Noch am Samstagabend stimmte der Strategieausschuss des Aufsichtsrats zu, dem neben der Vorsitzenden Martina Merz auch Markus Grolms von der IG Metall angehört. Mitglieder sind zudem mit Cevian-Vertreter Jens Tischendorf und Krupp-Stiftungschefin Ursula Gather auch die wesentlichen Aktionäre des Ruhrkonzerns.

Am 21. Mai wird der Aufsichtsrat final über das Vorhaben abstimmen. Präsidium sowie auch der Strategieausschuss empfehlen den restlichen Kontrolleuren, den Vorschlag des Vorstands anzunehmen. „Die vorgeschlagene Neuausrichtung des Konzerns ist eine verantwortungsvolle Entscheidung, vor der ich großen Respekt habe“, erklärte Chefkontrolleurin Merz. „Bei der Umsetzung werden wir den Vorstand gerne begleiten.“

Dabei ist der nun geplante Teilbörsengang der profitablen Aufzugssparte die wohl deutlichste Abkehr vom bisher eingeschlagenen Weg. Stets hatte das Management betont, das Geschäft am besten selbst weiterentwickeln zu können. Doch das Festhalten an den Aufzügen hatte noch einen weiteren Grund: Mit einem Betriebsergebnis von zuletzt rund 775 Millionen Euro zählt die Sparte zu den wenigen verlässlichen Gewinnbringern im Konzern.

Das weckt Begehrlichkeiten – beispielsweise bei Konkurrenten wie dem norwegischen Aufzughersteller Kone, der in der Vergangenheit schon mal für eine Fusion in Essen angeklopft hat. Aber auch bei den Thyssen-Krupp-Aktionären, die im Moment mit einem deutlichen Abschlag auf den eigentlichen Wert der Sparte leben müssen, die von der schlechten Verfassung der anderen Geschäfte rechnerisch belastet wird.

So schätzen Experten, dass der Geschäftsbereich Elevator Technology allein fast doppelt so viel wert wäre wie derzeit der Thyssen-Krupp-Konzern als Ganzes, freilich vor den jüngsten Kurssprüngen. In der Bilanz wird er im Moment allerdings nur mit einem Betrag von etwa 1,5 Milliarden Euro berücksichtigt – der Rest fällt als stille Reserve an.

Auch bei einer Aufspaltung in ein Werkstoff- und ein Technologieunternehmen, wie sie Kerkhoff ursprünglich vorgesehen hatte, wären diese stillen Reserven gehoben worden. Allerdings hätte Thyssen-Krupp für die so erzielten Bilanzgewinne auch Steuern entrichten müssen – Schätzungen zufolge immerhin rund 800 Millionen Euro.

Diese Belastung falle bei einem Börsengang nicht an, erklärte der Vorstandschef vor Journalisten am Freitag. „Darüber können wir unsere Kapitalbasis nachhaltig stärken. Das werden wir dazu nutzen, den nötigen Konzernumbau weiter voranzutreiben.“ Damit seien Investitionen in Wachstum und aktives Portfoliomanagement gemeint, aber auch Restrukturierungen, so der Manager.

Analysten bewerten den Schritt grundsätzlich positiv. Die Aufzugssparte sei das „Kronjuwel“ des Industriekonzerns und dürfte folglich auf großes Interesse bei den Investoren treffen, schrieb Jefferies-Analyst Alan Spence am Freitag in einer Studie. Auch JP-Morgan-Beobachter Luke Nelson begrüßte den Schritt als eine Rückkehr zu dem, „was viele Marktteilnehmer vor einem Jahr gehofft“ hätten.

Eine Sonderdividende ist allerdings nicht zu erwarten. Dagegen verwehrt sich vor allem die IG Metall, die die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat stellt. So hatte NRW-Bezirkschef Knut Giesler noch am Freitag ausgeschlossen, dass die Gewinne aus dem Börsengang direkt an die Aktionäre fließen: „Der Erlös muss für Restrukturierungen und Zukunftsfragen verwendet werden. Eine Ausschüttung an die Aktionäre wird es mit uns nicht geben.“

Ähnlich äußerte sich auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der nach einem Treffen am Samstag mit Vorstandschef Guido Kerkhoff sagte, die Erlöse müssten in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens investiert werden, „damit der überwiegende Teil der Arbeitsplätze gesichert werden kann“. Laschet lobte darüber hinaus das bisherige Vorgehen des Vorstands.

Vor dem positiven Votum durch Aufsichtsrat Grolms hatte die IG Metall in der Nacht eine Grundsatzvereinbarung mit dem Vorstand geschlossen, in der sie ihr grundsätzliches Einverständnis mit der strategischen Neuausrichtung erklärte. Insgesamt sollen durch die neue Struktur 6.000 Jobs wegfallen, davon 4.000 in Deutschland.

Doch der Abbau soll nach einer Vereinbarung zwischen dem Vorstand, IG Metall und Betriebsrat weitgehend ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt werden. „Die heute getroffene Vereinbarung bestimmt die Spielregeln für den Konzernumbau“, sagte Grolms am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. Das gebe den Beschäftigten Sicherheit. „Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden und sind nur in Ausnahmefällen möglich.“ Personalvorstand Oliver Burkhard bestätigte das auf seinem Twitter-Account: „Betriebsbedingte Kündigungen wollen wir vermeiden, sind aber in Ausnahmen (Ultima Ratio) möglich“, schrieb er.

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