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Kooperation bei E-Autos Ford und VW besiegeln Allianz

Gemeinsam wollen die Autokonzerne an teuren Zukunftsthemen arbeiten. Die Kosten für selbstfahrende Autos und den Elektroantrieb sollen so geteilt werden.
Update: 12.07.2019 - 19:10 Uhr Kommentieren
Die Ford-Tochter entwickelt selbstfahrende Autos. Quelle: AP
Argo

Die Ford-Tochter entwickelt selbstfahrende Autos.

(Foto: AP)

Düsseldorf, New YorkFord-Chef Jim Hackett betont die gute Chemie. „Wir lächeln ständig, wenn wir zusammenarbeiten“, sagt er und schaut über die Schulter zu VW-Chef Herbert Diess, der zur Pressekonferenz in New York gerade neben ihm Platz genommen hat. Das sei extrem wichtig. Schließlich wollen die beiden Autobauer noch enger zusammenarbeiten, vor allem wenn es um die Themen Elektroautos und autonomes Fahren geht. So wird sich der VW-Konzern in einem ersten Schritt mit 2,6 Milliarden US-Dollar an Argo AI beteiligen, seinem Start-up für das autonome Fahren, an dem auch Ford beteiligt ist. Wie die Konzernchefs am Freitag in New York zudem mitteilten, übernimmt Ford für sein europäisches Geschäft zudem die neue Elektroarchitektur MEB von Volkswagen.

Mindestens ein Volumenmodell soll auf dieser Basis in europäischen Ford-Werken produziert werden. Ford prüft derzeit noch, ob es auch ein zweites Modell auf Grundlage der MEB-Plattform geben wird. Denkbar sei auch, dass Ford die Plattform der Wolfsburger in anderen Regionen, etwa China, nutzen könnte, um Umweltstandards besser einhalten zu können, hieß es aus Konzernkreisen. Eine gegenseitige Kapitalverflechtung auf Konzernebene ist jedoch nicht geplant.

„Unsere Allianz mit Ford entwickelt sich immer vielversprechender“, betonte Diess. Die Kooperation mit Ford bei den Elektroautos werde dafür sorgen, dass sich die Elektromobilität vor allem in Europa schneller durchsetzen könne.

Beide Unternehmen profitierten am Ende davon, dass die Entwicklungskosten auf eine größere Stückzahl von Autos verteilt werden. Ford soll eine Lizenzgebühr für die Nutzung der MEB-Architektur an Volkswagen zahlen. Der VW-Konzern hat nach eigenen Angaben seit 2016 rund sieben Milliarden Dollar in die neue Plattform investiert. Die Zusammenarbeit in den verschiedenen Bereichen sorge bei beiden Unternehmen für Synergien im Wert von jeweils mehreren 100 Millionen Dollar.

Auch durch die Kooperation mit Argo entstünden für die beiden Bündnispartner Kostenvorteile im Vergleich mit anderen Konkurrenten aus der Automobilindustrie.

Gemeinsame Arbeiten am selbstfahrenden Auto

Volkswagen investiert insgesamt 2,6 Milliarden Dollar in das KI-Start-up aus Allen Park im US-Bundesstaat Michigan. Zum einen durch die Bereitstellung von einer Milliarde US-Dollar und zum anderen, indem Volkswagen seine Münchener Tochtergesellschaft Autonomous Intelligent Driving (AID) einbringt, die mit 1,6 Milliarden US-Dollar bewertet wird.

Bei AID arbeiten rund 200 Experten, die meisten von ihnen haben Technologien rund um das autonome Fahren für den VW-Konzern entwickelt. Darüber hinaus wird Volkswagen über einen Zeitraum von drei Jahren Anteile an Argo AI für insgesamt 500 Millionen US-Dollar von Ford übernehmen.

Das Start-up von Gründer Bryan Salesky wird nach dem Einstieg von VW mit insgesamt mit rund sieben Milliarden Dollar bewertet. Die Autokonzerne halten gemeinsam die Mehrheit an Argo. Ein Teil der Anteile sei zudem für Gründer und Mitarbeiter reserviert. Volkswagen und Ford wollen gemeinsame Systeme für das autonome Fahren entwickeln, die dann in den eigenen Fahrzeugen eingesetzt werden. Bis etwa Mitte des nächsten Jahrzehnts sollen diese Systeme einsatzbereit sein. Gedacht ist zunächst an kommerzielle Einsätze wie bei Sammeltaxis und im Ride-Hailing. Unternehmen können viel Geld damit sparen, weil diese Systeme in den Robotaxis die Fahrer ersetzen werden.

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Ford will ein erstes eigenes, rein batteriebetriebenes E-Auto auf Basis des Modularen E-Antriebsbaukastens von Volkswagen entwickeln. Von 2023 an soll das im deutschen Ford-Entwicklungszentrum in Köln entwickelte Fahrzeug auf den Markt kommen. Ford rechnet mit mehr als 600.000 verkauften Fahrzeugen innerhalb von sechs Jahren in Europa. Die 600.000 Autos stünden für ein Umsatzvolumen von 10 bis 20 Milliarden Dollar, so die Unternehmen.

Darüber hinaus prüft Ford, ein zweites Modell auf MEB-Basis für den europäischen Markt anzubieten, wie das Unternehmen mitteilte. Ford wollte noch nicht sagen, wo das erste neue E-Auto des Konzerns von den Bändern laufen wird. Eine mögliche Wahl wäre das Kölner Stammwerk von Ford.

Partner und Konkurrenten

In den USA will der Autokonzern künftig zudem die umfangreiche Lade-Infrastruktur nutzen, die VW gerade unter der Marke „Electrify America“ aufbaut. Diese Investition ist Teil der Strafe, die VW im Zuge des Diesel-Skandals einging. Ford komme 2020 mit einem Elektro-SUV auf den Markt und würde daher von Zugang zu einem Lade-Netzwerk profitieren, heißt es in Konzernkreisen. Dass sich Ford mit der Allianz ein Reputationsrisiko ins Haus holen könnte, weißt Hackett zurück. „Der Diesel-Skandal war eines der ersten Themen, über die wir gesprochen haben und wir sind überzeugt, dass das Thema adressiert wurde“, versicherte er.

Der Trend zu neuen Allianzen stößt unter Marktbeobachtern auf große Zustimmung. „Wir glauben, dass das positiv für beide Unternehmen ist“, betonte Daniel Schwarz, Automobilanalyst beim Schweizer Bankhaus Credit Suisse. In der Elektromobilität würden die Stärken von Volkswagen kombiniert, beim autonomen Fahren die hervorgehobene Position von Ford. Allerdings müssen die Konzerne nun erst einmal liefern. „Ob diese Zusammenarbeit ein Erfolg wird oder Ressourcen beim Management und bei den Ingenieuren vergeudet, wird sich zeigen“, schreibt Chris McNally von Evercore ISI.

Das grundsätzliche Verhältnis zwischen Ford und Volkswagen gilt als unproblematisch. Beteiligte sprechen von einem guten Verhandlungsklima, wenn beide Seiten über die möglichen Kooperationsvorhaben verhandeln. Denn die Zusammenarbeit beider Autokonzerne hat Tradition: Schon zweimal gab es zwischen beiden Unternehmen eine enge Kooperation.

Wegen der damals anhaltenden Wirtschaftskrise hatten Volkswagen und Ford ihre Geschäfte in Argentinien und Brasilien in den 80er- und 90er-Jahren unter dem Namen „Autolatina“ in einem Joint Venture zusammengefasst. Produktion, Vertrieb – alles hatten VW und Ford in Lateinamerika unter einem gemeinsamen Dach gebündelt. Als sich die wirtschaftliche Situation Mitte der 90er-Jahre deutlich gebessert hatte, ging jeder der beiden Partner wieder seinen eigenen Weg in Südamerika.

Die Kooperation in Lateinamerika war Vorbild für ein kleineres Kooperationsvorhaben in Europa. Anfang der 90er-Jahren entschieden sich beide Konzerne zum Bau einer gemeinsam betriebenen Autofabrik im portugiesischen Palmela, unweit von Lissabon. Fast zehn Jahre lang produzierten Volkswagen und Ford dort gemeinsam Großraumlimousinen, den VW Sharan und den Galaxy der Amerikaner. Ende der 90er-Jahre entschied sich Ford zum Rückzug aus Palmela, Volkswagen übernahm das Werk komplett.

Hackett betonte jedoch, dass Ford und VW weiterhin auch Konkurrenten sein würden. Auch im Zeitalter der E-Autos gebe es Möglichkeiten, sich von anderen abzusetzen, zum Beispiel beim Geschäftsmodell und den Dienstleistungen die die Hersteller rund um die E-Autos anbieten.

Mehr: VW vollzieht den radikalen Schwenk zur Elektromobilität und kann durch die Partnerschaft mit Ford den Takt vorgeben – zum Ärger von BMW und Daimler.

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